Express Online: Filmkritik | 20.3.2003

Die Waffen einer Frau

Brian De Palmas Femme Fatale spielt mit dem Genre Film noir und seinen modernen Varianten

[Filmszene]In Computer- und Videospielen sind attraktive Frauen mit Waffen längst keine außergewöhnliche Erscheinung mehr - Cyber-Ikone Lara Croft also kein Einzelfall. Brian De Palmas Film "Femme Fatale" wirkt in dieser Beziehung wenig fortschrittlich, stellt er seine Protagonistin doch schlicht als Zitat eines Genres so dar, als habe es selbst "Matrix" nie gegeben. In der Figur vereint der 62-jährige Regisseur Aspekte des klassischen Film noir: Laure (Rebecca Romijn-Stamos) trägt sowohl schwarze als auch blonde Haare, hat Beine bis zum Hals, ist im Herzen einsam wie sensibel und spielt gerne mit den Männern. Ihrer Identität in Form des Personalausweises wird die Dame allerdings recht bald beraubt ...

Dass Laure von Beruf Auftragskillerin ist, entspricht hingegen dem Update des Film noir, dem Neo noir. Auch ihre Promiskuität ist wohl eher dem Niveau eines Tarantino zuzuschreiben. Wenn sie den Profifotografen Nicolas (Antonio Banderas), der sie per Schnappschuss auf das Cover einer Illustrierten gebracht hat und fix ihrer devot ist, auf dem Billardtisch in einer Kneipe poppt, dann mag man sogar an Lynch denken. Damit nicht genug: Der arme Mann wird zunehmend der Lächerlichkeit preisgegeben. Für De Palma ist neben der expliziten Gewalt auch die sexistische Komponente ein Rückgriff, stand nämlich bereits 1968 seine Vietnamkriegssatire "Grüße" dem Jugendverbot nahe. Da wir heute leider viel schlimmere Bilder (wie aus "Jackass") gewöhnt sind, wird dem Filmemacher jetzt bestimmt niemand die Hölle heiß machen wollen.

Ebenfalls dem modernen Film noir folgend, ist der Plot von Anfang an als Verwirrspiel angeleg, so dass vieles für den Betrachter fragwürdig wirkt. Das Motto: Kopf-Kino statt Chill-Out-Zone. Schon die Exposition ist ein perfekt inszeniertes Wechselspiel von Realität und Illusion. Ein selbstreflexives Spiel, das seinen Lauf während der Filmfestspiele in Cannes nimmt und in Sachen Dramaturgie durch einen Mix aus Verbrechen und Täuschung vorangetrieben wird.

An sich funktioniert "Femme Fatale" sehr gut, denn hier wird wieder einmal geschickt mit Betrachtungsweisen gespielt, selbst wenn die Protagonistin zum bloßen Zitat ihrer Selbst herhalten muss. Leider kriegt De Palmas Hochglanzkonstrukt gegen Ende dann doch nicht die Kurve, sondern scheint lediglich den Auflagen der Produktionsleute zu gehorchen. Mehr Individualität und Mut zum Chaos wären wünschenswert gewesen.

Frank Magdans

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am 20.3.2003 um 00:01 Uhr:
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