Dienstag, 11. Mai 2021
Thema der Woche | 31. März 2016

Froh über jeden Fahrradfahrer

Marburger OB empfiehlt "Bike-Mainstreaming" – Foto: Coordes

Marburg soll fahrradfreundlich werden. Das ist jedenfalls das Ziel der neuen Radverkehrsplanung, die in den kommenden Monaten in der Universitätsstadt verabschiedet werden soll. Dabei haben die Radler die Unterstützung von Oberbürgermeister Thomas Spies: "Wir sollten froh über jeden Fahrradfahrer sein, weil er nur ganz wenig Straße und einen ganz kleinen Parkplatz braucht", sagt er. Zugleich ruft er zu mehr Rücksicht und Verständnis gegenüber den schwächeren Verkehrsteilnehmern auf: "Wenn wir es in dieser Stadt nicht lernen, dass Autos und Fahrräder keine Gegner, sondern Partner sind, werden wir den Verkehr nicht in Griff kriegen", sagt er. Spies empfiehlt sogar ein "Bicycle-Mainstreaming", also eine Strategie zur Gleichstellung der Radler, die in Zukunft immer mitgedacht werden sollten.

Die aktuelle Situation für Radler in der Universitätsstadt hat die Planungs­gruppe Nord erfasst. Danach werden ein Drittel aller Wege in Marburg zu Fuß zurückgelegt, 42 Prozent mit dem Auto, 15 Prozent mit Bus und Bahn sowie neun Prozent mit dem Rad. Allerdings steigt die Zahl der Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer von Jahr zu Jahr, berichtet Diplom-Ingenieur Wolfgang Nickel.

Bei den Entfernungen zwischen einem und drei Kilometern sind bereits 18 Prozent der Marburger mit dem Fahrrad unterwegs. Unter ihnen sind nicht nur viele Schüler und Studierende, sondern auch überraschend viele Berufstätige – 13 Prozent der Werktätigen radeln zur Arbeit. Es gibt auch viele, die eine Kombination von Verkehrsmitteln nutzen – etwa Park & Ride, Fahrrad und Bahn oder Fahrrad und Fahrgemeinschaften. Drei Prozent der Marburger besitzen bereits ein E-Bike. Auch Lastfahrräder und Beiwagen nehmen zu.

Nach Nickels Prognose hat der Radverkehr in Marburg angesichts von 27 000 Studierenden und 4500 Uni-Beschäftigten ein großes Potenzial. Zugleich gebe es aber große topografische Herausforderungen. Nach der Analyse sind Fahrradwege auf allen Hauptrouten in der Stadt erforderlich. Besonders knifflig ist dies bei den Ost-West-Verbindungen – etwa von der Innenstadt auf die Lahnberge, nach Ockershausen und zu den Behringwerken. Zudem wird – etwa der Lahnradweg – regelmäßig bei Hochwasser überschwemmt.

Die Wege für Radler müssen nach der Untersuchung sicherer werden. Von 2011 bis 2014 wurden flächig über die Stadt verteilt 190 Unfälle gemeldet. Meist handelte es sich um Kollisionen mit Autos (87 Prozent). Das bedeutet, dass durchschnittlich jede Woche ein Radler mit einem Auto zusammenprallt. In sieben Prozent der registrierten Fälle ging es um Unfälle mit Fußgängern. Allerdings gibt es in Marburg auch viele kombinierte Fuß- und Radwege, von denen Nickel abrät. Benötigt werden mehr gute Abstellanlagen. Für den Bahn­hof empfiehlt der Planer eine innovative Fahrrad­station. Auch Geschäfts­leute sollten an Rad-Parkplätze denken.

Nach dem Zwischenbericht schlagen die Planer rund 200 Maßnahmen vor, vor allem Radwege und Schutzstreifen, aber auch Brücken, Tunnel und Über­querungen. Welche Radwege vordringlich sind, wird im Stadtparlament entschieden, das noch bis zur Sommerpause die dritte Fortschreibung der Marburger Radverkehrsplanung verabschieden will.

Wer Anregungen und Ideen zur Radwegeplanung vorbringen möchte, kann dies noch bis Freitag, 1. April unter radverkehrsplan[at]marburg-stadt.de tun. Möglicherweise wird es auch noch eine weitere Veranstaltung zum Thema geben. Schlaglöcher, zugewachsene Wege oder beschädigte Wegweiser können über die Meldeplattform Radverkehr gemeldet werden (www.meldeplattform-radverkehr.de).

Eine fahrradfeindliche Stadt
Nach dem Klimatest des Allgemeinen Fahrradclubs (ADFC) gehört Marburg bislang zu den fahrradfeindlichsten Städten Deutschlands. Bei der Untersuchung aus dem Jahr 2014 lag die Universitätsstadt in Hessen auf Rang 49 von 54, also in den untersten zehn Prozent der verglichenen Städte. In Noten ausgedrückt erhielt Marburg eine 4,16 – deutlich abgeschlagen hinter der Nachbarstadt Gießen, die im Mittelfeld landete. Bundesweit sieht es für die Universitätsstadt kaum besser aus: Unter 100 verglichenen Städten erreichte Marburg nur Platz 87.
gec

Gesa Coordes

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