Viel zu selten nutzen Regisseure die Weite der Leinwand, um ihrem Publikum mehr als eine Wahrheit auf einmal vor Augen zu führen. Iain Softleys "K-Pax" ist ein Thriller über einen Psychiater, der Detektiv spielt. Daneben erzählt "K-Pax" von einem Besucher aus dem All, der den alltäglichen Irrwitz der Erdenbürger halb irritiert, halb amüsiert durch eine dunkle Sonnenbrille beobachtet - auf seinem heimischen Planeten ist das Licht längst nicht so grell.
Prot (Kevin Spacey), der in der New Yorker Grand Central Station orientierungs- und obdachlos aufgegriffen und in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert wird, ist kein normaler Verrückter. Und er hat das Glück, an Dr. Mark Powell (Jeff Bridges) zu geraten, der kein normaler 50-Minuten-Therapeut ist, sondern einer, der sich kümmert. Statt die Seele seines Patienten notdürftig zu flicken, will er die Wahnvorstellungen, die in ihr sprießen, an der Wurzel packen. Dank der unglaublichen Zufälle, ohne die kein anständiger Krimi auskommt, gelingt es ihm, Prots Vorgeschichte aus seinen unter Hypnose zu Tage geförderten Erinnerungen zu rekonstruieren. Damit wäre das Rätsel gelöst - wären Prots Schilderungen vom Leben auf dem Planeten K-Pax nicht so verführerisch überzeugend. In diesem kleinen Rest an Zweifel liegt der Unterschied zwischen einem rational erklärbaren Universum und einem, an desen Rändern Raum zum Fabulieren bleibt.
Wie "Einer flog übers Kuckucksnest" (1975) stellt "K-Pax" die Grenze zwischen Sinn und Wahnsinn, Trauer und Trauma in Frage und die heilsame Kraft der Fantasie unter Beweis. Dem noch nicht ganz verflogenen Geist der sechziger Jahre entsprechend, bot die Anstalt in Milos Formans Film Zuflucht vor der Gesellschaft und war zugleich die logische Endstation eines Opfergangs durch die Machtstrukturen ständiger Überwachung und Gedankenkontrolle.
Heute setzt die Psychiatrie lieber auf Medikamente als auf rabiate Methoden wie Elektroschocks und Lobotomien, und die Schließung psychiatrischer Einrichtungen aufgrund von Geldknappheit gilt nicht als Befreiung hilflos am System Leidender, sondern als Symptom der sozialen Kälte: als Versagen gegenüber hilfsbedürftigen Kranken. Dementsprechend ist das Verhältnis zwischen Individuum und Institution in "K-Pax" von einer einseitigeren Abhängigkeit bestimmt. Die Freiheit, die Prot seinen Mit-Patienten schenkt, ist nur noch die Hoffnung, die ein Film seinen Zuschauern schenken kann - eine imaginäre nämlich: die Reise zu den Sternen, an deren Realität sie um so fester glauben wollen.
Express Online-Leser/innen: beatrice freudenberg [ beafreudenberg@yahoo.de ] am 22.2.2006 um 20:14 Uhr: |
| mich hat total fasziniert ...und glaube daran das es eine paralel dimension gibt ...und das in die alden ganze fiktive themen sind auch ein bissen wahrheit (nehmen sie jules vernes als bei spiel )... |
Express Onlineam 17.10.2002 um 00:01 Uhr: |
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