Auf den Lahnbergen wird an gefährlichen Viren geforscht.

In Hessen gibt es rund 700 gentechnische Anlagen. Nun hat das Regierungspräsidium (RP) Gießen die gentechnikrechtliche Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer gentechnischen Anlage der höchsten Sicherheitsstufe 4 der Philipps-Universität Marburg erteilt. Mit der Inbetriebnahme des S4-Hochsicherheitslabors ist Ende des Jahres bis Anfang 2027 zu rechnen.

An der Marburger Universität gibt es bereits nebenan ein S4-Labor. Das neue Hochsicherheitslabor ist jedoch deutlich größer und verfügt dazu über ein flexibles Raumnutzungskonzept, das hochkomplexe Forschungsvorhaben erleichtert. Dabei geht es um hochgefährliche Erreger wie zum Beispiel Ebola-Viren. Die Arbeiten vor Ort umfassen Grundlagenforschung, aber auch Forschung zu Diagnostik und Therapie sowie zur Impfstoffentwicklung gegen virale Erreger.

Sicherheit steht bei einem solchen Forschungslabor an erster Stelle, betonte Regierungspräsident Christoph Ullrich. Das RP Gießen erteilte für die Errichtung des Rohbaus bereits im Januar 2024 die erste Teilgenehmigung. Die nun erteilte Errichtungs- und Betriebsgenehmigung umfasst die technische Ausstattung des Gebäudes sowie alle baulichen, technischen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen des Hochsicherheitslabors. Zudem werden damit die zulässigen gentechnischen Arbeiten der Sicherheitsstufe 4 mit hochpathogenen Viren wie Ebola- oder Nipahvirus bewertet und genehmigt.

S4-Labor entsprichthöchster Schutzstufe

In einem Labor der höchsten Schutzstufe (S4) können gefährliche Krankheitserreger wie Ebola-, Lassa- und Marburg-Viren sicher untersucht werden. Die Voraussetzung für eine Einrichtung und den Betrieb sind im Gentechnikgesetz geregelt. Demnach muss es unter anderem eine eigene Luft-, Strom- und Wasserversorgung besitzen, also autark sein, und sich in einem alleinstehenden Gebäude befinden. Mehrstufige Sicherheitssysteme sorgen dafür, dass keine Erreger ins Freie gelangen. Die technischen Systeme und Geräte werden in einer längeren Testphase überprüft und Arbeitsabläufe, Wartungs- sowie Notfallprozesse intensiv trainiert. 

Gearbeitet wird in dem neuen S4-Labor der Universität Marburg sowohl diagnostisch als auch in der Forschung. Bei importierten, hoch ansteckenden Krankheiten ist eine schnelle Diagnostik notwendig, um über Maßnahmen einer Quarantäne und Möglichkeiten zur Behandlung entscheiden zu können. Ein S4-Labor ermöglicht den sicheren Umgang mit solchen Patientenproben. Bislang gibt es in Deutschland vier Hochsicherheitslabore. Die beiden Marburger S4-Labore sind bundesweit die einzigen, das von einer Universität betrieben werden.

red

Bild mit freundlicher Genehmigung von RP Gießen