Bekämpfung einer invasiven Art sorgt für Erholung des Bestandes.
Ein Steinbruchsee bei Angelburg-Gönnern ist sein Zufluchtsort: Der selten gewordene Edelkrebs lebt in diesem Naturschutzgebiet im Westen des Landkreises. Und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises sorgt in einem Projekt dafür, dass dies auch so bleibt. Wie der Landkreis berichtet, erholen sich die Bestände derzeit. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Naturschutzbehörde. : Lag die Zahl 2020 noch bei 74 nachgewiesenen Edelkrebsen, liegt ihre Zahl inzwischen bei knapp 1000, ein neuer Höchstwert. 2024 waren es noch 767 Edelkrebse. Zugleich gibt es gemeinsam mit der Polizeistation Biedenkopf mehr Kontrollen, um das Gebiet zu schützen.
Der Edelkrebs ist ein in Deutschland heimischer Flusskrebs. Wegen des Verlusts von Lebensräumen und durch gebietsfremde Arten gilt er als vom Aussterben bedroht. Seine Lebensräume sind mittlerweile meist isolierte Stillgewässer, die für den Fortbestand der Art damit eine entscheidende Rolle haben. Ein solches Stillgewässer ist auch der Steinbruchsee bei Gönnern. Dort kann sich der Edelkrebs inzwischen wieder in Ruhe vermehren. Denn der amerikanische Signalkrebs, ein eigentlich gebietsfremder Konkurrent des Edelkrebses, wird im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde dort mit speziellen Fallen bekämpft.
Der Signalkrebs ist eine eingeschleppte Flusskrebsart, die eigentlich in nordamerikanischen Flüssen beheimatet ist. Zudem überträgt er die Krebspest, an der die europäischen Arten sterben. Immerhin waren die Signalkrebs-Bestände im Steinbruchsee nicht mit der Krebspest infiziert. Dennoch bedrohte invasive Art die Edelkrebse durch ihre große Zahl. Zudem fressen sie die ebenfalls seltenen Geburtshelferkröten-Larven.
Der hohe Bestand an Signalkrebsen im Gebiet wurde erstmals 2014 im Rahmen einer Amphibienkartierung entdeckt. Seitdem haben die Fachleute rund 85.100 Signalkrebse aus dem See gefischt. Damit ging eine deutliche Erholung der heimischen Edelkrebs-Bestände einher. „Durch das kontinuierliche Herausfischen werden zunehmend junge Signalkrebse bereits vor ihrer ersten Fortpflanzung gefangen. Dadurch können sie sich immer schwieriger vermehren“, erklärt Gabriele Spill-Ebert von der Unteren Naturschutzbehörde. Das bedeutet zugleich, dass sich das ökologische Gleichgewicht im Steinbruchsee langsam wieder zugunsten der heimischen Tierwelt verschiebt, berichtet die Expertin. Auch die seltene Geburtshelferkröte wird wieder häufiger beobachtet.
Ziel des Projektes ist es, den Bestand des Signalkrebses so weit zu reduzieren, dass der heimische Edelkrebs sich dauerhaft behaupten und den Signalkrebs durch natürliche Konkurrenz zusätzlich zurückdrängen kann. „Entscheidend ist, den Druck auf die bereits deutlich geschrumpfte Signalkrebspopulation weiter hoch zu halten, damit möglichst wenige Tiere die Geschlechtsreife erreichen. Würden die Maßnahmen eingestellt oder deutlich reduziert, könnte sich der Bestand innerhalb weniger Jahre wieder erholen und die bisherigen Erfolge gefährden“, betont Spill-Ebert.
Sowohl die Edel- als auch die Signalkrebse werden mit Fischködern gefangen. Die mit Ködern ausgestatteten Reusen werden über Nacht im Steinbruchsee ausgebracht und am nächsten Morgen kontrolliert und geleert. Alle gefangenen Krebse werden vermessen und dokumentiert. Die Signalkrebse werden tierschutzkonform getötet und kulinarisch verwertet, die Edelkrebse dürfen wieder zurück ins Gewässer. Um die Bereusung kümmert sich ein heimisches Fachbüro für Gewässerökologie in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde, die das Projekt seit 2025 wissenschaftlich und finanziell begleitet. Zuvor wurde es durch das Regierungspräsidium Gießen finanziert. Auch zahlreiche ehrenamtlich Engagierte vom Naturschutzbund sowie örtliche Edelkrebs-Experten helfen mit.
Bitte nicht baden
Der Kreis appelliert an alle Besucherinnen und Besucher des Naturschutzgebietes „Kohlenacker“, unbedingt auf den durch Stahlseile markierten Wegen zu bleiben. Da es an warmen Tagen immer wieder zu illegalem Bade-Tourismus am Steinbruchsee kommt, weist die Behörde ausdrücklich darauf hin, dass das Schwimmen, Angeln, Lagern und Feiern am See verboten sind. Diese Verbote dienen dem Schutz der empfindlichen Tier- und Pflanzenwelt. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit mit empfindlichen Bußgeldern in Höhe von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Das gilt auch für das Naturschutzgebiet „Dimberg bei Steinperf“ in der Gemeinde Steffenberg. Obwohl das gesamte Areal durch einen Zaun gesichert ist und durch Hinweisschilder auf das Betretungsverbot hingewiesen wird, wurde der Zaun bereits mehrfach aufgeschnitten oder niedergedrückt, um sich Zugang zu verschaffen. Zur Einhaltung der Schutzbestimmungen werden Polizei und Ordnungsämter nun in beiden Naturschutzgebieten verstärkt kontrollieren.
red

