Express Online: Filmkritik | 13.3.2003

Gespalten

Spike Jonzes Adaption handelt von den Tücken des Drehbuchschreibens und bleibt ein rätselhafter Film

[Filmszene]Einen Roman für das Kino zu adaptieren, ist ein schwerer Job. Darum gibt es dafür auch einen extra Oscar. Romane können sprachlich seitenlang um ein einziges Bild kreisen und hunderte von Bildern für dieses eine Bild in den Gedanken des Lesers hervorrufen. Beim Film ist das anders. Da bleibt es das eine Bild, und ein anderes ist ein anderes. Charlie Kaufman, der Drehbuchautor von "Being John Malkovich" hat sich an einem Bestseller über einen Orchideen-Dieb versucht. Und er scheint schier daran verzweifelt zu sein. Zumindest hat er sich selbst in seine Adaption hineingedacht und das Ganze dann ganz zutreffend "Adaption" genannt. Es geht zwar auch um Orchideen und den Orchideendieb, aber wie - so fragt Kaufmans Alter Ego im Film - soll man einen Film über Blumen schreiben?

Also hat Kaufman über sich geschrieben, oder zumindest über einen Drehbuchautor, der nicht nur in einer Schaffens-, sondern auch noch in einer Lebenskrise steckt. Damit das Wirrwarr zwischen Realität, Roman und Film komplett wird, hat Kaufman auch die Romanautorin Susan Orlean in den Film mit hineingeschrieben, und zuguterletzt hat den Film dann der "Being John Malkowich"-Regisseur Spike Jonze verfilmt.

Orlean wird im Film von Meryl Streep gespielt und Kaufman von Nicolas Cage. Der spielt eine Doppelrolle, denn als wäre ein Drehbuchautor nicht genug, erschafft Kaufman auch noch einen zweiten, Charlies Bruder Donald, der sich bei seinem frustrierten Zwilling einnistet, um einen Drehbuchkurs zu besuchen und - zum Leidwesen von Charlie - mit einem aus Phrasen zusammengesetzten Drehbuch einen Erfolg zu landen scheint.

Glaubt man dem Film, geht es eigentlich um Leidenschaft. Die Zerrissenheit des Autors, die Aufspaltung in den isolierten Frustrierten und den beliebten Sunnyboy zeigt die Doppelbödigkeit der Traummaschine und die Endlichkeit des schönen Scheins. Kreativität hat mit Mut zu tun und der mit Leidenschaft. Das macht der Orchideendieb John Laroche (Chris Cooper) der biederen Journalistin Susan klar, und diese - durch ihr Buch - auch Charlie, der mit Hilfe des tatkräftigen Donalds dann die Grenzen zwischen Realität, Roman und Film gänzlich aufhebt. Natürlich zu Gunsten des Letzteren.

Drehbuchautoren sind schon in einigen Filmen zu tragischen Helden geworden. "Sunset Boulevard" beispielsweise zeigte einen von ihnen, oder "Barton Fink". Sie alle verbindet die Erfahrung von Erfolgsdruck und Schreibhemmung, und sie alle erliegen der Leidenschaft des Schreibens bis zum tragischen Ende. In "Adaption" steigert sich diese Tragik ins Absurde. In wenigen Sequenzen wird die Welt erschaffen, und noch schneller gleitet die verwirrende Handlung in einen Trashfilm über. Die Zerrissenheit bleibt bis zum Ende bestehen, und die Teilhabe am Prozess des Schreibens lässt einen mit verblüffter Ungläubigkeit im Kino zurück.

Tobias Ebbrecht

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