Express Online: Filmkritik | 27.6.2002

Fucking incredible

Stilistisch cool, sophisticated und saufrech: Das Spielfilmdebüt Sexy Beast des renommierten und vielfach ausgezeichneten Werbe- und Videofilmers Jonathan Glazer ist keine fade Mainstream-Suppe, sondern ein würziger Independent-Auflauf.

[Filmszene]Da liegt er und lässt sich die knallige Sonne auf seinen fetten Bauch strahlen. Fast wie ein Hähnchen brutzelt Gary ,,Gal" Dove (Ray Winstone) vor sich hin, um seinen Ruhestand in vollen Zügen zu genießen. Wie in Trance erhebt sich Mr. Schwabbel langsam zum Song ,,Peaches" der Stranglers, schlüpft in seine Badeschlappen und gönnt sich via Minihandventilator ein bisschen Wind, wobei er beinahe von einem riesigen Stein erschlagen wird. Der massive Geröllsbrocken landet zum Glück (nur) im Swimmingpool. Dabei zerstört das ,,Steinchen" die Fliesen, und zwar genau die beiden Herzen, die zuvor vom Zuschauer belächelt werden und Gals Beziehung symbolisieren.

Eine Exposition mit Witz, die zugleich das weitere Geschehen vorwegnimmt: Es wird etwas Grobes kommen, das das traute Leben von Gal und seiner Frau Deedee (Amanda Redman) im warmen Spanien zu zerstören droht. Es heißt Don Logan (Ben Kingsley), ist glatzköpfig und nimmt kein Blatt vor den Mund. Ja, er wird kommen - plus derbem Soundtrack (Unkle with South) -, der alte Kumpel aus Gals dunkler Vergangenheit, nämlich als man noch gemeinsam im grauen London sein Unwesen als Verbrecher trieb.

Don kann und will seinem Ex-Kollegen nun nicht abnehmen, dass er sich im Ruhestand befindet und drängt ihn auf penetrante Art und Weise, mit nach England zu kommen, um dort ein Ding zu drehen. Der ungebetene Gast wird ausfällig, beleidigt Gals Frau, die einst ein Pornostar war, zieht über Freunde und Lifestyle her, und fordert sogar den Zuschauer. Denn kaum ein Satz kommt ohne Zusatzwörter aus: Siehst du, Gal, wo erst ein Wille ist, und hier ist ein Scheiß-Wille, ist auch ein Weg. Da ist auch ein Scheiß-Weg. Es findet sich immer ein Scheiß-Weg", so Dons Ansicht.

Viele Dialoge sind einfach zu depp, ja gar so, als habe Helge Schneider mit seinem Nonsens-Humor den Streifen beeinflusst. Da gibt es beispielsweise die alles miteinander verbindende Sequenz, in der Don von einem Kerl redet, der einen Kerl kennt, der einen Kerl kennt: Mit cooler Retro-Lässigkeit à la ,,Snatch" werden wir in ein Gangsternetz eingesponnen, in eine britische Untergrundgesellschaft, in der man ,,wie im alten Rom" Orgien feiert. Auf der Tonspur dazu die Ejakulation(en) - fucking incredible.

Sexy Beast" spielt, wie der Titel schon suggeriert, einfach mit Kontrasten: sowohl mit Lebenseinstellungen und Werten als auch mit zwei Welten. Gal betrachtet England mit Widerwillen und hat gelernt, das stressfreie Leben im Süden Europas zu schätzen. Der Psychopath Don indes steuert auf einen Loyalitätskonflikt zu ...

Frank Magdans

 Express Online-Leser/innen:

kanjala   [ kanjala@hotmail.com ]
am 5.7.2005 um 1:48 Uhr:
video sexe new india

Express Online
am 27.6.2002 um 00:01 Uhr:
Bisher keine Meinungen von Express Online-Leser/innen

 Ihre Meinung:
Name:

Email-Adresse:

Meine Meinung:


[ Zurück zum Kinoprogramm ]

Copyright © 2002 by Marbuch Verlag GmbH