Express Online: Filmkritik | 2.10.2003

Cancelled

Danièle Thompsons Romantikkomödie Jet Lag verpasst ihr Ziel

[Filmszene]Eine Flughafenlounge bietet sich als Handlungsort eines Films eigentlich geradezu an. Klassiker wie "Casablanca" oder Kubricks "The Killing" inszenierten großartige Enden auf dem Rollfeld. In Billy Wilders "Eins, Zwei, Drei" ist der Berliner Flughafen Tempelhof ein wiederkehrendes Motiv, und Romuald Karmakar hat in dem wenig beachteten Film "Manila" vor einigen Jahren ein ganzes Kammerspiel in einer Flughafenlounge inszeniert. Ein Flughafen ist der perfekte Ort der Begegnung, auch wenn in Wirklichkeit die meisten Leute aneinander vorbeilaufen und nur die lärmenden Mallorca-Touristen unangenehm auffallen.

Das mit dem Begegnungsort hat sich wohl auch die französische Filmemacherin und Autorin Dani¸le Thompson (u.a. "La Boum - Die Fete") gedacht und am Pariser Flughafen eine Liebesgeschichte inszeniert. Der Vorteil dabei ist, dass man dafür wenige Figuren braucht, genauer gesagt zwei: Einen Mann, hier Félix (Jean Reno), und eine Frau, hier Rose (Juliette Binoche). Ergänzt wird das Ensemble um den eifersüchtigen Sergio (Sergi Lopez) und den gehassten Vater (Raul Billery). Der Nachteil dabei ist die ziemlich durchsichtige Geschichte.

Rose, die ihren Namen von Rosa Luxemburg hat, ist Kosmetikerin und hat die Nase voll von Männern und Enttäuschungen. Sie will nach Mexiko und den Absprung schaffen. Doch auf dem Flughafen geht nichts mehr. Und als Rose dann noch ihr Handy verliert und Sergio auftaucht und die entschlossene Rose zum Wanken bringt, geht auch bei ihr nichts mehr. Félix dagegen jagt einer verflossenen Liebe nach München hinterher. Doch auch er kommt aus Paris nicht weg. Er ist Starkoch in Amerika und hasst Frankreich (obwohl er eigentlich seinen Vater hasst). Wie steht es so schön im Presseheft: "Sowohl hinter ihrem grell geschminkten Gesicht als auch hinter seiner tiefgefrorenen Miene lauert ein mittelschwerer Nervenzusammenbruch." Und was folgt wohl nach dem Nervenzusammenbruch?

Obwohl sich Binoche als naives Püppchen, das sich zur charmanten und intelligenten Frau verwandelt und Reno als wandelnder Ödipus-Komplex redlich bemühen, die Story in Gang zu bringen, hat "Jet Lag" Starthemmungen. Die Geschichte von den beiden unglücklichen Existenzen, die natürlich genau deshalb füreinander bestimmt sind, ist zu durchschaubar, um aus der Flughafenidee einen spannenden Film zu machen.

Und auch als Komödie taugt "Jet Lag" nicht viel. Denn dafür sind Binoche und Reno wiederum zu gute Charakterschauspieler. So ist eigentlich nur die unfreiwillige gemeinsame Nacht in Félix' Hotelzimmer mit ihrem Finale in der Hotelküche der schauspielerische Höhepunkt und die sehenswerteste Sequenz des Films. Alles andere hat kennt man aus den vielen Aschenputtelmärchen.

Tobias Ebbrecht

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am 2.10.2003 um 00:01 Uhr:
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