Artenschutzprojekt für den Wildstamm stärkt Bestände an Lahn und Ohm.

Im Roten Wasser des Burgwaldes nördlich von Marburg wurde sie von Wissenschaftlern der Uni Koblenz entdeckt: eine isolierte, genetisch unverfälschte Bachforellen-Population. Solche Wildstämme sind sehr selten, weil die Gewässer seit Jahrzehnten mit Zuchtforellen aus überregionalen Handelsnetzen besetzt werden. Doch im Roten Wasser – einem Zufluss der Ohm – sind die Fische durch Wanderhindernisse isoliert, berichtet Christian Weber von der Oberen Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Gießen: „Zudem ist davon auszugehen, dass über Jahrzehnte keine anderen Forellen eingesetzt worden sind.“ Burgwaldforelle heißt die Entdeckung.

Angesichts von Klimawandel und schwindendem Artenreichtum wird der Wildstamm noch wichtiger. Denn die standorttreuen Wildbachforellen sind über Generationen perfekt an die Bedingungen ihres Heimatgewässers angepasst. Sie sind widerstandsfähiger und können sich besser an die sich verändernden Lebensbedingungen und den Klimawandel anpassen. Dagegen mangelt es den Zuchtfischen oft an lebensnotwendigen Instinkten und genetischer Widerstandsfähigkeit. „Zuchtbachforellen sind weniger gut an die natürlichen Umweltbedingungen angepasst“, berichtet Weber. Deshalb gehen die Bestände zurück, obwohl neue Tiere eingesetzt werden. 

Die Bachforelle steht seit 2023 auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Um die genetisch einzigartige Burgwaldforelle zu sichern, startete die Fischereibehörde ein Artenschutzprojekt. Ziel ist es, die wertvolle genetische Linie kontrolliert in geeigneten Bächen des oberen Lahn- und Ohmsystems anzusiedeln. Dazu wurde aus der Wildpopulation ein Stamm in einer Fischzuchtanlage in Laubach-Wetterfeld aufgebaut – wissenschaftlich begleitet von einem Büro für fisch- und gewässerökologische Studien in Marburg. 

Allerdings war es schwierig, geeignete Projektgewässer für die Burgwaldforellen-Setzlinge zu finden. Umfangreiche Voruntersuchungen zeigten, dass selbst Bäche, die als forellentypisch gelten, immer schlechtere Lebensbedingungen bieten. Ausgewählt wurden schließlich Wohra (bei Gemünden und Haina), Rosphe, Treisbach, Dautphe, Josbach, Ohe, Elnhäuser Wasser und Wollmar. In diese – fast alle im Kreis Marburg-Biedenkopf gelegenen – Bäche und Flüsschen werden seit 2024 Nachkommen des Forellenstamms aus dem Roten Wasser eingesetzt. 

Die Ergebnisse fallen sehr positiv aus, berichtet Christian Weber: „Die eingesetzten Burgwaldforellen überleben in allen Gewässern erfolgreich. Zudem sind die eingesetzten Fische selbst nach einigen Monaten noch größer, wiegen mehr und haben eine bessere Kondition als gleichaltrige ortsständige Bachforellen.“ Damit soll auch die negative Entwicklung umgekehrt werden, die mit den Zuchtforellen aus überregionalen Handelsnetzen kam. „Wir drehen sozusagen das Rad ein Stück weit zurück“, so Weber. Dennoch soll das Projekt zunächst nur bis 2027 fortgesetzt werden: „Wir möchten ganz weg davon, regelmäßig Fische in Gewässer einzusetzen“, erklärt der Fachmann. Dann soll überprüft werden, ob sich die Burgwaldforellen auch natürlich fortpflanzen. Ohnehin darf die Burgwaldforelle nicht weiträumig verbreitet werden, sondern nur in geeigneten Gewässern des oberen Lahn- und Ohmsystem. Deswegen ist das Projekt bewusst regional begrenzt, hat aber Modellcharakter für weitere Regionen in Hessen. 

Die Experten der Fischereibehörde betonen aber auch, dass die Verbesserung des Lebensraums eine Schlüsselrolle spielt. Die Bemühungen seien nur dann nachhaltig, wenn der ökologische Zustand der Bäche stimme. Weber: „Nur, wenn der Lebensraum passt, können die Forellen langfristig überleben und sich eigenständig vermehren.“

gec

Bild mit freundlicher Genehmigung von Roman Fricke