Donnerstag, 23. Februar 2012
Thema der Woche | 23. Februar 2012

Mehr Geld für W-Professoren

Erfolg für Chemieprofessor vor dem Bundesverfassungsgericht 

Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts hat der Marburger Chemieprofessor Bernhard Roling dann doch mit Sekt gefeiert. Schließlich kämpft der Hochschullehrer seit mehr als fünf Jahren um mehr Geld. In Zukunft kann er auf ein höheres Grundgehalt und ein einklagbares Recht auf Zahlung von Leistungszulagen setzen. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist die Professorenbesoldung in Deutschland teilweise verfassungswidrig. Das Grundgehalt in Hessen genüge nicht, um dem klagenden Professor einen angemessenen Lebensunterhalt zu ermöglichen, urteilten die Karlsruher Richter. Das Land Hessen hat jetzt bis Ende des Jahres Zeit, die Bezahlung neu zu regeln. Die Entscheidung dürfte aber auch bundesweit Konsequenzen haben, weil die Bezahlung von Hochschullehrern 2005 für ganz Deutschland reformiert wurde.

Bernhard Roling äußerte sich zufrieden über das Urteil. "Es geht mir aber nicht darum, dass Professoren insgesamt mehr verdienen", sagte er: "Die Professorengehälter insgesamt sind angemessen." Höchst ärgerlich findet er jedoch die Willkür, die mit der neuen W-Besoldung Einzug gehalten habe (das W steht für Wissenschaft). Dies treffe vor allem Erstberufene in einer schlechten Verhandlungsposition.

Als Bernhard Roling im Jahr 2005 von der Universität Münster an die Marburger Philipps-Universität wechselte, war er in so einer Situation: Er galt zwar als starker Kandidat für den Lehrstuhl für physikalische Chemie und konnte eine lange Liste von Veröffentlichungen und spannende Forschungsarbeiten vorweisen. Die Universität wusste aber, dass er die Professur unbedingt haben wollte. Schließlich saß der Familienvater auf einer befristeten Assistentenstelle. "Einen solchen Ruf kann man in so einer Situation eigentlich nicht ablehnen", sagt der 1965 geborene Chemiker.

Und ausgerechnet seit 2005 galt die W-Besoldung. Deshalb begann seine Karriere als Professor mit dem Gehalt, das dem eines Oberstudienrats entspricht. Er erhielt in den ersten Jahren ein Einstiegsgehalt von knapp 4000 Euro brutto und eine Zulage von 23,72 Euro. Seitdem ist nicht nur das Grundgehalt der W-Professoren in Hessen auf 4240 Euro gestiegen. Roling hat inzwischen auch deutlich höhere Zulagen herausgehandelt. Ob ein Professor mehr Geld bekommt, hänge jedoch "häufig von Zufällen" ab, beklagt der Chemiker. Mit der wissenschaftlichen Leistung habe dies oft nichts zu tun. Zurzeit erhielten W-Professoren in Baden-Württemberg oft mehr als 1000 Euro mehr als ihre Kollegen in Berlin. "Im Prinzip kann ein Präsidium entscheiden, aus Geldmangel keine Zulagen mehr zu zahlen. Das ist einfach nicht hinzunehmen", sagt Roling. Vor allem die Situation von erstmals berufenen Professoren werde zum Teil "schamlos ausgenutzt".

Zurück zur alten Besoldung der Hochschullehrer, deren Gehälter nach dem Dienstalter stieg, will der Chemieprofessor aber nicht. Es müsse jedoch verlässliche und einklagbare Regeln für Grundgehälter und Zulagen geben.

Gesa Coordes

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