Große Namen der Geschichte.
Die Philipps-Universität kann auf eine lange und eindrucksvolle Geschichte zurückblicken, nächstes Jahr steht der 500 Geburtstag an: Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen gründet die Universität 1527 in Marburg. Damit ist sie die erste protestantische Universität der Welt, die bis heute Bestand hat.
Wie weit man es mit einem Studium in Marburg bringen kann zeigt diese kleine Auswahl:
Hannah Arend (1906-1975)
Die bekannte Publizistin und Philosophin studierte in Marburg Theologie bei Rudolf Bultmann und Philosophie bei Martin Heidegger, mit dem sie eine geheime Liebesbeziehung hatte. Berühmt wurde sie durch ihre Totalitarismustheorie und ihre Berichterstattung über den Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann. Als Jüdin war Hannah Arendt in der NS-Zeit rechtzeitig zunächst nach Frankreich und dann in die USA emigriert, wo sie bis zu ihrem Tod als Professorin für Politische Philosophie in New York lehrte.

Luise Berthold (1891-1983)
Sie war nicht nur die erste Frau, die an der Philipps-Universität habilitierte, sondern auch ihre erste und jahrelang einzige Dozentin. Obwohl sie bereits lehrte, blieb ihr ein eigener Lehrstuhl aufgrund ihrer distanzierten Haltung zum Nationalsozialismus zunächst verwehrt. Sie distanzierte sich nicht nur von den Nazis, sondern setzte sich aktiv für Juden und Jüdinnen ein. Neben diesem Engagement setzte sie sich auch für mehr Frauen an den Universitäten ein und leitete bis 1971 das Hessisch-Nassauische Wörterbuch Institut.
Konrad Duden (1829- 1911)
Der Wegbereiter der deutschen Einheitsrechtschreibung promovierte 1854 in Marburg – allein mit seiner schriftlich eingereichten Dissertation „De Sophoclis Antigona“. Die eigentlich zusätzlich übliche mündliche Prüfung brauchte er nicht ablegen.
Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859)
Auch die Begründer der Germanistik zog es zum Studium nach Marburg. Von 1802 bis 1806 studierten die Brüder bei dem namhaften Rechtsgelehrten Friedrich Karl von Savigny. Der ließ seine wissbegierigen Schüler in seiner Privatbibliothek schmökern und machte sie mit den Werken der Romantik bekannt. In Marburg lernten sie unter anderem den Dichter Clemens von Brentano und seine Schwester, die Schriftstellerin Bettina von Arnim kennen.

Otto Hahn (1879-1968)
Der Chemiker und Nobelpreisträger promovierte ebenfalls in Marburg. 1897 hatte der in der Schule nur mittelmäßig Begabte in der Lahnstadt sein Chemiestudium begonnen. Vier Jahre später wurde seine Doktorarbeit mit magna cum laude bewertet. Von 1902 bis 1904 blieb Hahn bei seinem Doktorvater, Professor Theodor Zincke, als dessen Assistent in Marburg tätig.
Gustav Heinemann (1899-1976)
Seine Frau Hilda lernte der spätere deutsche Bundespräsident während seiner Studentenzeit (1921-1924) in Marburg kennen und lieben. An der Philipps-Universität promovierte er währenddessen zum Dr. rer. pol. und legte hier auch 1922 seine erste juristische Staatsprüfung ab.
Margot Käßmann (geb. 1958)
Die ordinierte Pfarrerin studierte nicht nur Evangelische Theologie in Marburg, sondern besuchte hier bereits das Gymnasium Elisabethschule. 1999 wurde sie zur Bischöfin der Landeskirche Hannovers gewählt – die Presse vermutete daraufhin „feministische Machtübernahme in der nördlichsten deutschen Landeskirche“. Im Laufe ihrer Karriere hatte sie verschiedene kirchliche Ämter inne, darunter Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages und Ratsvorsitzende der EKD. Mittlerweile ist sie Schriftstellerin und engagiert sich für Frauen sowie Ökumene.
Wilhelm Liebknecht (1826-1900)
Der in Gießen geborene Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands studierte zuerst in seiner Heimatstadt Philologie und Theologie, dann ein Semester Philosophie in Berlin, bevor er sich 1846 in Marburg ebenfalls für Philosophie einschrieb. Parallel zum Studium absolvierte er hier auch eine Ausbildung als Büchsenmacher, in Gießen hatte er bereits eine Zimmermanns-Lehre hinter sich gebracht. Sein Studium konnte Liebknecht in Marburg allerdings nicht beenden: Mitte 1847 floh er aus der Stadt, weil ihm ein Freund vor einer anstehenden Verhaftung aus politischen Gründen gewarnt hatte.

Michail Lomonossow (1711-1765)
Er gilt als russischer Universalgelehrter und hat 1755 die Universität in Moskau gegründet: Der Sohn eines armen Bauern und Fischers studierte von 1736 bis 1739 in Marburg bei dem Philosophen und Mathematiker Christian Freiherr von Wolff. Anschließend wechselte er ins Freiberger Laboratorium von Johann Friedrich Henkel, aber nur für kurze Zeit. Bei seinem Studienaufenthalt in Marburg hatte Michail Wassiljewitsch Lomonossow die Tochter seines Vermieters, Elisabeth Zilch, lieben gelernt. 1740 kam er nach Marburg zurück und beide heirateten. Im Jahr darauf zog es Lomonossow wieder nach St. Petersburg, wo er seine Doktorarbeit schrieb. Seine Frau folgte ihm zwei Jahre später.
Boris Pasternak (1890-1960)
Der russische Erzähler und Lyriker, der 1958 den Nobelpreis für Literatur wegen politischem Druck in seiner Heimat nicht annehmen konnte, studierte 1912 bis 1914 bei dem Philosophen Hermann Cohen an der Philipps-Universität. Cohen eröffnete ihm die Aussicht auf eine akademische Karriere – Pasternak, der noch heute vor allen durch seinen Roman „Doktor Schiwago“ bekannt ist, entschied sich in Marburg aber endgültig für die Dichtung.
Martha Elisabeth Selbert (1896-1986)
Als „eine der vier Mütter des Grundgesetzes“ machte sich Elisabeth Selbert einen Namen. Bevor sie nach Göttingen wechselte, studierte sie in Marburg als einzige Frau Rechts- und Staatswissenschaften. 1948/49 saß sie als eine von vier Frauen unter 65 Männern im Parlamentarischen Rat und setzte sich für die Aufnahme des Gleichberechtigungsgrundsatzes in die Verfassung ein. Sie forderte die Formulierung „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ (Art.3, Abs2, GG), der nur unter dem Druck öffentlicher Proteste nachgegeben wurde. Es folgte eine grundlegende Reformierung großer Teile des BGB.

red

