„Die Linke“ hat eine sogenannte „Mietwucher-App“ für Marburg gestartet. Damit können Betroffene schnell und unkompliziert prüfen, ob ihre Miete möglicherweise rechtswidrig zu hoch ist.

Unter https://Mietwucher.app kann die zulässige Miethöhe auf Grundlage der ortsüblichen Vergleichsmiete berechnet und ein möglicher Verstoß mit wenigen Klicks an die zuständigen Stellen im Landkreis weitergeleitet werden. „Damit geben wir Betroffenen ein Werkzeug an die Hand, um sich zu wehren“, erklärt die linke Spitzenkandidatin Miriam Stoll. Und der Marburger Stadtverordnete Jan Schalauske erläutert: „Mietwucher ist kein Randproblem, sondern Alltag für viele Menschen in Marburg. Wir schaffen mit der App eine niedrigschwellige Möglichkeit, gegen überhöhte Mieten vorzugehen und Druck aufzubauen.“ Bundesweit zahlten bereits Millionen Haushalte mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Miete – Heizkosten noch nicht eingerechnet. Gleichzeitig zeigten Überprüfungen immer wieder, dass zulässige Miethöhen in vielen Fällen deutlich überschritten werden.

Angewandt werden kann das neue Instrument allerdings nicht im Landkreis, sondern nur in Marburg, weil es nur für die Universitätsstadt einen Mietspiegel gibt. Wer seinen Wohnort, Nettokaltmiete, Quadratmeterzahl, Baujahr des Hauses und die Ausstattung der Wohnung eingibt, erfährt die ortsübliche Vergleichsmiete. Zugleich wird berechnet, um wie viel Prozent dies eventuell überschritten wird. Scheint die Miete überhöht zu sein, empfiehlt die Linke eine Mieterberatung. Zudem können die Fälle an die zuständige Behörde – in diesem Fall der Landkreis Marburg-Biedenkopf – gemeldet werden.

Dennoch ruft die Mietwucher-App bereits scharfe Kritik hervor. „In Wahrheit“ handele es sich um „ein parteipolitisches Kampfinstrument mitten im Wahlkampf“, schreibt die Marburger CDU. Ein solches Meldeportal fördere ein Klima des gegenseitigen Misstrauens. „Wer private Vermieter pauschal an den Pranger stellt, beschädigt den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, so CDU-Vorsitzender Dirk Bamberger. Noch heftiger empört sich die Marburger FDP, die von einer „Denunzianten-App“ sowie von einer „mittelalterlich anmutenden Jagd nach vermeintlichen Wucherern“ spricht. Das Meldesystem erinnere sie an „Stasi 2.0“.

gec

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