Zwei Filme waren diesen Sommer Überraschungserfolge in den USA: Die Schwarzenkomödie "Barbershop" (startet im März) und Joel Zwicks "My Big Fat Greek Wedding". Schaut man auf den Zustand der US-amerikanischen Gesellschaft, ist dies nur wenig verwunderlich. Auf der letztjährigen Oscarverleihung war bereits deutlich geworden, dass in Hollywood an der vielfältigen US-amerikanischen Identität gefeilt wird. Die Oscars für Denzel Washington, Halle Berry und Sidney Poitier standen für die demonstrative Einbindung aller ethnischer Gruppen in den USA. In diesem Fahrwasser bewegen sich auch "Barbershop" und "My Big Fat Greek Wedding". Doch während das afroamerikanische Kino sich in den USA schon seit längerem einer größeren Beliebtheit erfreut, kam der Erfolg von "My Big Fat Greek Wedding" überraschend.
Die von Tom Hanks co-produzierte Komödie behandelt einen für die USA eher exotischen Bereich, den Alltag der griechischen Community. Nia Vardalos Drehbuch erzählt die Geschichte von Toula Portokalos, die als Tochter einer griechischen Einwandererfamilie am Rande der US-amerikanischen Kultur aufwächst. Sie muss sich mit ihr arrangieren, doch ihr Alltag findet in einer schizophrenen Situation statt. Um sie herum ist alles der Kultur der griechischen Heimat nachempfunden, sie arbeitet im griechischen Restaurant ihrer Eltern und ist überzeugt davon, hässlich (weil nicht blond) und eben anders zu sein, als die anderen.
Unruhe kommt auf, als Toula beschließt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Mit Hilfe ihrer Mutter setzt sie durch, erneut auf die Uni zu gehen und im kleinen Reiseladen von griechischen Freunden zu arbeiten. Dort begegnet sie Ian, einem katholisch-irischen durchschnittsamerikanischem Lehrer. Die Liebe der Beiden wird durch die kulturellen Schranken auf die Probe gestellt, doch in "My Big Fat Greek Wedding" siegen Humor und Spontaneität über die Abgründe der Realität.
Joel Zwick inszeniert Vardalos Geschichte leicht und mit viel Süffisanz und Ironie. Dabei bleibt er dem Konzept der Beziehungskomödie treu, ohne sein Thema zu verwischen. Das Interesse an der Ausgestaltung dieser gleichzeitig aufregenden und widersprüchlichen Welt von Immigranten, die mitten in der US-amerikanischen Gesellschaft die Wurzeln der eigenen Heimat pflegen, findet sich in den verspielten Dekors genauso wie in den Dialogen. Vor allem Michael Constantine als Toulas Fater "Gus" verkörpert diese Widersprüchlichkeit zwischen Traditionalität und Neugierde.
My Big Fat Greek Wedding" ist ein Beitrag zu der seit dem 11. September in den USA immer offener geführten Debatte über die "Identität" Amerikas. Dass die Immigranten darin eine zentrale Rolle spielen, scheint auch der Restbevölkerung wieder stärker ins Gedächtnis zu rücken. Nicht zuletzt, da die Geschichte der USA untrennbar mit der Einwanderung verknüpft ist.
Express Online-Leser/innen: Express Onlineam 23.1.2003 um 00:01 Uhr: |
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