Festwoche vom Montag, dem 01. bis zum Freitag, dem 05. Juni zum 150-jährigen Jubiläum zeigt Wandel und Bedeutung.
Die Marburger Geographie hat 900 Studierende, zehn Professuren und eine lange, bewegte Geschichte: In der kommenden Woche feiert das Fach sein 150-jähriges Jubiläum. Dabei möchte die Universität zeigen, wie lebendig und bedeutend die Geographie in Marburg, aber auch global heute ist. „Der Fachbereich präsentiert sich heute als eine breit aufgestellte, forschungsstarke und international vernetzte Einrichtung“, sagt Uni-Präsident Prof. Thomas Nauss, der 2005 selbst in der Marburger Geographie promoviert hat. Auch im Che-Hochschulranking sowie in studentischen Bewertungsforen werde das Fach regelmäßig sehr positiv bewertet. Es verbinde eine lange Tradition mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen.
„Forschung und Lehre befassen sich mit dem Verhältnis von Mensch und Umwelt, mit Klima- und Umweltveränderungen, Biodiversität, Stadt- und Regionalentwicklung, wirtschaftlichen Transformationsprozessen sowie Fragen nachhaltiger Entwicklung“, erklärt Dekan Prof. Markus Hassler. Er beschreibt das Fach als Brücke zwischen Natur- und Kulturwissenschaften. Im Fokus stehen derzeit vor allem Fragen der Biodiversität, Klimaanalysen sowie die Planung resilienter Landschaften und Städte. Während die Disziplin früher eher länderkundlich und beschreibend geprägt war, arbeitet die Geographie heute datenbasiert, modellgestützt und interdisziplinär. Sie fragt nicht nur, wie Räume beschaffen sind, sondern auch, wie sie sich verändern und wie die Zukunft nachhaltig organisiert werden können.
„Das Jubiläum ist deshalb nicht nur ein Anlass für einen Blick in die Geschichte des Fachbereichs, sondern vor allem auch eine Gelegenheit, die Vielfalt des Faches und seine Bedeutung für Zukunftsfragen hervorzuheben und der Öffentlichkeit zu präsentieren“, sagt Prof. Maaike Bader. Über Generationen hinweg haben Marburger Geographinnen und Geographen Landschaften, Städte, Wirtschaftsräume, Ökosysteme und gesellschaftliche Entwicklungen in Deutschland, Europa und weltweit untersucht. Geländepraktika im In- und Ausland, internationale Forschungsprojekte sowie die Verbindung von Theorie, Methodenkompetenz und Praxis gehören bis heute zum Profil des Fachbereichs.
Während des Jubiläums wollen sich die Forschenden aber auch kritisch mit ihrer Fachgeschichte auseinandersetzen. So wird die Rolle der Geographie in Zeiten von Kolonialismus und Nationalsozialismus beleuchtet. Thematisiert wird die Stellung von Frauen in der Geschichte des Fachs: Wer konnte Geographie wann studieren, promovieren und wissenschaftlich wirken? Welchen strukturellen Hürden begegneten Frauen über lange Zeit? Diesen Fragen geht Kerstin Bach in einem eigenen Beitrag in der Festschrift nach, die von der Marburger Geographischen Gesellschaft und dem Fachbereich herausgegeben wird. „Das Jubiläum bietet damit auch die Möglichkeit, Traditionslinien, Brüche und Verantwortung in der Wissenschaft sichtbar zu machen“, erläutert Prof. Peter Chifflard: „Dazu gehört ausdrücklich auch, schwierige Kapitel der Fachgeschichte nicht auszublenden.“
Chifflard will zugleich die Gelegenheit nutzen, für das Geographiestudium in Marburg zu werben: „Kaum ein anderes Fach führt naturwissenschaftliche, gesellschaftliche und raumbezogene Fragestellungen so eng zusammen“, sagt er. Geographie vermittele Kompetenzen – auch über klassische Berufsbilder hinaus – wie analytisches Denken, den Umgang mit Big Data und digitalen Karten, Feld- und Laborarbeit, Kenntnisse zu Umwelt- und Gesellschaftswandel sowie die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge räumlich zu verstehen. Aber auch die Fähigkeit tiefgreifende Veränderungen zu begreifen und damit umzugehen zählt zu den Fähigkeiten, die Studierende in Marburg lernen. Die Absolventinnen und Absolventen arbeiten nach ihrem Abschluss vor allem in der in der Stadt- und Regionalplanung, im Umwelt- und Naturschutz, in Behörden und Unternehmen, in der Entwicklungszusammenarbeit sowie in Einrichtungen zur Bildung, Datenanalyse und Geoinformation – und natürlich in der Forschung.
Mitmachangebote, Gold, Vorträge und Führungen
Während der Festwoche vom 1. bis zum 5. Juni gibt es zahlreiche Mitmachangebote sowie öffentliche Vorträge. So wird Prof. Carina Peter über nachhaltige Bildung und Experimente in der Schule sprechen (1. Juni, 18.30 Uhr, Hörsaal des Deutschhauses). Am 3. Juni ab 18.30 Uhr locken drei Kurzvorträge zur Klimawandel, Klimaextremen und Gesundheit sowie zur Geologie. Zudem hat der Fachbereich für Donnerstag und Freitag ein Mitmachprogramm für alle Interessierten zusammengestellt, das am 4. Juni in der Zeit von 13 bis 17 Uhr und am 5. Juni von 11 bis 15 Uhr stattfindet. So können die Gäste vor dem Mineralogischen Museum Gold waschen, Edelsteine suchen und die Sandbox ausprobieren. Ausnahmsweise ist das Museum – ebenso wie das benachbarte Deutschhaus – auch im Rahmen von Führungen geöffnet. Interessierte erfahren, wie ein Strömungskanal funktioniert und wie Musik aus Klimadaten entsteht. Es gibt Filme und Podcasts, Spielstände, einen Excape Room und einen Parcours. Das ganze Programm mit weiteren Vorträgen und Aktionen unter https://www.uni-marburg.de/de/fb19/150-jahrfeier.
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