Mit Unverständnis und Unmut hat die Fachschaften-Konferenz auf die Einrichtung der Marburg-WG reagiert.
In der „Marburg-WG“ wohnen vier Studierende mietfrei in einem Häuschen in der Oberstadt, müssen sich dafür aber intensiv als Influencer für ihre Hochschule engagieren. Mit dieser Marketing-Strategie werde die Not der Studierenden instrumentalisiert, kritisieren die Fachschaftsvertreter.
Für fraglich halten sie die Vermischung von Wohn- und Arbeitsverhältnis: „Das Zuhause sollte nicht von der Nebentätigkeit der Studierenden abhängig sein“, schreiben sie in ihrem Positionspapier. Fragwürdig finden sie auch die Arbeitsumstände, unter denen die Influencer arbeiten. Angesichts der gewünschten Zahl von mehreren Posts pro Woche übersteige die hierfür zu leistende Arbeit die Entlohnung vermutlich weit. Auf Rückfrage sei ihnen mitgeteilt worden, dass die Postings auch in Klausurphasen und persönlichen Urlauben erwartet werden: „Dass kein Anspruch auf mehrere Wochen Urlaub im Jahr gewährt wird, halten wir für grundlegend falsch“, so die Fachschaftsvertreter. Sie empfehlen, den Content von angestellten Influencern in eigenen WGs produzieren zu lassen.
Die Studierendenvertreter kritisieren, dass die Räume für das Marketingprojekt „Marburg-WG“ saniert wurden, während es zugleich an Lernräumen mangelt und die Uni-Bibliothek regelmäßig überfüllt sei. Enttäuscht seien sie auch von der Kommunikation mit der Hochschule. Das Pilotprojekt – es handelt sich um das erste seiner Art in Deutschland – sei zunächst vom Präsidium geheim gehalten und erst mit der Werbekampagne veröffentlicht worden.
Die Studierendenvertreter betonen aber auch, dass ihre Kritik nicht an die Bewohnerinnen und Bewohner der Marburg-WG gerichtet sei. Diese wollten sie „selbstverständlich in jeder Hinsicht unterstützen“.
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