Express Online: Filmkritik | 1.4.2004

Verkorkster Kult

Mit der Comicverfilmung des TV-Krimi-Klassikers Derrick wird ein Kult lächerlich gemacht

[Filmszene]Anno 1974 flatterte die erste Folge von "Derrick" über Deutschlands Fernsehbildschirme und entwickelte sich fortan zu einer der erfolgreichsten Serien. Die fiktiven Fälle wurden auch ins Ausland exportiert. Für die Comicverfilmung hat die ZDF Enterprises GmbH, die an der Produktion maßgeblich beteiligt ist, allerdings keine Lorbeeren verdient. Denn selten hat man weniger im Kino gelacht. Oder sollte man besser sagen, überhaupt nicht?

An sich ist die Idee, Kommissar Stephan Derrick und seinen Partner Harry Klein als animierte Figuren auf die Leinwand zu bringen, ja ganz nett. Die Tatsache, dass Harry dann nur halb so groß wie sein Kollege ist, auch. Allerdings hat es sich damit in punkto Charakterzeichnung schon erübrigt, denn der Film ist ein Sammelsurium doofster Gestalten, mit denen es die Hüter des Gesetzes im Freistaat Bayern zu tun haben.

Da gibt es beispielsweise eine potthässliche Journalistin, die immer wieder während der Handlung auftaucht, oder Arno Hello, den hinterlistigen Gegenspieler der beiden Polizisten, der quasi einen Verschnitt von Jürgen Drews mit blonder Mähne darstellt. Diese und weitere Figuren wirken nicht nur unoriginell, sondern ihnen mangelt es auch an der geringsten Tiefe. Gleiches lässt sich von der flachen Story sagen, die sich am "Deutschland sucht den Superstar"-Syndrom orientiert. Hinzukommen einige sexuelle Aspekte, die völlig deplatziert wirken.

Wird man sich bewusst, dass hier Michael Schaak Regie führte, verwundert dieses filmische Chaos nur noch wenig. Auf Schaaks Konto gehen nämlich Filme wie "Kleines Arschloch" und zwei "Werner"-Adaptionen. Aus der "Derrick"-Serie einen derartigen Unfug zusammenzuwerkeln, ist allerdings eine echte Meisterleistung. Pardon, eine Schande! Der Kult wird der Lächerlichkeit preisgegeben.

Dem Film fehlt nahezu jeglicher Witz und die wenigen Anspielungen verharren in ihren Ansätzen. Das hätte nicht sein müssen, hätte man vielleicht einfach eine alte Folge – immerhin gibt es davon 281 Stück – verfilmt. Stattdessen schüttelt man beim Gang aus dem Kinosaal nur mit dem Kopf, sich fragend, wie viel Geld Horst Tappert und Fritz Wepper wohl für ihre Synchronisationseinsätze bekommen haben mögen. Vielleicht hat man ihnen ja auch eine Kiste Bier neben die Mikros gestellt. Wie dem auch sein mag, mit Sicherheit kann man sich mit der TV-Serie mehr amüsieren.

Frank Magdans

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am 1.4.2004 um 00:01 Uhr:
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