Express Online: Filmkritik | 26.8.2004

Life's what you make it

The Butterfly Effect zeigt, dass sich die perfekte Gegenwart nicht erzwingen lässt – nicht einmal durch Manipulation der Vergangenheit

D[Filmszene]er Zeitreisende in H.G. Wells' satirischer Anti-Utopie "The Time Machine" macht sich am Ende des Romans aus dem Staub. Denn das Jetzt stellte ihn nicht zufrieden. War es in erster Linie eine Kritik an der viktorianischen Dekadenz, die der Schriftsteller entwarf, so ist es im Film "The Butterfly Effect" stattdessen der verstörende Versuch, das Leben in der Gegenwart so glänzend wie möglich zu polieren.

Der Junge Evan hat in seiner Kindheit mysteriöse Bewusstseinsaussetzer, die bei seiner Mutter arge Sorgen auslösen. So schleppt sie ihn zu einem Psychologen, der ihm rät, regelmäßig Tagebuch zu führen, um die Alltagsereignisse festzuhalten. Jahre später – Evan (gespielt von Ashton Kutcher) studiert längst – blättert er in seinen alten Aufzeichnungen. Plötzlich beginnen die Buchstaben auf dem Papier und der gesamte Raum zu wackeln. Auf unerklärliche Weise kehrt Evan in einem Sog in die Vergangenheit zurück. Ihm wird klar, dass die Notizbücher, die er unter seinem Bett hortet, quasi als Zeitmaschine funktionieren, mit der er in seine Vergangenheit reisen und sich seine Erinnerungen zurückholen kann.

Doch durch die Auseinandersetzung mit den damaligen Vorfällen fühlt Evan sich nun für das Scheitern seiner Freunde verantwortlich. Das betrifft vor allem seine Jugendfreundin Kayleigh (Amy Smart), die er wie damals liebt. Also ergreift er die Gelegenheit beim Schopf, endlich das zu tun, wozu er in jenen Tagen nicht in der Lage war: Bewusst reist er in die Vergangenheit, wobei sein heutiger Verstand in seinem damaligen Kinderkörper steckt (daher auch die Aussetzer). Er will die Geschichte neu schreiben und seinen Freunden die traumatischen Erfahrungen ersparen – wie Talk Talk in den achtziger Jahren sangen: "Life's what you make it".

Gelingt es dem Film anfangs ein traumatisches Bild à la Lynch zu zeichnen, verschenkt er zunehmend sein Potenzial. Angesichts der durchaus interessanten Thematik ähnelt das einem Trauerspiel. Inhaltlich läuft durch die beabsichtigte Kursänderung ebenfalls immer etwas schief, denn logischer Weise lässt Evan stets etwas Wichtiges außer Acht, so dass er seine Erinnerungen mehrmals "umprogrammieren" muss.

Eric Bress und J. Mackye Gruber (Regie/Drehbuch), die zuletzt das Script für "Final Destination 2" entwarfen, versuchen mit "The Butterfly Effect" eine Gratwanderung zwischen Independent- und Hollywoodkino. Dabei versagen sie. Vor allem das letzte Drittel hält dieser Kraftprobe nicht stand. Da war "Donnie Darko" (kam leider nur auf DVD heraus) konsequenter in der Umsetzung.

Frank Magdans

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am 26.8.2004 um 00:01 Uhr:
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