Tausende von Larven in den Auen des Kreises ausgesetzt.
Froschmännchen sind laut. Doch ihre spätabendlichen Tümpelkonzerte zeigen, dass sich der vielerorts vom Aussterben bedrohte Laubfrosch im Landkreis Marburg-Biedenkopf wieder verbreitet. Vor allem in der Walgerbachaue bei Kehna und im Rosphebachtal bei Unterrosphe versammeln sich die Froschmänner derzeit zur Balz. Je kräftiger die grünen Herrenchöre quaken, desto mehr Weibchen werden angelockt. Die besten Chancen haben die lautesten Quakhälse.
Hinter den Tümpelkonzerten steckt ein Wiederansiedlungs-Projekt der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Gemeinsam mit dem Gutachter- und Planungsbüro „Bioplan“ haben die Fachleute in den vergangenen Jahren Tausende von Froschlarven ausgesetzt. Allein im Jahr 2025 holten sie 471 Laichballen aus den stabilen Vorkommen am Brücker Wald und am Kreuzborn bei Erksdorf. Daraus wurden 7.050 Larven in künstlichen Becken herangezogen, die in den Tümpeln und Auen der Region wieder ausgesetzt wurden. In diesem Fall konnten sogar viele der grasgrünen Hüpfer vom Kreuzborn gerettet werden – dort fiel nämlich in der entscheidenden Phase im Frühsommer so wenig Regen, dass ein großer Teil des Laichs sonst vertrocknet wäre.
Besonders häufig quakt der Laubfrosch nun wieder bei Kehna und Unterrosphe. Im Naturschutzgebiet „Sandgrube Hollenberg” bei Unterrosphe und dem angrenzenden Rosphebachtal haben sich die Larven inzwischen zu jungen Hüpferlingen entwickelt. Da im Rosphebachtal im Jahr 2024 keine Larven ausgesetzt wurden, deuten die Sichtungen dort darauf hin, dass sich die Laubfrösche bereits erfolgreich vermehren. Ein Erfolg, der hörbar ist: Die Fachleute zählten zwei bis drei Dutzend rufende Männchen. Auch in der Walgerbachaue bei Kehna schreitet die Wiederansiedlung voran: An den frisch entschlammten Gewässern am Rande des Naturschutzgebietes haben Fachleute im Jahr 2025 bis zu neun Rufer sowie mindestens drei weitere im angrenzenden Steinbruchgelände erfasst. In beiden Gebieten beschränkt sich die Naturschutzbehörde nun darauf, die zukünftige Entwicklung zu beobachten.
Weitere geeignete Gewässer profitierten von dem Projekt: der Udendorfer Teich bei Kirchhain-Großseelheim, die Region um die Zwester Ohm sowie Auen-Landschaften bei Niederweimar und im Ebsdorfer Grund bei Heskem. 2025 kamen Gebiete bei Wetter-Mellnau, Münchhausen-Wollmar sowie die Riedwiesen bei Lohra-Altenvers dazu.
Allerdings entwickelten sich nicht alle Standorte gleich erfolgreich: Wurden aus der ehemaligen Kiesgrube Niederweimar im Jahr 2024 noch zehn Rufer an einem Gewässer gehört, konnten dort 2025 keine mehr bestätigt werden. Als mögliche Gründe vermutet die Naturschutzbehörde ein durch Hochwasser zerstörtes Winterquartier oder das frühzeitige Austrocknen der Gewässer im trockenen Frühjahr 2023. Um stabile Populationen aufzubauen, werden die Fachleute die Besiedelung der Gebiete mit Larven im Ebsdorfer Grund (Zwester Ohm, Heskemer Teichwiesen) sowie im renaturierten Kiesabbaugebiet Niederweimar noch mindestens ein bis zwei weitere Jahre fortführen.
Der Hintergrund des Projekts: Anfang der 1990er Jahre gab es im Landkreis Marburg-Biedenkopf nur noch sechs Laubfrosch-Vorkommen. Inzwischen existieren wieder mindestens 15 Populationen mit mehr als 500 Rufern. Die meisten liegen im Osten des Kreises im Amöneburger Becken. So finden sich zahlreiche Laubfrösche zwischen Schweinsberg, Niederklein und dem „Brücker Wald“ bei Amöneburg. Weitere Schwerpunkte sind die „Emsdorfer Kuhteiche“, der Kreuzborn bei Erksdorf sowie das Arxbachtal.
Kletterkünstler sitzt auf Bäumen
Der Laubfrosch ist ein Kletterkünstler, der die meiste Zeit in Hecken und auf Laubbäumen verbringt. Damit ist er die einzige heimische Amphibienart mit dieser Kraft. Mit seinen Saugnäpfen an Fingern und Zehen kann er sogar bis zu 20 Meter hohe Baumwipfel erreichen. Seine bevorzugte Beute sind Käfer, Spinnen und Fliegen.
Laubfrösche brauchen sowohl Laichgewässer als auch sonnige, windgeschützte Hecken, Waldränder, Schilfgürtel und Feuchtbrachen. Ab Ende Oktober verbringt er die kalten Monate versteckt in Hohlräumen von Wurzeln, Totholz oder zwischen Steinen, um sich vor Frost zu schützen. Zwischen Ende März und Mitte April wandern die Alttiere zu Weihern und Teichen, wo bis einschließlich Juni gebalzt wird. Sowohl die Eier, die in walnussgroßen Laichballen stecken, als auch die Kaulquappen brauchen Wärme und Sonne. Im Juli verlassen die Jungfrösche das Gewässer und wandern in ihre Sommerlebensräume ab.
Gefährdet werden die nur sechs Gramm leichten Frösche vor allem durch fehlende fischfreie Laichgewässer, den Verlust von Lebensräumen sowie durch intensive Landwirtschaft.
Weitere Informationen zu den Amphibien im Kreis und zum Thema Artenschutz gibt es online unter https://www.marburg-biedenkopf.de/artenschutz. Dort lässt sich auch die Amphibienbroschüre des Kreises herunterladen.
gec

