Gerichtsverfahren und Film haben viele Gemeinsamkeiten. Insbesondere das US-amerikanische Geschworenengericht funktioniert nach ähnlichen Regeln wie ein Film oder ein Theaterstück. Schon bei den antiken Griechen waren Gerichtsprozesse daher geeignete Vorlagen für das Theater. Aus dem Widerstreit zwischen Ankläger und Anwalt unter den wachsamen Augen des Richters entwickelt sich im Gerichtsfilm ein dramatischer Prozess. Die Geschworenen sind dabei häufig die Zuschauer dieses Schauspiels. Anders inszeniert nun Gary Felders "Das Urteil Jeder ist käuflich" die Jury.
In dieser neuen John-Grisham-Verfilmung steht weniger das Verfahren, sondern seine Begleitumstände im Zentrum der Handlung. Ein Waffenkonzern ist angeklagt, mitschuldig am Mord eines Mannes zu sein, der bei einem Amoklauf erschossen wurde. Da ein Präzedenzfall für die Waffenindustrie droht, engagieren die Angeklagten den Berater Rankin Fitch (Gene Hackman). Er soll die Geschworenen auf Linie bringen, damit sie nicht gegen die Waffenlobby stimmen. Gegenspieler von Rankin ist der engagierte Anwalt Wendall Rohr (Dustin Hoffman). Er will ohne Tricks den Konzern juristisch zu Fall bringen. Doch dann taucht Marlee (Rachel Weisz) auf und bietet beiden Seiten an, die Stimmen der Jury für sie zu gewinnen. Und unter den Geschworenen ist außerdem noch der mysteriöse Nick Easter (John Cusack), der sein eigenes Spiel zu spielen scheint.
In zahlreichen Grisham-Verfilmungen lebt das populäre Genre des Gerichtsfilms fort. Wie in "Die Akte" oder "Der Klient" wird auch für "Das Urteil" der Gerichtsprozess zum Rahmen für einen Thriller, der um die Fragen von Gerechtigkeit, Recht und Korruption kreist. Waren es in früheren Verfilmungen Anwälte, Richter oder Zeugen, die im Mittelpunkt der Gerichtsthriller standen, ist es nun die Jury.
Meistens bleibt die Jury in Gerichtsfilmen weitgehend unsichtbar. Doch bereits in "Die 12 Geschworenen" hatte Sidney Lumet einen ganzen Film nur über den Entscheidungsprozess einer Jury gedreht. Peter Yates konzentrierte sich in "Suspect" auf die ansonsten wenig beachteten Mitglieder der Jury. Auch hier ging es bereits um die Frage der Beeinflussung von Geschworenen und die Kritik an der Legitimität von Geschworenenurteilen.
Obwohl auch "Das Urteil" als Gerichtsthriller kritische Bezüge zum US-amerikanischen Rechtssystem offenbart, ist es doch ein sehr ausgewogener Diskurs über den Widerspruch zwischen Recht und Gerechtigkeit und ihre mögliche Deckung. Besonders durch die hochkarätigen Schauspieler von Cusack/Weisz und Hackman/Hofman bekommt "Das Urteil" die Dynamik, die den Film zu einer spannenden und gelungenen Grisham-Verfilmung macht.
Express Online-Leser/innen: Express Onlineam 29.4.2004 um 00:01 Uhr: |
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