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okio scheint spätestens seit Sophie Coppolas "Lost in Translation" ein neuer symbolischer Ort der ebenso phantastischen wie verwirrenden Fremde geworden zu sein. Die blinkenden Leuchtreklamen, hetzenden Menschen und tiefen Häuserschluchten verkörpern ebenso die westliche Moderne wie eine mythologische Ferne. Das schlägt sich auch in der Vorliebe des Gegenwartkinos für Martial Art und fernöstliche Schauplätze nieder.
Matthias X. Oberg, der in seiner sehr britischen, schwarzen Komödie "Ein todsicheres Geschäft" die Geschichte zweier Künstler des Todes erzählte, inszeniert mit "The Stratosphere Girl" einen mystischen Film über eine Welt zwischen Realität und Traum, Comic und Wirklichkeit.
Angela (Chloé Winkel), eine junge Manga-Comic-Zeichnerin, flüchtet nach ihrem Abitur aus Europa und fliegt auf der Suche nach "wirklichen" Abenteuern nach Tokio. Der Film begleitet Angela in eine glitzernde Großstadt, die gleichzeitig Gefahr und Abenteuer, Liebe und Verbrechen verkörpert.
In stilisierten Bildern, die mitunter an die Ästhetik von Musikgruppen wie Kraftwerk aus den 80er Jahren erinnern, inszeniert Oberg vor allem seine junge Hauptdarstellerin Chloé Winkel, die bisher als Model gearbeitet hat. Angela selbst ist eine Kunstfigur nicht selten in stilisierendes Licht getaucht oder durch Scheiben oder Spiegel gefilmt -, die Züge sowohl eines Engels wie eines Cyborgs trägt. Die Geschichte entwickelt sich anhand der Stationen einer WG, eines Club, geheimer Diskotheken und mafiöser Hinterzimmer.
Aber wie der Titel schon andeutet, nimmt der Film eher einen sphärischen denn logisch-kontinuierlichen Verlauf. Durch die Vermischung von Comic-Sequenzen und Spielfilm löst Oberg auch optisch alle Bezugsebenen auf. Angela wird immer mehr zur Figur ihrer eigenen Manga-Kunst. Die Grenzen zwischen Phantasie und Realität verwischen.
Ähnlich wie bei Coppola ist auch Obergs Tokio in erster Linie eine Kulisse für die Manifestation von Sehnsüchten. Es ist Ausdruck einer filmischen Kunstwelt, die genauso gut auch einer Reise ins eigene Ich, einer Identitätssuche, entsprechen könnte. Obergs Anleihen beim Manga, dem Science Fiction und dem Mystery-Thriller ohne einem Genre tatsächlich treu zu bleiben unterstreichen diese Uneindeutigkeit, die den Film leider auch in ästhetisierte Beliebigkeit abrutschen läßt. Während in "Ein todsicheres Geschäft" noch das Spiel des erstklassigen Schauspielerensembles die in erster Linie auf schöne Bilder konzentrierte Geschichte tragen konnte, verselbstständigen sich diese Bilder in "The Stratosphere Girl" zu einem maskenhaften Reigen, der sich in Selbstreflexivität zu verlieren droht.
Express Online-Leser/innen: Express Onlineam 9.9.2004 um 00:01 Uhr: |
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