Marburger Ordnungspolizei baute Zeltlager an der Lahn wegen befürchtetem Hochwasser ab.

Die Marburger Ordnungspolizei hat noch vor einem befürchteten Hochwasser ein Zeltlager von Obdachlosen an der Lahn abgebaut. Die bisherigen Bewohner*innen sind allerdings schon vor Weihnachten in andere Unterkünfte umgezogen. Sie kamen im städtischen Übernachtungsheim, in Wohncontainern der Diakonie, in einem Obdachlosenheim für Frauen und Familien oder in anderen Unterkünften unter.

Anlass für die Räumung des unweit der Gisselberger Straße im Gebüsch versteckten Camps war die Wetterlage: „Wenn der Schnee schmilzt, kommt das Hochwasser“, erläuterte Stadt-Sprecherin Patricia Grähling. Und dann hätten Zelte, Stangen und andere Hinterlassenschaften mit der Lahn mitgerissen werden können. Jetzt wurden sie von Mitarbeitenden des städtischen Dienstleistungsbetriebs abtransportiert.

Bereits seit Jahren wird immer wieder über die Obdachlosen-Zelte an der Lahn diskutiert, die vor allem in der Nähe der Gisselberger Straße auftauchen, wo auch die Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungslose sitzt. Es gab aber auch schon Zelte unweit des Krekels oder an den Afföller Wiesen. Sichtbar werden sie vor allem im Winter, wenn sie nicht mehr von den Blättern der Bäume verborgen werden.

Im vergangenen Sommer wurden Zelte zerschnitten, in Brand gesteckt und mit Böllern beworfen. Auch die Container der Diakonie wurden demoliert und mit Steinen beworfen. „Abscheulich“ kommentierte Oberbürgermeister Thomas Spies. „Niemand hat das Recht, Menschen anzugreifen, einzuschüchtern und in Angst und Schrecken zu versetzen“, sagte Stadträtin Kirsten Dinnebier. Tatsächlich steigt die Gewalt gegen Obdachlose bundesweit. Bei etwa der Hälfte der Fälle handelt es sich um Konflikte unter den Wohnungslosen. Es gebe aber auch sehr viele „Übergriffe aus dem Nichts“, berichten Mitarbeitende der Tagesaufenthaltsstätte.

Für die Zukunft plant die Stadt Marburg mit dem Vinzi-Dorf einen geschützten Wohnort für Obdachlose auf dem Gelände des Vitos-Parks. Dabei handelt es sich um winzige Häuser, in denen obdachlose ältere Männer eine pädagogisch unterstützte Bleibe finden. Die Idee stammt aus Wien und Graz, wo das Konzept mit der „Vinzenzgemeinschaft“ verwirklicht wurde. Mit dem Bau des Vinzi-Dorfs soll Ende des Jahres begonnen werden.

gec

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