Montag, 20. Mai 2019
Editorial | 27. September 2018

Wenn der Wecker

Auch schön ... – Foto: Pixabay

... maunzt und der schwarze Faden noch nicht vom weißen zu unterscheiden ist. Wenn man schon mal einen dünnen Pulli in der Hand wiegt, dann aber doch lieber zum T-Shirt greift. Wenn der Wechsel vom kurzen zum langen Beinkleid mit leichter Selbstverständlichkeit vonstatten geht. Wenn die Teeschale beim prüfenden Schritt auf den Balkon dampft wie der Weiher in einem Basho-Gedicht.

Wenn der Weg dann trocken und sauber ist, die Räder mehr gleiten als rollen und der Freilauf schnurrt im Dunst, der die Auen hüllt. Wenn oben das Schloss in einem Wattebausch steckt, den irgendein eitler, aber schlampiger Nachtriese schnell hat fallen lassen, und hier unten jeder vorbeirauschende Busch und jeder Strauch – bittesehr – nochmal kurz einen auf geheimnisvoll macht.

Wenn ein fahler Ball überm zackigen Saum der Wipfel am Ortenberg hängt und steigt und steigt. Wenn dann der Vorhang reißt und alles licht und blau und gelb und grün. Wenn man kurz mal rufen möchte: Kinder, was für ein herrlicher Herbstmorgen!

Michael Arlt

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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