Express Online: Thema der Woche | 11. Oktober 2007

"Ein wenig vertestet"

Trügerisches Wahrzeichen: Autor Arnd Federspiel lässt in seinem Krimi "Der vierte Schwätzer" die Ermittler in einer "kleinen mittelhessischen Metropole" sogar in die Welt der organisierten Kriminalität eintauchen.

Es sind Semesterferien in Gießen, die Stadt wirkt leer und verlassen. Auch Privatdetektiv Julius Lotz klagt über die Saure-Gurken-Zeit: "Das Verbrechen ist merklich zurückgegangen." Doch an einem frühen Morgen, auf dem Heimweg von einer Weinprobe, gerät der Weinhändler Marc Colavincenzo ins Stutzen. Im Seltersweg schälen sich die Umrisse der "Drei Schwätzer" aus dem Nebel - aber etwas stimmt mit dem Wahrzeichen nicht. "Die drei Schwätzer waren an diesem Morgen zu viert", wundert sich der "Weinmann", der sich am Abend zuvor jedoch "ein wenig vertestet" hat. Der "vierte Schwätzer" ist eine Leiche, ein Mann, der erschossen an den metallenen Figuren lehnt.

Mit viel Humor, Wortwitz und Lokalkolorit lässt Autor Arnd Federspiel in seinem Krimi "Der vierte Schwätzer" Lotz und seinen Gehilfen auf Verbrecherjagd gehen - und die Ermittler in der "kleinen mittelhessischen Metropole" sogar in die Welt der organisierten Kriminalität eintauchen. Bei einer Lesung mit Weinprobe führte Federspiel die spannende Geschichte rund um den (fiktiven) Privatdetektiv Lotz am Samstag gemeinsam mit dem (echten) Weinhändler Colavincenzo in der "Weinrebe am Lindenplatz" auf.

Der vierte Schwätzer" ist bereits der zweite Krimi, den der 41 Jahre alte Schauspieler und Jurist rund um den Weinladen geschrieben hat. Im ersten Band, "Kellerleichen", entdeckt der Weinhändler einen bekannten Weinkritiker tot in seinem Weinkeller, mit einem Korkenzieher im Hals. Und eine erste Lesung des dritten Teils, "Jäger und Sammler", ist für Ende dieses Jahres geplant.

Federspiel wohnt inzwischen in Essen, hat aber in Gießen studiert und fast zwölf Jahre lang hier gelebt. "Ich habe mir schon damals überlegt, was wäre, wenn an den 'Drei Schwätzern' ein Toter lehnt", erzählt der Autor. Der Krimi sei dann innerhalb weniger Tage entstanden ("Das ging relativ flott"), und zwar mit Originalschauplätzen. So kommt der "generalsanierte" Gießener Marktplatz ebenso vor wie die nahe gelegene Kirchturmuhr - und nach dem rasanten und actiongeladenen Finale der Geschichte sieht man den goldenen Engel über der Engel-Apotheke mit ganz anderen Augen.

Aus seinem ersten Band "Kellerleichen" liest Arnd Federspiel am Freitag, 12.10., um 20 Uhr in der Weinrebe. Zu Federspiels Band "Kellerleichen" gibt es ein Buch und ein Hörspiel. Die gesammelten ersten drei Bände sollen ebenfalls als Buch und Hörspiel erscheinen.

Julia Ranniko

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