Mittwoch, 19. Mai 2021
Thema der Woche | 19. Juni 2014

Einfach märchenhaft

Ausstellung "Es war einmal ..." im Landgrafenschloss

Die Katze maunzt auf japanisch, der Hahn kräht englisch, der Hund gibt italienisch laut und der Esel französisch: Auf der Illustration im Marburger Landgrafenschloss geben sich die Bremer Stadtmusikanten international. Warum, erläutert Tina Bode, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte: Märchen seien "in", weit über Deutschland hinaus. So wurden die Märchen der Brüder Grimm in über 170 Sprachen übersetzt und gehören zu den meistübersetzten deutschen Büchern. "Ihren Ruhm und ihre Einprägsamkeit verdanken sie zu einem großen Teil auch den Illustrationen, die das Geschehene lebendig werden lassen und unsere Phantasie beflügeln", sagt Bode.

Märchenbücher-Illustrationen von Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart stehen im Mittelpunkt der Ausstellung "Es war einmal ..." im Landgrafenschloss, die Bode zusammen mit Museumsdirektor Christoph Otterbeck konzipiert hat.

Da tauchen etliche alte Bekannte aus Kindertagen, vom bösen Wolf über die Bremer Stadtmusikanten, Schneewittchen, dem tapferen Schneidelein bis zum Froschkönig auf – und wirken auf den Betrachter gelegentlich erstaunlich fremd. Denn gerade seit Beginn des 20 Jahrhunderts gingen die Künstler oft "mit der Zeit" berichtet Bode: Statt der altbekannten romantisch-realistischen Märchenszenen schufen die Künstler Märchenillustrationen im Stil des Impressionismus,des Art Déco, des Expressionismus oder auch der Pop Art.

So zeichneten sich etwa die Bilder von Hessens bekanntestem Märchenzeichner Otto Ubbelohde durch meist vom Jugendstil inspirierte Zeichnungen aus, deren reduziert dargestellte Figuren der Vorstellungskraft der Betrachter viel Raum lasse.

Manch bekannter Märchenstoff bekommt durch die Illustration auch eine feine, gewitzte Wendung. Ein Mann für solche Wendungen ist der 1939 in Kassel geborene Grafiker, Maler und Illustrator Albert Schindehütte. In einem seiner prächtigen Bildern streckt Rotkäppchen gar nicht ängstlich dem bösen Wolf die Zunge raus.

Den Spaß an der Veränderung des Märchenstoffs – der ja nicht selten von mündlicher Erzählung zu Erzählung immer weiter verändert wurde, hat auch so manchen Künstler gepackt, wie die Ausstellung zeigt.Für ihre Version der Bremer Stadtmusikanten hat die Grafikerin Dorothee Wunder kurzerhand die Größen- und Geschlechterverhältnisse ihrer Figuren auf den Kopf gestellt: Da hat sich die Katze im Gefieder des fetten Hahns eingerollt. Auf ihr steht der Hund, auf dessen Rücken der Esel mit freudiger Mine einen Handstand macht.

Zu einem richtigen Märchen mit Prinzen und Prinzessinnen gehört natürlich auch ein zauberhaftes Schloss. Für die Dauer der Märchenausstellung wurden deshalb die bekannten Modelle des Marburger Schlosses im Museum fantasievoll in Kulissen für Märchen der Brüder Grimm verwandelt: Da lässt Rapunzel vom Marburger Schloss ihr Haar herunter, der Froschkönig throntauf dem Gemäuer über Marburg, Dornröschen schläft hier ihren langen Schlaf und Aschenputtel verliert in Marburg ihren Schuh.

Da ist der Weg von der Ausstellung, die durch die anregend ausgewählten Illustrationen Lust auf mehr Märchen macht, nicht weit zum Grim-Dich-Pfad durch Marburg. Kann Aschenputtels Roter Pumps doch ganz in der Nähe, auf dem Pfad am Weinberg unterhalb der Schlossmauer, entdeckt werden.

Die Ausstellung
"Es war einmal ... Illustrierte Märchenbücher seit Otto Ubbelohde" im Museum für Kunst und Kulturgeschichte im Landgrafenschloss ist bis zum 31. Dezember zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr

Georg Kronenberg

Thema der Woche | 19. Juni 2014

Die ganze Welt im Eichendorffring

Das Lokal International wird fünf / Kooperationsprojekt von Studentenwerk & Uni

In diesen Tagen steht auch im Lokal International alles im Zeichen der Fußball-WM: Die Spiele werden im Biergarten sowie drinnen in dem Begegnungszentrum auf Großleinwand gezeigt und auf der ersten Blick wird klar, längst nicht nur die bei der WM vertretenen Länder sind im Publikum.

Unter den Gästen im Lokal International sind weit mehr als 32 Nationen, denn die Studierenden der Justus-Liebig-Universität und der Technischen Hochschule Mittelhessen kommen aus der ganzen Welt.

In unterschiedlichen Sprachen werden die Mannschaften angefeuert. Studierende aus Portugal, Brasilien, Russland, Frankreich oder auch Japan sind in ihre Flaggen gehüllt, die Gesichter geschminkt. Was in diesen Tagen "konzentriert" im stattfindet, ist ansonsten im Lokal International Alltagsgeschäft: Menschen aus aller Welt treffen sich und lernen sich kennen.

Mitten in diesem Weltmeisterschaftstrubel nutzt das Lokal International die kurze Pausenzeit vor dem Viertelfinale, um seine fünften Geburtstag zu feiern. Seitdem das Lokal International als Kooperationsprojekt des Studentenwerks Gießen und der Gießener Universität vor fünf Jahren eröffnete, ist so einiges passiert: Tataren haben ihre Kultur vorgestellt, Marokkaner intensiv mit Gästen über den arabischen Frühling diskutiert, russische Studierende haben in Gießen den Klassiker des russischen Wissensquiz' etabliert, der Dienstag ist seit langem für die internationalen Salsatänzer reserviert, um nur einige Beispiele zu nennen. Kurz gesagt: das Lokal International ist zu dem geworden, was es sich auf die Fahne geschrieben hat: einem Ort, an dem Studierende aus der ganzen Welt zusammenkommen, ins Gespräch miteinander treten, Freundschaften schließen und ganz nebenbei etwas von anderen Kulturen, anderen Ländern lernen.

Das Internationale zeigt sich in kleinen Momenten, berichtet die Leiterin Julia Dinslage: "Als ein japanischer Student zu einem Termin kommt, befand ich mich im ganz normalen Bürostress und wurde zunächst ganz unruhig als er sehr langsam sprach und sich sehr viel Zeit nahm, alles im Detail zu beschreiben. Es schien als käme er aus einer anderen Welt, die in unserer hektischen Welt keinen Platz hat. Am Ende des Termins hatte sich seine Ruhe auf mich übertragen und ich war fasziniert, wie dies passiert war." Ein anderer Student verneige sich immer zur Verabschiedung und zeige auch mit dieser kleinen Geste eine Wertschätzung, die in unseren Breitengraden nicht üblich ist.

Die Besonderheit des Begegnungszentrums ist es, dass es Studierenden einen Raum bietet, den sie mitgestalten können und an dem sie Ideen ausprobieren können.

Aktuelle Studien zeigen nach Angabe von Dinslage, dass sich immer noch 30 Prozent der internationalen Studierenden in Deutschland fremd fühlen, was auch auf der Tatsache beruhe, dass sie keinen oder nur wenig Kontakt zu deutschen Kommilitonen haben. Dinslage: "Viele internationale Studierende freuen sich, wenn sie hier ihre Kultur vorstellen können und sich andere Kommilitonen für sie interessieren. So lernen sie in Gießen nicht nur Deutsche kennen sondern auch Studierende aus der ganzen Welt."

Info
Der 5. Geburtstag des Lokal Internationals wird an zwei Tagen gefeiert: am Donnerstag, 26. Juli, ist das Motto "Kultur am Eichendorff Ring" und die Besucher werden in verschiedene Kulturen eintauchen und über Länder fliegen. Das Programm ist organisiert von Studierenden des Projektseminars "Kulturmanangement praktisch – Kulturbegegnungen initiieren." Am Freitag, 27. Juli,treten drei Gießener Bands bei "Rock around the clock" auf: "Groove Ballet", "Sunmoth" und "son:faber". Weitere Infos: www.lokal-international.de oder facebook.com/Lokal.International
Parallel zu den Spielen in Brasilien treten im Lokal International Gäste bei einem Tischkickerturnier gegeneinander an: Die Studierenden spielen nicht für ihr Heimatland, sondern wurden zu gemischt-nationalen Teams zusammengewürfelt. Das Finale wird am Mittwoch, 9. Juli, ausgetragen.
Fußbal kulinarisch: Die Wohnheimtutoren des Studentenwerks Gießen laden Fußball-Begeisterte am Montag, 23. Juni, ein, gemeinsam im Lokal International das Spiel Australien – Spanien zu verfolgen. Anpfiff ist um 18:00 Uhr. Passend dazu werden Spezialitäten der Spielernationen angeboten.

kro/pe

Tipp des Tages

Full Metal Jacket

Foto: Kabel eins
Der sensible Privat Pyle lernt bei den US-Marines das Töten, zerbricht daran, und erschießt sich und seinen sadistischen Ausbilder. Für die anderen Rekruten wird es ernst. In Vietnam kämpfen sie gegen einen unsichtbaren Feind, der aus dem Hinterhalt angreift. Der monatelange Drill erweist sich nun als nutzlos ...
Mi 3.2. | 20.15 Uhr | TV | Kabel eins
 
Tipp der Woche

Guardians of the Galaxy

Foto: Vox
Peter "Star-Lord" Quill ist ein Weltraumbandit. Er tut sich mit den Kopfgeldjägern Rocket und Groot sowie der rätselhaften Gamora und dem rachgierigen Drax zusammen, um das Universum zu beschützen.
Do 11.2. | 20.15 Uhr | TV | Vox
 
Aktuelles Heft
Zum Anschauen und Blättern klicken Sie bitte auf den Hefttitel.
 
Kulturtipps 2019
Zum Anschauen und Blättern klicken Sie bitte auf den Hefttitel.
 
Ausgehen & Einkaufen
Zum Anschauen und Blättern klicken Sie bitte auf den Hefttitel.