Die Rettungsaktion der Uhu-Küken aus dem Südturm der Elisabethkirche Marburg konnte erfolgreich abgeschlossen werden.
Aktive und Biologen des NABU entnahmen am Montag, 23 März, ab etwa 12:30 Uhr die drei Küken aus dem Nistkasten. Die Biologin Dr. Moira Behn von der Wildvogelpflegestation Schönbach übernahm vor Ort die Erstversorgung, setzte die Tiere in eine Wärmebox und führte eine erste Zufütterung durch.
Zum Zeitpunkt der Bergung waren die Küken bereits deutlich geschwächt, ein Tier zeigte Anzeichen von Unterkühlung und Apathie. Im Anschluss erfolgte der Transport in eine spezialisierte Wildvogel-Aufzuchtstation. Dort werden die Küken zunächst in Brutkästen stabilisiert, tiermedizinisch untersucht und weiter versorgt. Ihr Zustand ist nach derzeitigem Stand stabil.

In den kommenden Tagen ist die Integration in eine bestehende Uhu-Aufzucht vorgesehen. Die Küken sollen einem erfahrenen Ammen-Weibchen namens „Momo“ anvertraut werden, das sich bereits vielfach als zuverlässige und erfolgreiche Uhu-Mutter erwiesen hat und regelmäßig mehrere Jungtiere großzieht. Die Aufzucht der drei Küken erfordert dabei einen erheblichen Aufwand; allein die Futterkosten belaufen sich nach Angaben der Pflegestation auf rund 1.000 Euro pro Jahr.
Das große öffentliche Interesse an dem Brutgeschehen und dem Livestream hat in den vergangenen Tagen deutlich gezeigt, wie sehr die Uhu-Küken vielen Menschen ans Herz gewachsen sind. Umso mehr freut es den NABU Marburg, so teilt der Verein in einer Pressemitteilung mit, dass sich die Tiere nun in fachkundiger Obhut befinden und gut versorgt werden.
Prinzip der Nichteinmischung
Grundsätzlich gilt im Naturschutz das Prinzip der Nichteinmischung: Wildtiere sollen sich ohne menschliche Eingriffe entwickeln. Dieses Prinzip ist fachlich gut begründet und auch rechtlich verankert, da Eingriffe unter anderem zu Verhaltensänderungen, Abhängigkeiten vom Menschen oder einer Beeinflussung natürlicher Selektionsprozesse führen können. Maßnahmen wie diese stellen daher eine begründete Ausnahme dar und erfolgen ausschließlich nach sorgfältiger Prüfung und behördlicher Genehmigung.
Im vorliegenden Fall lag eine akute Gefährdung der Küken vor, die ein Eingreifen erforderlich machte. Solche Maßnahmen stellen im Naturschutz bewusst eine Ausnahme dar und bedürfen einer besonderen Begründung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Brutgeschehen heute vielfach nicht mehr in einer vollständig unbeeinflussten Natur stattfinden, sondern in Lebensräumen, die stark durch menschliche Strukturen geprägt sind. Diese bringen zusätzliche Risiken mit sich, die nicht Teil natürlicher Prozesse sind.

Vor diesem Hintergrund kann ein Eingriff im Einzelfall auch als Ausgleich für solche vom Menschen beeinflussten Rahmenbedingungen verstanden werden. Die konkreten Ursachen für das Ausbleiben der Nahrungsversorgung lassen sich zwar nicht sicher feststellen. Bekannt ist jedoch, dass insbesondere Stromleitungen und Verkehr zu den häufigsten Gefahren für Uhus zählen und regelmäßig zu Ausfällen von Altvögeln führen können. Warum das Männchen „Hugo“ nicht mehr zur Versorgung kam, lässt sich nicht sicher sagen.
Daher wurde die Entscheidung getroffen, die Küken in dieser besonderen Situation nicht sich selbst zu überlassen, sondern im Rahmen der genehmigten Maßnahme einzugreifen. Das Uhu-Weibchen „Lisbeth“ wird mit Sicherheit irritiert gewesen sein, als sie den leeren Nistkasten vorgefunden hatte. Sie muss jetzt wieder selbst auf die Jagd gehen, um ihre eigene Versorgung wieder zu sichern.
Der NABU Marburg wird die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und hofft, dass der Nistkasten auch in der kommenden Saison wieder von einem Uhu-Paar angenommen wird. Sollte Hugo nicht wieder auftauchen, wird sich das Weibchen zu Beginn der neuen Balzsaison in diesem Herbst einen neuen Partner suchen.
Spendenaufruf
Wer die Wildvogelpflegestation unterstützten möchte, kann an den NABU spenden mit dem Vermerk „Uhu-Küken-Rettung“. Der Verein leitet alle Spenden mit dem Vermerk “Uhu-Küken-Rettung” komplett weiter an die Wildvogelpflegestation.
NABU Marburg e.V.
IBAN: DE55 5139 0000 0016 4595 00
Volksbank Mittelhessen
pe/to

