Landkreis und Kommunen stellen gemeinsames Löschwasserkonzept vor
Es war der bislang größte Waldbrand im Landkreis Marburg-Biedenkopf: Nach lang anhaltender Trockenheit und Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius geriet ein Weizenfeld in der Nähe des Cölber Ortsteils Schönstadt in Brand. Die Flammen fraßen sich innerhalb kürzester Zeit in den angrenzenden Wald hinein, dessen Nadelbäume wie Fackeln brannten. Rund 900 Einsatzkräfte kämpften gegen die Flammen. Bei den Löscharbeiten wurden neun Feuerwehrleute verletzt. Mehr als 25 Hektar Wald wurden zerstört.
Allerdings machte fehlendes Löschwasser den Einsatzkräften damals das Leben schwer, berichtet Landrat Jens Womelsdorf bei der Vorstellung des neuen Löschwasserkonzepts. Insgesamt stehen jetzt für die mobile Löschwasserversorgung insbesondere bei Waldbränden im Landkreis Marburg-Biedenkopf acht Wechsellader-Fahrzeuge mit sogenannten Abrollbehältern für jeweils 10.000 Liter Löschwasser zur Verfügung. Fünf dieser Fahrzeuge und sechs Behälter hat der Kreis neu beschafft. Zwei bereits vorhandene Fahrzeuge mit Behältern steuern die Feuerwehren aus Marburg und Stadtallendorf bei. Für ein bereits vorhandenes Fahrzeug in Biedenkopf wurde noch ein Löschwasserbehälter beschafft. Das Konzept sieht vor, eine Versorgung mit Löschwasser in einer Größenordnung von 1.000 Litern pro Minute an einer Einsatzstelle zu gewährleisten, und das spätestens 60 Minuten nach der Alarmierung.
Kern sind die acht „Wechselladerfahrzeuge“, die flexibel mit verschiedenen Aufbauten für unterschiedliche Aufgaben ausgerüstet werden können. Die entsprechenden Abrollbehälter werden mit einem Hakensystem auf das Fahrzeug gezogen. Dieses Prinzip macht die Fahrzeuge also auch für die Feuerwehren, bei denen sie stationiert sind, zu einem flexibel einsetzbaren Einsatzmittel mit Mehrwert.
„Diese Projekt aus unterschiedlichen Gründen bemerkenswert: Wir haben den Zeitrahmen unterboten, den Kostenrahmen eingehalten und ein echtes Leuchtturmprojekt Interkommunaler Zusammenarbeit umgesetzt“, freute sich Landrat Jens Womelsdorf. Mit dabei waren nämlich alle Kommunen des Kreises: „Ein gelungenes Beispiel für eine Erfolgsgeschichte innerhalb der kommunalen Familie“, unterstrich Womelsdorf. Der Cölber Bürgermeister Jens Ried fügte hinzu: „Der gemeinsame Einsatz beim Waldbrand bei Schönstadt im Sommer 2022 hat allen vor Augen geführt, wie wertvoll und wichtig die Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden beim Brandschutz ist. Die größte Schwierigkeit damals: Schnell ausreichende Mengen Wasser vor Ort zu bekommen. Nicht immer können, so wie damals, Landwirte zur Unterstützung bereitstehen.“ Mit der mobilen Löschwasserversorgung gingen Kommunen und Landkreis beispielhaft voran.
Der ehrenamtliche Kreisbrandmeister Daniel Thome als Projektleiter erläuterte: Diese acht Fahrzeuge mit den acht Behältern sind jetzt strategisch so im Kreisgebiet stationiert, dass die geplante Versorgung mit Löschwasser gewährleistet werden kann. Um die geforderten 1.000 Liter pro Minute über die Gesamtdauer des Einsatzes sicherstellen zu können, werden immer mehrere Fahrzeuge alarmiert. Sie kommen an den für die Einsatzstelle festgelegten Wasserübergabepunkt, füllen das Wasser in mobile, aufklappbare Behälter und fahren danach zu einem vorher definierten Wasserentnahmepunkt, wo sie wieder befüllt werden. Dann fahren sie immer wieder zurück zur Einsatzstelle, um das Löschwasser dort wiederum in die mobilen Behälter zu füllen. „Dieses Prinzip nennt die Feuerwehr Pendelverkehr“, so Thome. Von den mobilen Behältern an der Einsatzstelle wird das Wasser dann von Pumpen über Schläuche zum Löschen an die Brandstelle gefördert.
Standorte für Fahrzeuge und Behälter sind Biedenkopf, Marburg, Stadtallendorf, Fronhausen, Gladenbach, Rauschenberg, Steffenberg und Wetter. Da die Feuerwehren in Marburg und Stadtallendorf bereits entsprechende Fahrzeuge und Abrollbehälter in eigener Regie beschafft haben und in Biedenkopf zumindest bereits ein Wechselladerfahrzeug vorhanden ist, hat Kreis jetzt fünf Fahrzeuge und sechs Abrollbehältern für Löschwasser beschafft.

„Erstmals in der Geschichte des Landkreises wurde ein Projekt der Interkommunalen Zusammenarbeit im Bereich der Gefahrenabwehr gemeinsam von Kreis sowie allen kreisangehörigen Städten und Gemeinden umsetzt – ein echter Meilenstein“, unterstrich auch Kreisbrandinspektor Lars Schäfer. Ohne das überdurchschnittliche Engagement der Ehrenamtlichen hätte man den Kostenrahmen kaum einhalten können. Für Planung, Umsetzung und Beschaffung war der Fachbereich Gefahrenabwehr des Kreises zuständig. Verantwortlich zeichnen Kreisbrandinspektor Lars Schäfer und der ehrenamtliche Kreisbrandmeister Daniel Thome. Sie haben gemeinsam mit ehrenamtlichen Feuerwehr-Führungskräften eine Arbeitsgruppe gebildet und das Konzept bis ins Detail ausgefeilt.
Die Kosten bezifferte der Kreis auf rund 2,72 Millionen Euro. Die Hälfte davon trägt der Kreis, die andere Hälfte übernehmen die Städte und Gemeinden. Deren Kostenanteil bemisst sich an der Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner – also eine solidarische Aufteilung der entstehenden Kosten innerhalb der kommunalen Familie. Positiver Nebeneffekt: Fahrzeuge und Behälter könnten im Notfall auch zur Versorgung mit Trinkwasser genutzt werden.
red

