Die Stadt Marburg bedankt sich bei den Mitarbeitenden des Dienstleistungsbetriebs Marburg (DBM), die in bis zu Elf-Stunden-Schichten immer wieder die Schneemassen bekämpfen.

Dieser Winter hat es in sich: Große Schneemengen in kürzester Zeit stellten bislang Kommunen und Räumdienste vor große Herausforderungen. Ein vergleichbares Wetterereignis gab es zuletzt vor 15 Jahren. Die Schneemengen waren für viele eine große Herausforderung – besonders für jene, die dafür sorgen sollen, dass Rettungswege befahrbar bleiben, Buslinien vorankommen und der Berufsverkehr reibungslos fließen kann. „Doch der heftigste Schneefall fiel ausgerechnet in die Zeit des maximalen Berufsverkehrs“, sagt DBM-Betriebsleiter Holger Armbrüster.

Um den ÖPNV am Laufen zu halten, haben die Strecken der Buslinien beim Winterdienst oberste Priorität – ebenso wie die Zufahrten zu Krankenhäusern und sogenannte Steilstrecken. Erst wenn die Straßen der Priorität 1 freigeräumt sind und befahrbar bleiben, kann mit dem Räumen von Straßen der nächsten Priorität begonnen werden. Wenn es dauerhaft und viel schneit, werden also immer wieder die Prio-1-Strecken neu geräumt. Insgesamt gibt es drei Prioritäten.

„Beim härtesten Wintereinbruch in diesem Jahr sind wir vom frühen Nachmittag an die ganze Nacht durchgefahren, so dass am nächsten Morgen der ÖPNV um 6 Uhr in vollem Umfang starten konnte“, berichtet Bernhard Ivo, Koordinator des Winterdienstes beim DBM. Mehr als eine Woche lang ist der Winterdienst nachts ausgerückt, eine Schicht kann dabei bis zu elf Stunden dauern. Und bei krankheitsbedingten Ausfällen sind manche Kollegen direkt nach der vorgeschriebenen Ruhezeit wieder zur Arbeit gekommen und haben wieder Schnee geräumt und gestreut – eine extrem anstrengende und ermüdende Zeit.

Teilweise waren bei den Einsätzen im Januar und Februar bis zu 80 Beschäftigte gleichzeitig für den Winterdienst im Einsatz. Auf den Straßen sind dann bis zu 14 Beschäftigte in sieben Räum- und Streufahrzeugen unterwegs. Hinzu kommen die Kolleg*innen, die auf dem Servicehof für Nachschub sorgen oder die mit der Hand Schnee auf Geh- und Radwegen räumen. Bislang (Stand vom 18. Februar, 13 Uhr) leisteten die DBM-Mitarbeitenden 8.200 Stunden Winterdienst.

Freie Wege für Rettungswagen 

Dabei ist ein Einsatz beispielsweise dem Mitarbeitenden Yannik von Nieding in besonderer Erinnerung geblieben: „Ein Notarzt mit Rettungswagen kam nicht die Lahnberge hinauf zum UKGM. Wir sind dann mit dem Räumfahrzeug und Feuerwehr-Geleit vorangefahren und haben ihnen den Weg freigemacht.“ Hier wird schnell und übergreifend geholfen – auch wenn für die Straßen zu den Lahnbergen nicht die Stadt Marburg zuständig ist. Überwiegend ist von Nieding selbst ansonsten auf den priorisierten Strecken in Wehrda unterwegs, um zu streuen und Schnee zu schieben.

Sein Kollege Lucas Grau befreit Straßen und Wege vorrangig in der Oberstadt und am Ortenberg von Schnee und Eis. Beide DBM-Mitarbeiter berichten von ähnlichen Herausforderungen und Umständen, die den Räumdienst stark behindern können – etwa enge Straßen, die durch parkende Autos noch schmaler werden. „Der Räumdienst muss dann langsamer fahren, um Schäden zu vermeiden, und verliert dadurch Zeit“, erklärt Winterdienst-Koordinator Ivo. Und wenn falsch oder zu eng geparkt ist? „Dann können wir die Straße nicht räumen“, sagt Grau.

Hindernisse beim Räumen

Auch liegengebliebene Fahrzeuge oder geräumter Schnee versperren den Streu- und Räumungsfahrzeugen mitunter den Weg. Ebenso können Pkws, die dicht an engen Kurven parken, zum Problem werden. Je länger die Räumfahrzeuge sind, desto schwieriger ist es, damit abzubiegen. „Wenn ich dann weder nach links noch nach rechts abbiegen kann, weil alles zugeparkt ist, heißt es, Rückwärtsgang einlegen und einen Umweg fahren“, schildert von Nieding.

Straßen mit starker Steigung rückwärts zu befahren gehört ebenfalls zu den besonderen Schwierigkeiten des Winterdienstes. Das ist aber manchmal nötig, „um mit dem Salzstreuer am Heck des Fahrzeugs den Straßenbelag überhaupt erst einmal ansatzweise befahrbar zu machen“, erläutert Ivo. Manchmal gelingt dies jedoch trotzdem nicht – und nicht alle Straßen können immer den ganzen Weg hinauf vollständig von Schnee und Eis befreit werden. „Wenn man am Blitzweg ins Rutschen kommt, dann kann einem schon anders werden“, erklärt auch Grau.

Für die Beschäftigten des DBM bedeutet ein Einsatz im Winterdienst besondere Anforderungen. DBM-Betriebsleiter Armbrüster nennt Beispiele: „Die Alarmierung ist meistens nachts oder früh morgens. Dann müssen die Beschäftigten bei winterlichen Straßenverhältnissen das Betriebsgelände erreichen – geräumt ist dann ja meistens noch nicht. Es folgen Stunden auf winterlichen Straßen mit einem unhandlichen Gefährt, das deutlich breiter ist als Müllfahrzeuge.“ So hat beispielsweise das Schnee- beziehungsweise Räumschild eines der größeren Streufahrzeuge eine Breite von drei Metern.

Risiko fährt mit

Daher fährt gelegentlich auch mal große Anspannung mit – vor allem innerorts im dichten Verkehr, auf schmalen Straßen, im Dunklen oder bei wenig Licht. Denn im Winterdienst besteht für die Fahrenden ein großes Risiko, selbst einen Unfall zu haben oder etwas zu beschädigen.

Besonders die letzten beiden Wintereinbrüche hatten es in sich, berichten Mitarbeitende.

Zum Beispiel waren selbst mehrspurige Strecken für Räumfahrzeuge blockiert, weil etwa Überholmanöver privater Fahrzeuge missglückt waren. Geräumte Strecken waren in kürzester Zeit wieder verschneit. Das Salz-Gemisch konnte erst später zum Einsatz kommen, da sich sonst eine Eisschicht unter der Schneedecke gebildet hätte, die die Situation weiter verschärft hätte.

Hinzu kommen immer wieder Anrufe mit Beschwerden, dass eine Straße noch nicht geräumt sei. Oder auch mal Schläge von Privatpersonen mit der Schneeschaufel gegen das Winterdienstfahrzeug, weil dieses die Schneemassen zwischen Straße und Gehweg auftürmen muss. „Irgendwo müssen die Schneemassen hingeschoben werden“, erklärt Grau. Und er weist darauf hin: „Eigentümer müssen die Gehwege vor dem eigenen Haus freiräumen – aber sie dürfen den Schnee nicht auf die Fahrbahn schippen.“

Gasse für den Winterdienst freihalten 

Damit die DBM-Mitarbeitenden ihre Arbeit weiterhin schnellstmöglich und ungehindert erledigen können, bitten sie: „Wenn möglich, parken Sie bei einsetzendem Schneefall Ihren Pkw auf dem eigenen Grundstück, warten bis der Winterdienst durch ist und halten eine Gasse für den Winterdienst frei.“

Und sie wünschen sich vor allem Verständnis: „Wir können nicht mehr wie arbeiten“, so Lucas Grau. Wenn es zu stark schneie oder wenn steile Straßen so glatt sind, dass die Fahrzeuge gefährlich ins Rutschen kommen, dann komme der Winterdienst an Grenzen. „Aber wir geben unser Bestes!“ – und das bedeutet im Winter auch, die eigene Familie weniger zu sehen und in wenigen Tagen sehr viele Überstunden anzuhäufen.

„Dieser Einsatz verdient Respekt und Wertschätzung“, betont die DBM-Betriebskommissions-Vorsitzende, Stadträtin Kirsten Dinnebier. Kritik könnten die Bürger*innen selbstverständlich immer an den DBM richten, wenn etwas mal nicht so funktioniert. „Aber dabei sollten trotzdem immer alle im Blick haben: Unsere Beschäftigten sind Menschen, die ihr Bestes geben. Und manchmal ist eben einfach richtig Winter – dagegen kommen auch unsere Alltagshelden nicht an.“

Personaldezernent Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies betont: „Bei allem Verständnis für Ärger – etwa wenn der Winter plötzlich einbricht und man nicht zu einem wichtigen Termin kommt – Angriffe und Beschimpfungen gegen unsere Beschäftigten gehen gar nicht. Denn diese sorgen alle täglich mit dafür, dass unsere Stadt funktioniert.“

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Bild mit freundlicher Genehmigung von DBM