Erzählfestival von Freitag, dem 04. bis Sonntag, dem 06. September in Homberg/Ohm.
Vor drei Jahren fand es zum ersten Mal statt: Das Erzählfestival in Homberg/Ohm, initiiert von Autorin Astrid Ruppert. Vom 04. bis 06. September steht die 2. Ausgabe an – mit alten Bekannten wie Poetry-Slam-Meister Lars Ruppel oder dem Bob-Dylan-Art-Projekt des Götzfried-Trios.
Insgesamt stehen acht Lesungen, neun Workshops, Musik und mehr auf dem Programm des „Erzählfestivals der Vielfalt“. Eingeladen sind Bestsellerautorinnen, Sänger, Schubladendichterinnen, Poetry Slammer, Kinderbuchautoren und bildende Künstlerinnen. Hier eine Auswahl aus dem Programm:
Lars Ruppel
Poetry-Slam-Workshop am Freitag, dem 04. September von 14-18 Uhr.
Wie man die Kreativitätsenergie anwirft: Lernen vom Meister des Poetry Slams Poetry Slams sind freundschaftliche Wortwettbewerbe von Menschen, die Sprache lieben, gerne erzählen und erfinden, flunkern und übertreiben, verheimlichen und verklausulieren. Der mehrfache internationale Poetry-Slam-Meister Lars Ruppel begleitet alle Teilnehmenden von der ersten Idee zum ersten Wort, zum fertigen Text und – wenn man mag – auf dem Weg auf die Bühne. Es sind überhaupt keine Vorkenntnisse nötig, alle sind willkommen! Die Texte können abends gemeinsam mit Lars bei der Poesiebegeisterungsshow auf der großen Lesebühne präsentiert werden. Ihr werdet erstaunt sein, was in euch schlummert und unbedingt erzählt werden will!
Götzfried-Trio: Bob-Dylan-Art-Projekt
Dylan im Original & auf mittelhessisch am Freitag, dem 04. September um 16 Uhr.
Die Songs des Literaturnobelpreisträgers im Original und auf hessisch unterhaltsam interpretiert: Bei den Götzfrieds ist Musik Familiensache. Aufgewachsen in Marburg, leben die beiden Brüder inzwischen nicht mehr am selben Ort, performen aber gemeinsam. Gleich zum Auftakt des Erzählfestivals lassen sie als Bob-Dylan-Art-Projekt nicht nur Folk-Rock-, sondern auch Mundart-Fans auf ihre Kosten kommen: Bevor Sänger und Gitarrist Jörg Götzfried die Songs des Literaturnobelpreisträgers mit seiner Frau Christine in der Originalversion interpretiert, rezitiert Multiinstrumentalist Lutz sie in mittelhessischem Dialekt. Dieses außergewöhnliche kulturelle Experiment gelingt ihnen inzwischen bereits seit mehr als zehn Jahren.
Lars Ruppel
Poesiebegeisterungsshow am Freitag, dem 04. September um 19 Uhr.
Ein Abend mit mit Poetry-Slam-Meister Lars Ruppel ist ein Erlebnis: ein sprachlicher Kirmesbesuch, eine literarische Butterfahrt, kurzum eine poetische Wundertüte wie er selbst. Nennen Sie es, wie Sie wollen, aber lassen Sie es sich vor allem auf keinen Fall entgehen, wenn der gebürtige Gambacher mit den Teilnehmenden des Poetry-Slam- Workshops am Nachmittag eine Show gestaltet, in der gleichermaßen gereimt, geweint und gelacht wird: Wortfreude pur von Newcomern, Poeten und allen, die es werden wollen! Nach mehreren Jahren in Marburg lebt Lars Ruppel inzwischen in Berlin, wo er am nächsten Tag weiterslammt.
Stefan Kuhlmann
Lesung: „Herr Winter taut auf“ am Samstag, dem 05. September um 11:30 Uhr.
Manche Männer gehen nach der Pensionierung angeln. Robert Winter wird Avon-Berater – und tritt damit in die Fußstapfen seiner verstorbenen Frau. Um nicht in Trauer zu ertrinken, beschließt er, für sie den Titel „Avon-Beraterin des Jahres“ zu gewinnen. Auf seinen Verkaufsrunden gerät er in Situationen, in denen selbst ein Mann wie Winter irgendwann auftauen muss.
Mit viel Humor und Herz erzählt Stefan Kuhlmann in seinem Debütroman von einem, der im Ruhestand noch einmal ins Schleudern kommt – und merkt, dass das Leben die besten Pläne hat, wenn man selbst längst keine mehr macht. Gerade adaptiert der Wahlberliner die Geschichte für die Leinwand und ist auch ansonsten als Drehbuchautor erfolgreich, unter anderem für die beliebte ZDF-Reihe „Familie Bundschuh“.
Katherine Zimmermann
Screening der KIKA-Serie: „GONG! – Mein spektrakuläres Leben“ am Samstag, dem 05. September um 14 Uhr.
Neue Schule, neue Freunde – und dann steht auch noch eine Kennenlernfahrt an. Gar nicht so einfach für Eileen: Die 11-jährige ist Autistin und mag Veränderungen überhaupt nicht. Da hilft nur eins: Um nicht alleine dazustehen, braucht sie Freunde, so schnell wie möglich. Die fiktionale KiKA-Serie für Kinder ab 9 Jahren räumt mit gängigen Klischees auf – und war 2024 sogar für den International Emmy Award nominiert.
Katherine Zimmermann hat die Hauptfigur und das Serienkonzept mitentwickelt, Drehbuch geschrieben und war als Beraterin zum Thema Autismus am Set dabei. Nach dem Screening einzelner Folgen beantwortet sie Fragen und spricht über die Entstehung der Serie, die Arbeit beim Fernsehen und gibt Einblicke in das Thema Autismus.
Judith Hoesch
Lesung: „Niemands Töchter“ am Samstag, dem 05. September um 20 Uhr.
Mutterschaft im Allgemeinen und das überaus komplexe Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern im Besonderen stehen im Mittelpunkt dieses Debütromans, der keine zwei Monate nach seiner Veröffentlichung bereits in dritter Auflage erschien. Über einen Zeitraum von 40 Jahren erzählt Judith Hoersch, bekannt als Titeldarstellerin der erfolgreichen ZDF-Reihe „Lena Lorenz“, die Geschichte von vier schicksalhaft miteinander verbundenen Frauen – und auch davon, wie uns Unausgesprochenes über Generationen prägen kann. In einem Werkstattgespräch tauschen sich Judith Hoersch und Astrid Ruppert, Autorin der Winterfrauen-Trilogie und Initiatorin des Erzählfestivals, über die Konzeption von Familienromanen und das Schreiben generell aus.
Andrea Pilgrim
Buchvorstellung: Mütter und Töchter in der Literatur am Samstag, dem 05. September um 16 Uhr.
Ein Tag, an dem Andrea Pilgrim keinen Roman zur Hand nimmt, ist für sie undenkbar, schon ihr ganzes Leben lang. Seit einigen Jahren stellt die Marburgerin auf Instagram unter @andrea.liestundliest ihre Lieblings- und Lebensbücher vor, hauptsächlich Gegenwartsliteratur, oft von Frauen geschrieben, und hat sich als Buchbloggerin längst einen Namen gemacht. Die Idee dazu, andere auf diese Weise an ihrer Leidenschaft teilhaben zu lassen, stammt von ihrer Tochter, selbst begeisterte Leserin. Zum Erzählfestival hat die Buchbloggerin gleich einen ganzen Stapel Mutter-Tochter-Geschichten im Gepäck: Manche regen zum Nachdenken an, andere zum Schmunzeln, und sie alle dazu, sich in den Figuren wiederzuerkennen, denn, wenn Frauen auch nicht immer Mütter sind, Töchter sind sie alle.
Ursula Kollritsch
Workshop: „Kreatives Schreiben – Rein in den Schreibflow“ am Sonntag, dem 06. September von 10-12:30 Uhr.
Wie kann man das Schreiben häppchenweise in den Alltag integrieren? Wie dranbleiben? Die Autorin Usch Kollritsch, die auch als Schreibcoach tätig ist und den Podcast „Bücher feiern“ hostet, lebt ihre Liebe zum Schreiben – in eigenen Büchern, Projekten, Workshops und in ihrem Alltag. Mit erprobten Creative-Writing-Übungen, fundiertem Schreibhandwerk und ihren persönlichen Erfahrungen bringt sie Schreibfreudige in den Flow. Ein Kurs, aus dem du jede Menge mitnimmst: Inspiration, Motivation und erste eigene, schöne Textkreationen.
Randi Grundke
Workshop: Wörter gestalten mit Farben und Linoldruck: „Eine kleine Druckwerkstatt“ am Sonntag, dem 06. September von 10-13 Uhr.
2014 wurde Künstlerin Randi Grundke mit dem Otto-Ubbelohde-Preis ausgezeichnet, nicht zuletzt auch für ihr Engagement als Kunstvermittlerin. Neben dem Zeichnen und der Aquarellmalerei widmet sie sich dem Druck und lädt auch in ihrem Workshop zur Beschäftigung damit ein. Inspiriert von Geschichten und Menschen aus Literatur und Kunst oder einfach aus dem Alltag heraus, werden kleine Drucke geschaffen, die einen Satz oder ein Wort abbilden. Es können vorhandene Druckstöcke verwendet, eigene hergestellt, sie überrollt oder übereinander gelagert werden. Ausprobieren ist nicht nur erlaubt, sondern explizit erwünscht, frei nach dem Motto: Druck ohne Druck.
Uwe Henkhaus
Lesung: „Zwischen Garn und anderen Fäden“, am Sonntag, dem 06. September um 11:30 Uhr.
Geschichte(n) aus hessischen Spinnstuben, untermalt mit historischen Volksliedern, live gesungen von einem Gesangsquartett Jeder kennt das Sprichwort »Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen, Spinnen am Abend erquickend und labend«. Der Musikwissenschaftler Uwe Henkhaus, der seit 30 Jahren den Soundhaufen in Maulbach leitet, macht nachvollziehbar, warum das abendliche Spinnen so beliebt war – allerdings nicht bei den Behörden und anderen Sittenwächtern, die Spinnstuben als „Treibhäuser der Unsittlichkeit“ ansahen. Tatsächlich diente die Spinnstube nicht nur dem lebensnotwendigen Broterwerb: Für die dörfliche Gesellschaft war sie Nachrichtenbörse sowie Ort der Unterhaltung und bot nicht zuletzt auch den Raum, Ehen buchstäblich „anzuspinnen“.
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