Die Solarregelung der Großstadt Barcelona ist das Vorbild: Marburg will bekanntlich als erste Stadt in Deutschland Sonnenkollektoren auf Neubauten zur Pflicht machen. Doch mit der geplanten Solarpflicht für alle Häuser gerät die Stadt Marburg zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik: Viele Handwerker, Hausbesitzer, Gewerbetreibende sowie die konservativen Parteien lehnen den Plan ab, der von der rot-grünen Koalition im Marburger Rathaus vorangetrieben wird.
Eine Zwangsverpflichtung kann aus unserer Sicht nur schaden", sagt Günther Simon, von der Handwerkskammer Kassel. Wesentlich sinnvoller als eine gesetzliche Verpflichtung sei die Förderung aller regenerativen Techniken und energiesparenden Maßnahmen, so der Diplom-Betriebswirt.
Mit der geplanten Satzung werden Hausbesitzer höher bestraft als Täter nach dem Strafgesetzbuch", ereifert sich der Vorsitzende des Landesverbands der Hessischen Haus- und Grundstückseigentümer, Günther Belz. Nach dem bislang vorliegenden Entwurf müssen Hausbesitzer mit einem Bußgeld von bis zu 15 000 Euro rechnen, wenn sie ihre Dächer nicht mit einer Solaranlage ausstatten. Dass sich die Anlagen wirtschaftlich rechnen, bezweifelt Belz: "Marburg ist nicht der Breisgau mit mehr als 330 Sonnenscheintagen im Jahr." Zudem sei der Solarzwang rechtlich nicht haltbar, meint er.
Der Marburger Bürgermeister Franz Kahle (Grüne) stützt sich jedoch auf ein Gutachten einer Energierechtskanzlei. Danach ist die Solarpflicht durchaus möglich. "Dass wir damit Neuland betreten, ist uns ja bekannt", sagt Kahle. Bundesweit gibt es das Modell bislang nur für einzelne Baugebiete. Zurzeit liegt von der Marburger Satzung erst ein Entwurf vor. Danach sollen Solaranlagen auf allen Neubauten sowie auf Altbauten, deren Dach oder Heizung saniert wird, zur Pflicht werden. Alternativ ist Fotovoltaik möglich. Ausnahmen gibt es für sehr kleine verschattete Dächer sowie in der denkmalgeschützten Oberstadt.
Die endgültige Entscheidung wird im Frühjahr in der Stadtverordnetenversammlung fallen. Auch dort gibt es harsche Kritik. Von "Ökodiktatur" spricht Hermann Uchtmann von der Marburger Bürgerliste. "Wir halten nichts von dem Zwangsverfahren", sagt CDU-Parteivorsitzender Roger Pfalz. Er sieht in dem Plan vor allem eine "persönliche Profilierung" des Bürgermeisters. "Es hat den Anschein, als wolle er unbedingt der erste Grüne mit einer solchen Satzung sein."
Da versucht eine Stadt, in die Schlagzeilen zu kommen", findet Klaus Pfalzgraf, Referent für Bau- und Planungsrecht des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. Nach seiner Einschätzung gibt es eine Rechtsgrundlage nach dem Baugesetzbuch. Ob sie ausreiche, müsse gerichtlich überprüft werden. Deshalb spricht Ruprecht Bardt von der Industrie- und Handelskammer Marburg von einem "Auftakt zu einer geradezu endlosen Geschichte von Rechtsunsicherheiten". Er fürchtet, dass die Gewerbetreibenden bei Neuansiedlungen vor der Solarpflicht in die Umlandgemeinden flüchten.
An der Gießener Universität verschwinden Studenten. Ein angehender Psychologe, ein Jurist und ein Anglist sind verschollen, eine künftige Betriebswirtschaftlerin und eine Orientalistin ebenfalls. Irgendwann sind sie nicht mehr in ihre Seminare gekommen und auch ihre Freunde und Bekannten wissen nicht, wo sie sind. Sie sind plötzlich einfach weg, ohne eine Spur zu hinterlassen. Oder, wie es der Ich-Erzähler in Arnd Federspiels neuem Krimi "Jäger und Sammler" ausdrückt, haben rätselhafterweise "die Damen und Herren Studenten nicht nur ihren Kursen, sondern gleich ihrem ganzen Leben den Rücken gekehrt".
Sie ermitteln wieder: Der genussfreudige Privatdetektiv Julius Lotz, sein eifriger und mit Dietrichen äußerst gewandt hantierender Assistent der Ich-Erzähler und der schlaksige Weinhändler, der "ein ausgesprochen unglückliches Händchen für das Auffinden von Mordopfern" hat. Es sind die vertrauten Hauptpersonen aus Federspiels Krimireihe rund um den "Weinladen am Lindenplatz" und dort führte der Autor die fesselnde Geschichte rund um den (fiktiven) Privatdetektiv Lotz gemeinsam mit dem (echten) Weinhändler Marc Colavincenzo bei einer Lesung mit Weinprobe auf.
Nach dem ersten Band "Kellerleichen" (rund um einen Mord mit einem Korkenzieher im Weinkeller des Ladens) und dem Nachfolger "Der vierte Schwätzer" (rund um einen Toten am Wahrzeichen in der Gießener Fußgängerzone) spielt "Jäger und Sammler" nun an der Universität, "im Herz dieses seltsamen Wesens". Denn: "Kaum ein Faktor prägt die Atmosphäre der kleinen mittelhessischen Metropole, in der mein Boss Julius Lotz und ich unserer Arbeit nachgehen, wie die Universität", heißt es gleich in der Einleitung. Und weil der Weinhändler gerade an der Hochschule unterrichtet dort hat er vor seinem Dasein als Verkoster und Verkäufer promoviert und lange Zeit gelehrt -, sticht ihm allmählich das merkwürdige "sich-in-Luft-Auflösen" der Studenten ins Auge.
Das Trio findet heraus, dass die Studenten in der Reihenfolge der Fachbereiche verschwinden von 01 wie Rechtswissenschaft über 06 wie Psychologie bis 11 wie Medizin. Und ahnt schnell, dass jemand der Universität ausgerechnet zu ihrem 400-jährigen Bestehen auf ausgeklügelte Art und Weise schaden will. Doch wer kann einen solchen Hass auf die altehrwürdige Einrichtung haben? Und aus welchem Grund? Bis es zum perfide geplanten Ende rund um das Pferd am Philosophikum I kommt, müssen die drei Ermittler in ein Haus und Atelier am Bergwerkswald einbrechen, sich intensiv mit Kunst befassen und üble Schmähreden in einem Tagebuch lesen. Und irgendwie kommt auch das "Phil III" ins Spiel, das in der Nähe von Phil I und II gelegene psychiatrische Krankenhaus. Mehr sei nicht verraten.
Trotz des gruseligen Plots ist der "Wein-Krimi" gewohnt humorvoll und voller Sprachwitz: So bringen Lotz' "zahlreiche Kinne" sowie Baguettes in der Uni-Cafeteria, die "wie Schneewittchen hinter ein paar gläsernen Klappen aufgebahrt" daliegen, die Zuhörer zum Lachen. Die Cafete übrigens, schreibt Federspiel, wirke "in etwa so anheimelnd wie die Kantine des KGB" obwohl ein "mitfühlender Planer" sich bemüht habe, ihr einen fröhlichen Anstrich zu verpassen. Unter anderem an diesen Lokalkolorit-Passagen merkt man, dass der 42 Jahre alte Autor, Schauspieler und Jurist in Gießen studiert und fast zwölf Jahre lang hier gelebt hat. Inzwischen wohnt Federspiel mit Frau und Tochter in Essen.
Einen politischen Seitenhieb konnte sich auch Weinhändler Colavincenzo, der aus Kanada stammt, nach dem heftig umstrittenen Landtagswahlkampf des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) nicht verkneifen. Bei der Probe, betonte er, gebe es ausschließlich "Weine mit Migrationshintergrund". Italiener, Spanier und Franzosen.
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