Richtfest für ein neues Hochsicherheitslabor.
Auf den Marburger Lahnbergen wird derzeit ein neues Hochsicherheitslabor der höchsten Sicherheitsklasse für die Virenforschung gebaut. Damit will sich das Land für neue Pandemien wappnen. Die Wissenschaftler arbeiten in Marburg an den gefährlichsten Viren der Welt: Sars-, Ebola- und Marburg-Viren werden in der Universitätsstadt schon seit Jahrzehnten untersucht. Auch Coronaviren sind ein großes Thema.
Marburg stärkt seine Rolle in der internationalen Virusforschung
Das neue Hochsicherheitslabor, dessen Richtfest jetzt gefeiert wurde, soll bis 2027 neben dem bisherigen BSL-4-Labor entstehen, dessen Kapazitäten erschöpft sind. Die von Bund und Land getragenen Gesamtkosten werden auf 50 Millionen Euro geschätzt. „Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie schnell sich in einer globalisierten Welt hochgefährliche Krankheitserreger ausbreiten können“, erklärte der hessische Finanzminister Alexander Lorz während des Richtfestes. Mit den neuen Laborflächen erhalten die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Virologie auch künftig optimale Bedingungen auf internationalem Spitzenniveau, betonte Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels. „Marburg ist ein zentraler Standort für Forschung an hochpathogenen Viren“, sagte Universitätspräsident Thomas Nauss: „Als einzige Universität in Deutschland mit einem Hochsicherheitslabor erforschen wir hier die gefährlichsten Viren, um Menschenleben zu retten.“
In Marburg wird schon seit 1967 an seltenen Viren geforscht. Auslöser war der Ausbruch des von Affen übertragenen und für Menschen tödlichen Marburg-Virus in den damaligen Behringwerken. Dies führte dazu, dass 1985 das erste Hochsicherheitslabor in Marburg eingerichtete wurde, das 2007 von dem Labor der höchsten Sicherheitsstufe 4 auf den Lahnbergen abgelöst wurde. Doch auch dieses Labor stieß angesichts von Virusausbrüchen und einer drastisch gestiegenen Anzahl an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten an seine räumlichen Grenzen. Zudem erfordern neue Technologien zusätzlichen Raum. Deswegen sprach sich der Wissenschaftsrat für den Bau des „Marburg Centre for Epidemic Preparedness“ aus, wie das Hochsicherheitslabor offiziell heißt.
Modernste Sicherheits- und Technikstandards für das neue BSL-4-Labor

So soll das zukünftige Hochsicherheitslabor aussehen. Direkt dahinter steht das bestehende Labor der höchsten Sicherheitsklasse
Das neue Hochsicherheitslabor wird doppelt so viel Fläche wie das bisherige haben. Um die Anforderungen der höchsten Sicherheitsstufe BSL-4 zu erfüllen, wird es innerhalb des Gebäudes einen vollständig abgeschlossenen, hochsicheren Laborbereich geben, der physisch und technisch vom Rest getrennt ist. Er steht permanent unter Unterdruck, sodass im Falle einer Undichtigkeit verhindert wird, dass kontaminierte Luft nach außen entweicht. Wer mit den hochansteckenden Viren im Labor arbeitet, durchläuft mehrere Schleusen und trägt einen Vollschutzanzug mit externer Luftversorgung.
Das Dach sowie die Ost- und die Süd-Fassade des Gebäudes werden mit Photovoltaik-Modulen ausgestattet, die ein Viertel des zukünftigen Strombedarfs decken sollen. Das bestehende BSL-4-Labor soll nach der Fertigstellung des Neubaus generalüberholt und weiter für die Forschung genutzt werden.
gec

