Montag, 20. Mai 2019
Editorial | 24. Mai 2018

Es raunte

Wernerkapelle zu Barach – Foto: Michael Arlt

... Freund Markus gestern Abend bei extrastarker Kola und Alsfelder Bier, als wir unsere Beine auf den noch warmen, sandigen Planken ausstreckten, Brisen die Wasser in Schüben kräuselten, der Himmelsbogen über Resten von gelb und violett sich tintig einschwärzte und die Enten, wie von einer sanften, gleichwohl gebieterischen inneren Unwucht erfasst, mal hierhin, mal dorthin paddelten.

Als gen Westen Farblichte im Samt der herabfallenden Nacht tanzten und die Lahn unter den noch warmen, sandigen Planken vor sich hin gluckste und schmatzte, im Astwerk der Bäume zur Linken das Silber des Sichelmondes zitterte und zur Rechten die Ruine der alten Brücke groteske Schattenspiele warf hinab in die dunklen Fluten:

"Sie sind wieder da ..." – "Wer denn?" "Die Eichenprozessionsspinner." "Das ist schlimm." "Ja." "Die Eichen leiden sowieso schon. Bei uns im Garten steht eine große Birke." ""Es trifft immer die Eichen. Und Allergiker. Aber es ist ein schönes Wort." "Das kannst Du laut sagen ... Eichenprozessionsspinner." – "Eichen­pro­zessions­spinner!"

Und wir lauschten und tranken aus.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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