Weißes Federknäuel unter dem Gefieder von Uhu-Mama Lisbeth
Die große Uhu-Fangemeinde ist begeistert: In der Nacht vom 17. auf 18. März ist das erste Uhu-Küken im Südturm der Elisabethkirche in Marburg geschlüpft. Erst war mehrfach ein Piepsen zu hören, dann deuteten die Kopfbewegungen von Uhu-Mama Lisbeth darauf hin, dass sie das Küken fütterte.
Noch ist das Vogelbaby kaum zu sehen, denn es hält sich meist unter dem wärmenden Gefieder der Uhu-Mama auf. Doch die Uhu-Live-Kamera des Nabu Marburg liefert Einblicke in die sonst verborgene Welt. Vom heimischen Sofa aus lässt sich das Leben der kleinen Uhus hautnah mitverfolgen: Ab und zu schlüpft ein winzig kleiner und weißer Federknäuel unter dem Gefieder von „Lisbeth“, der Uhu-Mama, hervor. Es ist das erste von drei Küken.
Nach dem Schlüpfen sind Uhu-Küken zunächst von einem weißen bis cremefarbenen, sehr weichen Dunenkleid bedeckt (wie auch das obige Bild vom vergangenen Jahr zeigt). Dieses erste weiße Dunenkleid wird nach etwa zwei bis drei Wochen durch ein zweites, dunkleres, grau-weißes Dunenkleid ersetzt, bevor sich die ersten richtigen Federn, das Jugendkleid, bilden. „Nach dem Schlüpfen sind die kleinen Eulen noch blind, erst etwa nach zehn Tagen öffnen sich ihre Augen und erst dann erblicken sie das Licht dieser Welt,“ so Eulenexperte Hartmut Möller. Unterdessen versorgt Uhu-Vater Hugo jetzt, wie schon in der Brutzeit, das Uhu-Weibchen mit Nahrung. Diese zerlegt die Beute in winzig kleine Häppchen für die Küken.
Inzwischen verfolgt eine große Fangemeinde aus dem In- und auch aus dem Ausland das Geschehen im Nistkasten der Elisabethkirche. „Durch die Entwicklung von automatisierten Überwachungs-Skripten für den Stream haben wir es geschafft, dass die Live-Übertragung kontinuierlich läuft,“ freuen sich die ehrenamtlichen Systemadministratoren Sebastian Anhäuser und Maik Dobbermann vom Nabu. Dazu gibt es einen intensiv genutzten YouTube-Chat. Schon vor dem Schlüpfen der Küken kam hier die Frage auf: Wie sollen die Kleinen denn heißen? Allerdings kann man die jungen Uhus nicht nach ihrem Geschlecht unterscheiden kann. Wenn man sich also Namen überlegt müssen diese geschlechtsneutral sein. „Wir haben daher in der letzten Saison es so gelöst: das zuerst geschlüpfte Uhu-Junge haben wir Juhu1 genannt, also die Abkürzung von ‚junger Uhu‘, das Zweite Juhu2,“ so Möller.
Auch die Frage, ob denn die jungen Eulen beringt werden sollen, kommt immer wieder auf. Dazu erklärte Hartmut Möller: „Das Beringen von jungen Vögeln wird immer wieder sehr kontrovers diskutiert. Wir wollen durch so eine Aktion auf keinen Fall die jungen Eulen in dieser Nistkasten-Situation in 60 Meter Höhe einer Gefahr aussetzen und werden daher nicht beringen.“ Wichtiger als die gutgemeinte Debatte um eine Beringung oder den Namen sei, dass sich der Uhu-Nachwuchs hier in diesem städtischen Umfeld auch gut entwickeln kann.
red
Zum Livestream aus dem Uhu-Nistkasten im Südturm der Elisabethkirche

