Montag, 29. August 2016
Thema der Woche | 25. August 2016

Marburg im Asteroidengürtel

Älteste historische Sternwarte Hessens wird 175 Jahre alt – Foto: Coordes

Marburg gibt es dreimal, sagt Astronomieprofessor Andreas Schrimpf: Marburg an der Lahn, Marburg an der Drau (Slowenien) und Marburg im Asteroidengürtel. "Alle drei sind ungefähr gleich groß", sagt der Physiker. Allerdings ist Asteroid Marburg 270 Millionen Kilometer entfernt und selbst Schrimpf hat ihn erst einmal gesehen – als beweglichen Punkt, den man erst nach einer wochenlangen Auswertung von Teleskopaufnahmen im PC finden konnte. Nächste Chance für die Sichtung ist im Januar 2017.

Aber der winzige Planet zwischen Mars und Jupiter ist ohnehin erst seit 2011 bekannt. Damals wurde er von seinem Entdecker, einem Darmstädter Astronomen, so benannt, weil in Marburg die ersten Asteroiden-Messungen Hessens gemacht wurden. Zu verdanken sind sie dem Astrophysiker Christian Ludwig Gerling, der den alten Turm auf der Stadtmauer unterhalb des Land­grafen­schlosses vor 175 Jahren zu einer Sternwarte umbaute.

In Marburg sitzt nämlich auch die älteste historische Sternwarte Hessens. Zum Tag des Offenen Denkmals am 11. September wird sie ausnahmsweise ihre Luke öffnen. Dann können auch Besucher die ungewöhnliche Aussicht auf der Galerie rund um das achteckige Häuschen bewundern.

Betreuer der ungewöhnlichen Sternwarte am Renthof ist Andreas Schrimpf, der 2008 eine "astronomischen Schatz" entdeckte: Auf einem einst unbewaldeten Hügel hinter dem Einkaufszentrum von Marburg-Wehrda fand er einen historischen Meridianstein – bundesweit gibt es nur drei, die nicht verschollen oder zerstört sind. Einst wurde der Stein von Gerling dazu benutzt, das Teleskop auf der 3771 Meter entfernten Sternwarte exakt nach Norden auszurichten. Nur so konnte er die Sterne vermessen und die lokale Ortszeit genau bestimmen.

Mit seiner Entdeckung widerlegte Schrimpf die Legende, nach der ein meter­hoher Sandsteinblock bei Cölbe der Meridianstein sein sollte. Weil dieser aber gar nicht exakt in Nordrichtung lag, befragte Schrimpf alte Quellen und rechnete genau nach. Und tatsächlich entdeckte er zwischen Kupferschmiede und Einkaufszentrum drei große Brocken. Aber erst, nachdem das Technische Hilfswerk die tonnenschweren Steine gedreht hatte, war er sich sicher: Der Meridianstein war fast vollständig erhalten – sogar die Skala war noch lesbar. Und seit Orkan Kyrill gibt es eine Schneise in dem Wäldchen, so dass Forscher von der Sternwarte aus wieder einen freien Blick zum inzwischen restaurierten Meridianstein haben. Das gibt es an keiner anderen Sternwarte in Deutschland.

Allerdings darf das Türmchen – ebenso wie das darunter liegende Planetarium – seit 2007 aus Brandschutzgründen nur noch selten betreten werden. Wenn Schrimpf mit seinen Studierenden den Himmel beobachtet, geht er auf den großen Balkon des Uni-Instituts für Physik und zur Kirchhainer Volkssternwarte. Ohnehin findet die stundenlange Beobachtung der Sterne heutzutage vor allem am Computer statt. Wenn die Instrumente für die Messreihen eingestellt sind, darf eigentlich niemand mehr daran rühren, sagt Schrimpf. Als Hessens einziger Professor für Astronomie beschäftigt er sich vor allem mit den zeitlichen Veränderungen am Sternenhimmel.

Bei Campus Marburg können die Besucher allerdings wie früher durch die Teleskope schauen. Sie können den Meridianstein sogar mit bloßem Auge erkennen. Er wird nämlich eigens für diesen Tag angestrahlt.

Info
Die Sternwarte ist während des Tages des Offenen Denkmals am 11. September in der Zeit von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Da nur je zehn Menschen auf die Sternwarte steigen können, wird eine Anmeldung empfohlen (Tel. 06421-2821315, andreas.schrimpf[at]physik.uni-marburg.de). Besichtigungen der Physikalischen Sammlung mit mechanischen Geräten der Physik und Astrononmie des 17. Jahrhunderts sind auf Anfrage jederzeit möglich. Den Meridianstein kann man mit Hilfe eines Faltblattes finden, das im Tourismusbüro erhältlich ist (Tel. 06421-99120).

Gesa Coordes

Tipp des Tages

© NFP
Toni Erdmann

Winfried ist ein 65-jähriger, einfühlsamer Musiklehrer, seine Tochter Ines hingegen klettert auf einer steilen Karriereleiter. Als die Beiden unter seltsamen Umständen zusammentreffen, kracht es zunächst einmal gehörig.. Film von Maren Ade.
Mo 29.8. | 21.15 Uhr | Marburg | Kammer
20 Uhr | Gießen | Kino-Center
 
Tipp der Woche

Arnulf Rating

Wenn Arnulf Rating sich seinen Stapel Zeitungen packt, geht die Karussellfahrt auf dem Medienrummel los. Nachrichten können ja im Hirn schneller verlöschen als die Pixel auf dem Schirm. Und wir merken: Dreimal täglich googeln reicht nicht. Die Suchmaschine liefert alles – nur keine Haltung. Denken müssen wir immer noch selber. Und es macht Spaß.
Fr 2.9. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Live – Kommende Highlights

Foto: Garbe
Olaf Schubert

Der Titel offenbart es – Olaf Schubert möchte neue Wege gehen. Zwar bleibt er der mahnende, intellektuelle Stachel im Fleische der Bourgeoisie, der uns die Antworten auf die brennenden Fragen der heutigen Zeit liefert – zugleich möchte er nun aber auch seine sinnliche Seite präsentieren. Und endlich auch den amerikanischen Markt erobern – zumindest aber den rumänischen.
Di 6.9. | 20 Uhr | Gießen | Kongresshalle
Freikartenverlosung: Fr 2.9. | 16 Uhr | Tel. 06421/684443
 

Lars Reichow

Lars Reichow kommt mit seinem Programm "Freiheit!" nach Marburg: Für viele bedeutet Freiheit einfach nur durchzuschlafen, ohne aufs Klo zu gehen. Reicht Ihnen das? Reichows Freiheit funktioniert anders. Er hat ein Programm geschrieben für freie Menschen mit freiem Geist. Auf der Suche nach den letzten großen Ver­gnügungen, Freiheit in Freizeit – grenzenloses Vergnügen im ka­ba­rett­istischen Paradies. Wo die Pointen noch höher hängen als die Menschentrauben.
Sa 10.9. | 20 Uhr | Marburg | Erwin-Piscator-Haus
Freikartenverlosung: Fr 2.9. | 16 Uhr | Tel. 06421/684443
 

Lydie Auvray

Lydie Auvray, "Grande Dame des Akkordeons, die das Instrument mit ihrer Kunst in Deutsch­land geadelt hat, zeigt in ihrem Solo­programm im Rahmen des Marburger Akkordeon­festivals, was sie auszeichnet: Ausdruck und Gefühl, Leichtigkeit und musikalische Tiefe, handwerkliche Virtuosität (aber nie als Selbstzweck) und stilistische Vielfalt. Ihre musikalischen Quellen, Musette (ihre Wurzel), Tango, Chanson, Weltmusik wie auch Elemente des Jazz und der Klassik. Ihre Farb- und Lautstärkepalette ist genauso erstaunlich wie ihre klangliche Flexibilität. All dies wird beim Solo­pro­gramm besonders gut hörbar.
Sa 10.9. | 18 Uhr | Marburg | Elisabethkirche
 

Hannah Epperson

Mit Violine, Loop Pedal und Gesang im Gepäck erschafft Hannah Epperson eine wunder­schöne musikalische Land­schaft, ganz ohne Überladung. Als Solo-Künstlerin steht sie dabei nicht nur allein auf der Bühne, sondern widmet sich ohne Rücksicht auf Genres zahlreichen Kollaborationen wie etwa mit dem Poeten Shane Koyczan, Julianna Barwick, Porcelain Raft oder der aufstrebenden kanadischen Band We Are The City.
Fr 30.9. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 

Gregor Meyle

Seine treue Fan­ge­mein­de hat er sich in den letzten Jahren mit hunderten von Live-Auftritten erarbeitet: Nach zahlreichen ausverkauften Open Airs und der Veröffentlichung des zugehörigen Live-Albums in 2015 geht Gregor Meyle auch 2016 wieder auf große musikalische Sommerreise. Mit neuer Musik und seinen Klassikern wie "Keine ist wie Du" oder "Niemand" im Gepäck werden Gregor und seine siebenköpfige Band erneut Intimität auf die Open Air-Bühne zaubern und ein Feuerwerk zünden, das sich zwischen starken Gefühlen und Rock'n'Roll Vibe bewegt.
So 4.9. | 19 Uhr | Schiffenberg | Kloster | Freilichtbühne
 
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