Der NABU hat die Uhu-Live-Kamera an der Elisabethkirche freigeschaltet.

Der Naturschutzbund NABU hat den Livestream für die Uhus aus dem Südturm der Marburger Elisabethkirche freigeschaltet. Klickt man auf diesen Link, schaut man direkt in den Nistkasten. Das Uhu-Männchen wurde bereits mehrfach in der aufgehenden Wintersonne beobachtet. Über Stunden saß es fast regungslos am Fenster des Nistkastens und hielt seinen „Tagesschlaf“. Ab und zu gestört durch vorbeifliegende Nilgänse, Krähen und Tauben.

Uhus bei der Balz

Nach Auskunft des NABU brüten die Uhus noch nicht. Sie sind in der Endphase der Balz: Das Männchen ist dabei, das Weibchen von dem Brutplatz überzeugen. Besonders häufig lässt sich der Uhu am frühen Vormittag blicken. Zu den Abend- und Nachtzeiten sind Beobachtungen noch eher zufällig und meist nur für kurze Augenblicke. Wer aktuell den Livestream anklickt, muss daher Glück haben, um einen Uhu im Nistkasten zu sehen. Die großen Eulen balzen meist noch außerhalb der Elisabethkirche. Allerdings bringt das Uhu-Männchen bereits regelmäßig frisch erlegte Beutetiere zum Brutort. Ziel ist es, das Weibchen anzulocken, zu beeindrucken und seine Kooperation zu sichern. Dann fliegt das Männchen wieder ins Freie. Das dauert oft nur wenige Minuten und findet meist irgendwann in den Nachtstunden statt. Dennoch beobachtete der Nabu während der Testphase der Livekamera schon mehrfach, wie das Männchen seine Beute an das Weibchen übergab. Um seine Zukünftige zu überzeugen, legte er ihr einmal eine Ratte, ein anderes Mal eine Taube vor die Füße.

„Um die Aktivitäten zu dokumentieren, schneiden unsere IT- Experten Sebastian Anhäuser und Maik Dobbermann einige interessante Szenen zusammen und präsentieren diese für unsere Uhu-Fans auf der Homepage des Nabu Marburg über YouTube,“ erläutert Eulenexperte Hartmut Möller. „Wir wollen mit diesem Angebot mehr Leute für die Artenvielfalt direkt vor Ort interessieren und damit dazu beitragen, den Artenschutz auch selbst aktiv zu unterstützen,“ erklärt Jakob Staiger als Projektleiter.

Das Uhu-Männchen in der aufgehenden Wintersonne. Bild: NABU Marburg / Hartmut Möller

Das Weibchen muss überzeugt werden

Nicht nur in Marburg rund um die Elisabethkirche hat jetzt die letzte Phase der Uhu-Balz begonnen: Die Aktivitäten der Uhus finden überwiegend in den frühen Abendstunden statt, wenn Dämmerung einsetzt und ausreichende Sicht sowie Jagdgelegenheiten bestehen. Die gefangene Beute wird dann zum Brutort geflogen, die Präsenz des Nistplatzes wird dabei besonders hervorgehoben. Durch die Übergabe der Beute am Brutort signalisiert das Männchen seine Fähigkeit, eine ausreichende Nahrungsversorgung für das brütende Weibchen und später für die jungen Uhus sicherzustellen.

Das Weibchen reagiert auf die Beute-Geschenke mit Annäherung und letztlich entscheidet sie, ob der Brutplatz geeignet ist und von ihr angenommen wird. Derzeit lockt das Männchen fast täglich mit einem Beutestück das Weibchen zum Südturm in den Nistkasten.

Lebenslange Partnerschaft

Die Balz, die schon als Herbstbalz ab November beginnt ist ein Zeichen für eine dauerhafte Partnerschaft, denn Uhus bleiben als Paar lebenslang zusammen. In den Abend- und Nachtstunden sind dann häufig die typischen Balzrufe zu hören, wobei das Männchen an einer tieferen Stimmlage und das Antworten des Weibchens an einer höheren Stimmlage zu erkennen ist.

In der Regel entscheidet sich das Paar auch jedes Jahr für den gleichen Brutplatz, wenn er denn als geeignet empfunden wird. Uhus sind somit standorttreu. Wird jedes Jahr der gleiche Brutplatz ausgewählt, so ist dies auch ein Indikator, dass für die Uhus in der Umgebung genügend Beute zur Verfügung steht – auch in einer urbanen Landschaft.

Die Fortpflanzungs-Phase beginnt etwa ab Mitte Februar und dauert bis in den März. So konnte am 6. März des vergangenen Jahres eine Kopulation an der Elisabethkirche beobachtet und sogar fotografiert werden.

Die putzigen Uhu-Jungen begeisterten vergangenen Sommer ganz Marburg. Bild: Alexander Wellinghoff

Besonders gespannt sind die Eulenfreunde aber auf die Uhu-Jungen: „Wir sind zuversichtlich, dass wir auch dieses Jahr Nachwuchs von Uhus beobachten können – jetzt mit unserer Livekamera noch näher und direkter,“ so Hartmut Möller. Sobald der Brutplatz dauerhaft belegt ist und ständig Uhus im und am Nistkasten präsent sind, wird der Nabu die Marburger Öffentlichkeit informieren.

Mit dem Uhu-Projekt möchte der Nabu die Artenvielfalt sichtbar machen, und die Öffentlichkeit unmittelbar mit dem Lebensraum und den Verhaltensweisen des Uhus vertraut machen. Schulen, Universitäten und Naturinteressierte können die Bilder nutzen, um mehr über die größte Eulenart Europas zu lernen. Das hilft auch der Forschung: Die gewonnenen Daten liefern wertvolle Einblicke in das Brutverhalten, die Fütterung und die Aufzucht der Jungvögel.

gec

Bilder mit freundlicher Genehmigung von NABU Marburg, NABU Marburg / Hartmut Möller und Alexander Wellinghoff