Betreiber des Pharmastandorts baut 110 Vollzeit-Stellen ab.
Am Pharmastandort Marburg reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Nach Biontech, CSL und Nexelis verlieren nun auch Beschäftigte des Standortbetreibers Innexis ihren Job. Nach Auskunft des Unternehmens werden 110 Vollzeitstellen abgebaut. Bislang arbeiten rund 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Innexis. Die Belegschaft erfuhr von dem Stellenabbau während einer Mitarbeiterversammlung.
Wie es ihnen geht? „Jeder hat jetzt Angst, weil er selbst betroffen sein könnte“, schildert Anne Weinschenk, Bezirksleiterin der Gewerkschaft IGBCE, die Stimmung. Überraschend kommt die Ankündigung nicht: „Wir haben das befürchtet, weil viele Unternehmen am Standort Personal abgebaut haben. Davon ist natürlich auch der Standortbetreiber betroffen“, sagt die Gewerkschafterin. Ingesamt stehen rund 1500 Arbeitsplätze in Marburg auf dem Spiel.
„Wir wissen, dass die Phase der Unsicherheit für viele Mitarbeitende bereits lange anhält und mit großen Sorgen verbunden ist“, formuliert Innexis-Geschäftsführer (CEO) Martin Egger: „Wir haben uns bewusst die notwendige Zeit genommen, um die anstehenden Veränderungen sorgfältig und verantwortungsvoll vorzubereiten und die personellen Auswirkungen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten.“
Der Stellenabbau sei Teil eines langfristigen Transformationsprogramms, mit dem Innexis nach eigenen Angaben die „Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stärken“ will. Es umfasse organisatorische Anpassungen, den verstärkten Einsatz neuer Technologien, die Digitalisierung von Prozessen, die Bündelung von Kompetenzen über Standorte hinweg sowie die wettbewerbsfähige Weiterentwicklung.
Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen angesichts der veränderten Rahmenbedingungen ein Kostensenkungsprogramm gestartet. Seitdem wurden frei werdende Stellen nur noch vereinzelt nachbesetzt. Ein wesentlicher Teil des Personalabbaus könne dadurch sowie durch freiwillige und altersbedingte Austritte aufgefangen werden. Darüber hinaus sollen rund 110 Vollzeitstellen bis Ende 2028 „nicht weitergeführt“ werden.
Jetzt stehen Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft an. Alle Beteiligten wollen den Stellenabbau möglichst sozialverträglich vornehmen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.
Innexis ist einer der wenigen Industrieparkbetreiber in Deutschland, die auf die Biotechnologie- und Pharmabranche spezialisiert sind. Das Unternehmen ist Inhaber und Betreiber des großen Marburger Pharmaparks, stellt die Gebäude und die Produktionsflächen, kümmert sich um nachhaltige Energieversorgung, Kantinen und bietet spezielle Dienstleistungen. Innexis entstand Ende 2025 aus Pharmaserv, das seitdem unter dem neuen Namen geführt wird.
Gesa Coordes

