Express Online: Filmkritik | 16.1.2003

Drachendämmerung

Eher für Techno-Tüftler als für Action-Romantiker: Rob Bowmans Effekt-Feuerwerk Herrschaft des Feuers

[Filmszene]Im Kino ist mal wieder die Endzeit angebrochen. Diese Beobachtung hat nichts Spektakuläres - Rob Bowmans Film "Herrschaft des Feuers" dagegen schon. Noch nie waren Drachen lebensechter, noch nie wirkten alle anderen Ängste so lächerlich: Milzbranderreger sind gar nichts gegen diese Flammen speienden Ungeheuer!

Und wer meint, Drachen wären seit Jahrhunderten ausgestorben - Pustekuchen! Wir schreiben 2020, inmitten einer Welt aus Schutt und Asche fristen ein paar Überlebende auf einer englischen Burg ihr erbärmliches Dasein. Einer von ihnen ist Quinn (Christian Bale), der als Junge Zeuge wurde, wie der erste Drachen bei Bauarbeiten in einem Londoner U-Bahn-Tunnel aus dem Schlaf gerissen wurde. Die Hoffnung, die die Überlebenden fast aufgegeben haben, rollt am Horizont in Gestalt einer amerikanischen Lumpenbrigade heran: In dieser Situation ist die einzige Weltmacht diejenige, die noch ein Flugzeug am Himmel und einen Panzer in Betrieb hat und ihre Jeeps nicht nur zum Tomatenanbau benutzt. Ihr Anführer, Van Zan (Matthew McConaughey) kommt kriegerischer daher als George Dubya, aber Quinn ist kein Tony Blair. Er lässt sich erst die Nase blutig schlagen, bevor er seine Ressourcen in den Dienst der Amerikaner stellt.

Um den Drachen ihren feurigen Atem einzuhauchen, brauchte es viel computergraphisches Know-How. Kein Wunder also, dass Tüftler eher auf ihre Kosten kommen als die Liebhaber alter Sagen oder die Fans post-apokalyptischer Actionfilme. Wenn die Technologie so faszinierend ist, bleibt die Fantasie ab und zu auf der Strecke. Was so episch beginnt, dass nebenbei noch das Verschwinden der Dinosaurier erklärt wird - nix Eiszeit, verbrannt wurden sie -, und weitergeht, als wäre Van Zan ein nicht allzu weit entfernter Verwandter von Mad Max, hält sich dann zu lange mit den Details der popeligen Kriegsmaschinerie auf. Wen aber interessiert der Schnickschnack im Cockpit, wenn draußen Drachen vorbeifliegen? Zum Glück hat der furchtlose Drachentöter etwas von seinem mythischen Heldenstatus und seinen archaischen Waffen bewahrt. Die entscheidende Schlacht wird ganz altmodisch geschlagen: Mann - und, weil dies eben doch keine ganz altmodische Geschichte ist: Frau (Izabella Scorupco) - gegen Drachen, mit Pfeil und Bogen. Letzten Endes obsiegt europäische Kriegskunst im Gespann mit amerikanischer Tatkraft - und zeigt nebenbei, dass der Drachenfilm Zukunft hat.

Man kann "Herrschaft des Feuers" als ärgerliche politische Parabel verstehen. Oder man kann das Gehirn zu Hause lassen, Bowmans Feuerwerk der Effekte genießen und anschließend ein paar Tage lang nicht unter freien Himmel gehen.

Beate Brown

 Express Online-Leser/innen:

huti   [ obäv dkidfr,mk ]
am 1.11.2005 um 7:36 Uhr:
der Film war einfach cool obwohl ich wärend des Films von einer Noutte gefckt wurde

Express Online
am 16.1.2003 um 00:01 Uhr:
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