Express Online: Thema der Woche | 31. Juli 2008

Archäologen graben Mikwe aus

70 Jahre nach der Zerstörung der Marburger Synagoge

Man sieht eindrücklich, wie überstürzt die Synagoge vor 70 Jahren verlassen wurde", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Marburgs, Monika Bunk. Seit zwei Wochen graben Archäologen auf dem Gelände am Fuß der Marburger Oberstadt, auf dem einst die Synagoge der Universitätsstadt stand. Die Mikwe, das rituelle Tauchbad für jüdische Frauen, haben sie bereits entdeckt. Die weißen Marmorplatten sind zum Teil zerbrochen. Armaturen und Wasserhähne wurden aus der Wand gerissen. Ein alter Klingeldraht hängt aus der mit gelben Kacheln gefliesten Wand. Eine verrostete Metallschüssel ist im Schutt gefunden worden. Trotzdem ist Monika Bunk beeindruckt, wie gut das Ritualbad noch erhalten ist.

Wie prächtig die 1897 im romanisch-byzantinischen Stil errichtete Synagoge an der Universitätsstraße einst aussah, lässt sich daraus aber kaum erahnen. Der 25 Meter hohe rote Sandsteinbau mit dem beeindruckenden Kuppelgewölbe ging während der Reichspogromnacht 1938 in Flammen auf. Wenige Tage später wurden die Mauern gesprengt. Nur die Thorarollen konnten gerettet werden. Eine liegt heute im Holocaust Memorial Museum in Washington.

Das Gelände der ehemaligen Synagoge wurde trotz zahlreicher Interessenten nicht wieder bebaut. Seit Anfang der 60er Jahre steht dort ein Steinblock "zum Gedenken an die am 10. November frevlerisch zerstörte Synagoge und an unsere ermordeten jüdischen Mitbürger". Seit 2001 gehört die Grünfläche wieder der Jüdischen Gemeinde, die vor drei Jahren einen neue Synagoge eröffnen konnte.

Doch mit dem düster und ungepflegt wirkenden Platz der einstigen Synagoge ist die Stadt schon lange unzufrieden. Regelmäßig hinterlassen Stadtstreicher Bierflaschen auf dem von Linden bestandenen Grundstück. Nur einmal im Jahr – am 9. November -rückt der Platz ins Zentrum. Jetzt wollen Stadt und Gemeinde die Grünfläche würdiger gestalten, berichtet Bauamtsleiter Jürgen Rausch: "Es soll zu erfahren sein, welches Gebäude hier gestanden hat und was hier passiert ist." Kaum jemand wisse, wie stattlich und repräsentativ die alte Synagoge war. Um dies zu ändern, hat die Stadt 70 Jahre nach der Reichspogromnacht eine Grabung in Auftrag gegeben. Danach soll eine neue Konzeption für die Gedenkstätte entwickelt werden.

Neben der Mikwe haben die Archäologen bereits drei Ecksteine der Synagoge, Wasserspeicher für das Tauchbad, Mauerreste, Brandschutt und ein Kuppelfundament entdeckt. Aufgrund der alten Bau- und Katasterpläne hatte Rausch dies zwar vermutet: "Wir haben aber befürchtet, dass auch die Keller zertrümmert wurden." Möglicherweise existiert auch der Grundstein noch, der einst unter der früheren Thoranische lag. Nach ihm muss aber noch gegraben werden.

Wie die Funde in Zukunft präsentiert werden können, ist bislang noch völlig offen. Man könnte die ehemalige Mikwe so überdachen und einhausen, dass sie besichtigt werden kann. Möglich wäre auch eine Freilegung der übrigen Grundmauern. Monika Bunk wünscht sich ein Bronzemodell der früheren Synagoge, wie es auch vom Marburger Rathaus und von der Elisabethkirche existiert. Eine Entscheidung wird aber erst in den kommenden Monaten fallen.

Der Öffentlichkeit werden die Funde am Tag des Offenen Denkmals am 14. September sowie am Jahrestag zur Reichspopromnacht am 9. November vorgestellt.

Gesa Coordes


Express Online: Thema der Woche | 31. Juli 2008

Lollar picknickt

LOS
"Lollar picknickt" wird durch das LOS-Programm finanziert. LOS steht für "Lokales Kapital für soziale Zwecke". Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert. In ihm werden so genannte "Mikroprojekte" zur Verbesserung der sozialen und beruflichen Integration von Menschen in Gebieten mit besonderem Entwicklungsbedarf gefördert.
Seit 2004 können Initiativen und Einzelpersonen in der Kernstadt Lollar Projekte durchführen, um die Situation der Menschen vor Ort zu verbessern. Im Mittelpunkt steht die Steigerung der Berufschancen – nicht nur von Jugendlichen – und die Integration unserer ausländischen Mitbürger und Mitbürgerinnen sowie der Deutschen aus Russland. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung der lokalen Wirtschaft. Weitere Infos unter www.los-lollar.de.
Mit Kultur gefüllte Picknickkörbe mitten auf der Hauptstraße: Lollar feiert am 2. August ein außergewöhnliches Stadtfest

Stellen Sie sich vor, triste Asphaltflächen verwandeln sich in eine karobunte Deckenlandschaft. Stellen Sie sich vor, kulinarisch und kulturell gefüllte Picknickkörbe laden zum Verweilen ein. Stellen Sie sich vor, eine ganze Stadt kommt auf Picknickdecken zusammen. Stellen sie sich vor: Lollar picknickt!

Am Samstag, den 2. August 2008, lädt die 10.000-Einwohner-Kommune zu einem außergewöhnlichen Stadtfest ein: zwischen 14 und 19 Uhr können Lollarer Familien mit Freunden und Gästen mitten auf der Hauptstraße picknicken (Gießener Straße, zwischen Modehaus Gröhl und TV-Markt).

Während der Sanierungsarbeiten an der Lumdabrücke will die Kunstaktion "Lollar picknickt" der Sperrung der Gießener Straße für einen Sommernachmittag etwas Gutes abgewinnen und die Hauptverkehrsader in ein Picknickareal verwandeln. Eine ganze Stadt kommt mitten auf der Hauptstraße zu einem öffentlichen und lauschigen Großpicknick zusammen und belebt einen durch Bauarbeiten stillgelegten Straßenzug.

Lollar picknickt" ist ein öffentlicher Ort, der von seinen Gästen und Gastgebern lebt. Die Hauptstraße wird in eine Picknickmeile verwandelt, die für eine bestimmte Zeit nicht von Autos und Geschwindigkeit geprägt ist, sondern von vielen Picknickgesellschaften, die sich zum Essen, Verweilen, Reden, Musikhören und Amüsieren niedergelassen haben.

Der Stadtraum wird durch das außergewöhnliche "Stadtfestformat" auf positive weise neu erfahrbar gemacht", erläutert Projekt-Koordinatorin Ingke Günther das Konzept. "Wir haben die Leute vor Ort angesprochen und gebeten, mitzugestalten."

Dementsprechend ist jeder eingeladen mitzupicknicken, jeder kann seinen gefüllten Picknickkorb, Verwandte und Freunde mitbringen. Eine Picknickstation vor Ort bietet jedoch auch alles, was benötigt wird: Picknickkörbe, Speisen zum Befüllen derselben und natürlich Karodecken.

Als unterstützende Gastgeber von "Lollar picknickt" sind vor allem anliegende Gewerbetreibende, Bewohner und Lollarer Vereine beteiligt und begleiten das Picknickgeschehen direkt vor ihrer Haustür. Sie leisten die Beiträge zur Ausgestaltung des Picknickareals – stellen Picknickdecken, Spielsand und Strohballen zur Verfügung, füllen die Picknickkörbe und sorgen für musikalische Umrahmung und Unterhaltung.

So kann sich der kleine und große Picknickgast, der sich gemütlich auf einer Picknickdecke niedergelassen hat, an einem reichhaltigen Programm erfreuen. Für die Kleinenbietet ein Sandstrand Spielvergnügen mitten auf der sonst befahrenen Hauptstraße, Fredrik Vahle unterhält sie mit seinen bekannten Kinderliedern, ein Kinderflohmarkt lädt zum Verkaufen des überzähligen Spielzeugs ein oder ein Sinnen-Parcours stellt dieselben auf die Probe. Aber auch die Eltern müssen sich nichtauf der Picknickdecke langweilen sie können verschiedenen Straßenmusikern lauschen,Picknickkonzerte am Flügel verfolgen, sich von einer Straßenmodeschau anregen lassen, sommerliche Cocktails trinken oder alte Lollar-Filme betrachten.

pe/kro

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