Das Herz öffnen – das war das Motto des Chor- und Orgelkonzerts „Heart Wide Open“ vergangenen Sonntag, bei dem der im Rahmen des Sommersingens 2025 entstandene Projektchor unter der Leitung von Mareike Hilbrig Musik von Komponistinnen vorstellte.
Mit vorgestellt wurde das 2024 erschienene SATB-Chorbuch „Choral Music Composed by Women“, aus dem alle präsentierten Chorstücke stammten. Von inzwischen schon bekannteren Komponistinnen wie Fanny Hensel und Josephine Lang bis zu hierzulande unbekannteren wie Élisabeth Jacquet de La Guerre durfte das Publikum in der Lutherischen Pfarrkirche zehn multilinguale Chor- und fünf Orgelstücke entdecken.
Mit einem festlich-dramatischen Einstieg („Bell Toccata“, Isabelle Ryder) zog Ka Young Lee, Organistin der Lutherischen Pfarrkirche sowie der Kurhessischen Kantorei Marburg, das Publikum sofort in den Bann. Träumerisch und leicht („Ur Drömliv“, Elrida Andrée) begrüßte der Chor seine Zuhörer*innen, bevor durch die kundigen Moderationen von Mary Ellen Kitchens, Mitherausgeberin des Chorbuchs und Vorstandsmitglied beim Archiv Frau und Musik, ein tieferer Einblick in die Biografien der Komponistinnen und die Hintergründe der Stücke ermöglicht wurde und auch aktuelle politische Themen anklangen. Das Stück „Take What You Need“ (Reena Esmail) wurde ursprünglich von einer Gruppe wohnungsloser Personen gesungen. Simpel, aber genau deswegen wirkungsvoll, transportiert das Stück eine universelle Botschaft der Hoffnung.
Das Herzstück des Konzerts, „Heart Wide Open“ wurde als besonderes Schmankerl von der Komponistin Lea Morris selbst angeleitet, die das Publikum zu einem freudvollen Sing-Along einlud. Als das zweite, heimliche Herzstück entpuppte sich jedoch das Stück „Harbour“ (Anna Tabbush), das nicht nur durch die Platzierung des Chors um das Publikum herum eine besonders magische Stimmung entfaltete, sondern das auch gerade in Zeiten von verschärften Asylgesetzen an Mitmenschlichkeit appelliert – „Denn unsere Tür steht immer offen, und unser Herd ist stets warm. Wenn du einen Zufluchtsort brauchst: Wir sind ein Hafen im Sturm.“


Marburgs reiche Chorlandschaft zeigte sich hier einmal wieder von seiner besten Seite, mit engagierten und talentierten Sänger*innen und Musiker*innen, die diesen kurzen Einblick in die noch weitgehend unterrepräsentierten Werke von Komponistinnen ermöglichten. Ein Einblick, der den Wunsch nach weiteren Konzerten weckt sowie die Neugier, was wohl noch an unerschlossenen Schätzen im Archiv Frau und Musik lagert. Ebenso regt sich die Wehmut nach all den Stücken von Frauen, die vergessen wurden und verschollen sind.
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