Express Online: Filmkritik | 16.8.2001

Von Träumen und Wundern

Jean-Pierre Jeunets Die fabelhafte Welt der Amélie ist ein kleiner Film mit großer Wirkung

[Filmszene]Delicatessen"-Macher Jean-Pierre Jeunet ist von seinem Ausflug nach Hollywood zurückgekehrt. Mit ,,Alien - Die Wiedergeburt" hat er einen amerikanisch-französischen Blockbuster gedreht, nun wendet er sich wieder den kleinen Dingen zu. Ganz so wie die Protagonistin seines Films, Amélie. Mit ihr entdecken wir die vielen Kleinigkeiten, die so unwesentlich sind wie der berühmte Reissack in China und doch so viel bewirken können. In einer furiosen Eingangssequenz verbindet Jeunet den Flug einer Fliege mit der Befruchtung einer Eizelle, aus der schließlich das kleine Mädchen Amélie wird, ein Mädchen, das wenig Zuneigung erfährt und doch voller Gefühle steckt. Der Film erzählt dies ohne Tragik und ohne Wehmut, sondern immer wieder gebrochen durch einen freundlichen Sarkasmus, für den sich Jeunet bereits in ,,Delicatessen" stark gemacht hatte.

Amélie (Audrey Tautou) lebt in ihrer eigenen Welt. Sie ist eine Einzelgängerin und doch nicht einsam. Die kleinen Dinge des Lebens, zum Beispiel eine Schachtel, die hinter den Fliesen ihres Badezimmers versteckt ist, ziehen sie in ihren Bann. Die Menschen um sie herum sind ,,normal", und doch haben sie alle ihre Probleme und Marotten. Amélie liebt diese Menschen, weil sie die Verrücktheiten an ihnen bemerkt, und versteckt hilft sie ihnen, glücklich zu werden. Das Leben Amélies ist voller Wunder, die aus dem Alltag entstehen. Jeunet verstärkt dieses Gefühl durch seinen mal langsamen, mal sehr rasanten Inszenierungsstil. Die Welt scheint sich in den Augen Amélies zu verändern, und wir können dies sehen durch die vielen Bewegungen der Kamera, die ganz neue Blickwinkel und Perspektiven eröffnen, aber auch durch die kleinen, fast unauffälligen Effekte, die den Gesetzen der Natur trotzen und nur in der Wundermaschine Kino entstehen können.

Schließlich trifft Amélie Nino (Mathieu Kassovitz), der zerrissene Passfotos unter den Automaten hervorholt, um sie liebevoll aufzukleben und aufzuheben. Dabei begegnet er immer wieder einem geheimnisvollen Mann, der scheinbar in der ganzen Stadt unterwegs ist und überall sein Foto hinterlässt. Amélie findet Ninos Buch, und dann muss Nino Amélie finden. Doch so leicht finden sich zwei so seltsame Menschen nicht. Vor allem nicht in einer solch geheimnisvollen Welt wie der von Amélie.

Jeunet hat einen gleichzeitig leichten und ernsthaften Film gedreht. Seine Inszenierung, die Kamerafahrten und die Bewegung der Schauspieler stehen unverkennbar in französischer Tradition. Besonders das Kino Rivettes drängt sich immer wieder auf, gleicht doch Amélie einer Schwester von Rivettes ,,Céline et Julie". Gleichzeitig ist er in der Schnelligkeit der Bilder und den Effekten auch deutlich amerikanisch geprägt. Amélie ist darin eine kleine Ally McBeal, und wie bei ihr wenden sich auch Amélies Gefühle immer nach außen, in so lustigen wie skurrilen Verformungen der Körper oder Manipulationen der Umwelt.

Die fabelhafte Welt der Amélie" ist Sommerkino, wie man es sich im August wünscht. Man sollte diesem Film vielleicht am Tage den Vorzug geben. Denn dann kann man noch einige Stunden durch die Stadt streifen oder an einen See fahren und die Welt mit anderen Augen sehen.

Tobias Ebbrecht

 Express Online-Leser/innen:

bjiljhoi   [ bjiljhoi ]
am 20.6.2010 um 20:13 Uhr:
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Jasmine   [ - ]
am 11.10.2005 um 20:26 Uhr:
Ich fand diesen Film wunderschön und er ist mir sehr wichtig geworden. Ein Teil meines Lebens... Viele sagen, sie sehen sich in Amelie wieder, aber ich denke man will einfach nur so leben, seid doch ehrlich, seid ihr denn nicht einfach fasziniert von ihr und bezieht es auf euch selbst ;) Nunja, ein dickes Lob. Dieser Film hilft vielen Menschen ...

Edeltraud Bluhmgard   [ Bluhmgard@web.de ]
am 20.4.2005 um 13:19 Uhr:
i fand dem film so schö da muss i unbedingt nommal nei!

Julia   [ sisterjc@onlinehome.de ]
am 18.7.2003 um 20:53 Uhr:
Kann mir jemand sagen, wie ich die titelmusik zu diesem film bekomme? das schoene mit dem klavier??? hilfe!!
danke!

Manni   [ manni_bj868@yahoo.de ]
am 3.8.2002 um 15:53 Uhr:
Amélie ist ein Film, den ich mir in einem großen dunklen Kino allein mit meinem blind date ansehen würde, um festzustellen, ob wir die gleiche Art von Humor und Phantasie bevorzugen. Wo gibt es so ein Kino?

Corinna   [ filanda@web.de ]
am 2.8.2002 um 19:48 Uhr:
Amélie ist nicht nur ein Film , von dem ich so wie schon seit langem nicht mehr, vollkommen begeistert bin, ich kann mich in der Hauptfigur auch immer wiederfinden. Das liegt besonders an der so natürlich wirkenden Hauptdarstellerin mit ihren Macken und Marotten, die so sympatisch sind.

Marcel   [ Marcel.Labsch@gmx.de ]
am 10.12.2001 um 18:01 Uhr:
Unbeschreiblich schön.So warm und voller Gefühl und doch Stoff zum Schmunzeln.Dies war der erste Film den ich erlebt habe,wo nach der Vorstellung im Kino geschlossen applaudiert wurde.

Claudine   [ smile4cpv@yahoo.com ]
am 16.11.2001 um 1:07 Uhr:
Amelie ist der beste Film den ich je in meinem Leben gesehen habe. Ich kann mich in ihr total wieder spiegeln. Der Film ist genial und sagt soviel aus...

Gitte   [ gitte.ludwig@t-online.de ]
am 28.10.2001 um 11:43 Uhr:
Ein super Film, bei dem es einem 90 Minuten lang die Mundwinkel nach oben zieht!
Amelie ist eine herrlich natürliche Figur, der Film karikiiert aufs Feinste die kleinen und großen Eigenheiten der Menschen, ohne jemals boshaft zu werden. Sehr sehenswert, ich glaube, man muß ihn sogar zweimal sehen, um alle Pointen richtig zu sehen.

Uli
am 10.10.2001 um 20:27 Uhr:
Einfach ein perfekter Film. Gerade jetzt allen zu empfehlen, die wissen wollen, worum's im Leben wirklich geht...

Lucie   [ luciecordes@hotmail.com ]
am 22.8.2001 um 10:32 Uhr:
Amelie Poulain-so nennen die Franzosen ihren Lieblingsfilm. Hatte das Glück in schon 2mal is eben jenem Land sehen zu können und verließ beide Male mit einem Läceheln das Kino. Amelie, diesen Film muß man einfach gesehen haben. Das Phänomen dieses modernen Märchens zu erklären, fehlt schwer. Ameilie schlägt einen in ihren BAnn,diese so zauberhafte Hauptfigur...ach...es ist einfach einer dieser Filme, wo man das Kino verläßt und einem ein leichtes Glücksgefühl überkommt...warum? Schaut ihn euch an und ihr werdet mich verstehen...

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