Im Neuen Botanischen Garten der Uni werden Lüftung, Elektrik und Dächer erneuert.
Die acht Schaugewächshäuser des Neuen Botanischen Gartens auf den Marburger Lahnbergen entführen auf die Kanaren, in die Tropen und die Wüste. Jetzt werden die Glashäuser so grundsätzlich modernisiert, dass sie für die nächsten Jahrzehnte nachhaltig ausgestattet sein sollen. Dazu müssen mehr als 5000 Quadratmeter Glas und Sprossen ausgetauscht sowie Lüftung und Elektrik komplett erneuert werden. Geplant ist auch eine Verbesserung des Eingangsbereichs. Die gerade begonnenen Arbeiten sollen im Frühjahr kommenden Jahres zumindest soweit abgeschlossen sein, dass die Häuser wieder öffnen können.
„Die Schaugewächshäuser prägen den Botanischen Garten in besonderer Weise“, erklärt Uni-Vize-Präsidentin Prof. Sabine Pankuweit: „Umso wichtiger ist es, sie langfristig zu erhalten und zugleich energetisch fit für die Zukunft zu machen.“ Die renovierungsbedürftigen Glashäuser stammen noch aus den 1970er Jahren. Damals wurden sie ebenso wie der gesamte Garten von Günther Grzimek konzipiert, einem Neffen des berühmten Zoologen. Heute stehen die Glas-Stahl-Konstruktionen unter Denkmalschutz. Doch Hagel und Stürme haben Schäden in den Holzlamellen hinterlassen, die für die Schattierung sorgen. Die automatische Lüftung fällt immer wieder aus. Zudem sind die Häuser kaum mehr tragbare Energiefresser.
Im ersten Bauabschnitt wird die komplette Antriebstechnik erneuert. Dazu gehört vor allem die automatische Lüftung, die in Zukunft wieder zuverlässig funktionieren soll. Dabei geht es um die Lüftungsflügel in den Dachflächen der Gewächshäuser, die automatisch geöffnet und geschlossen werden. Sie werden über Zahnstangen, Gelenkwellen und Getriebe bewegt. Parallel zur Antriebstechnik werden die Gläser der Dächer erneuert, wo dies für energetische Sanierung nötig ist.
Üblicherweise öffnet der Botanische Garten seine Gewächshäuser im April, doch in diesem Sommer werden sie wegen der Sanierungsarbeiten geschlossen bleiben. Nur Führungen im Schmetterlingshaus sind auf Anfrage weiterhin möglich. Die Wiedereröffnung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen, auch wenn die Modernisierung dann noch weitergeht. So muss etwa die Verglasung der Außenwände noch erneuert werden.
Bereits abgeschlossen wurde die Sanierung der Anzucht- und Sammlungshäuser, in die Gäste normalerweise nicht hineinkommen, weil in ihnen quasi das „Backup“ für die Schaugewächshäuser heranwächst. Dazu gehören zum Beispiel seltene Orchideen aus Südamerika, Raritäten von den Osterinseln, Papyrus, Bananenstauden, Farne und fleischfressende Pflanzen.

Möglich wurde die Sanierung auch durch die zahlreichen Spenden von Freunden und Förderern des Neuen Botanischen Gartens, die im Rahmen der Kampagne „Ich blüh für dich“ mehrere 100.000 Euro spendeten.
Der Neue Botanische Garten ist auch ohne die Schaugewächshäuser ein attraktives Ausflugsziel. Schließlich handelt es sich mit mehr als 21 Hektar nach Berlin und Hamburg um den drittgrößten Botanischen Garten Deutschlands. Rund 9000 Pflanzenarten sind in dem Park zu entdecken. Ein künstlicher Bach fließt durch die Anlage, in der Teiche und kleine Wasserfälle angelegt worden sind.
Mit Krokussen, Blausternen, Tulpen und Narzissen startet die Saison im Frühlingswald. Rund 1000 Rhododendren aus der ganzen Welt stehen im Süden des Parks. Im Mai blüht auch der Blauregen an der Teichterrasse, wo die Frösche für ein lautes Konzert sorgen. Eine weitere Attraktion ist das Alpinum, in dem die Pflanzen aller zehn Hochgebirge der Welt zu finden sind. Auch im Hochsommer kühl ist die große Farnschlucht, die in einem ehemaligen Ochsenkarrenweg angelegt wurde. Und ab September bescheren Ahorne, Amberg- und Tulpenbäume dem Park einen „Indian Summer“.
Kinder sind vor allem von den Tieren begeistert: Waschbär Toni wurde einst als Jungtier in einer Kiste im Heizungskeller des Verwaltungsgebäudes entdeckt. Nun lebt er in einem Gehege am Spielplatz. Unweit davon grasen die Lamas Emmie und Esra.
Der Botanische Garten erfüllt aber auch wichtige Aufgaben für die Artenvielfalt: Jedes Jahr ziehen die Gärtnerinnen und Gärtner Tausende von Arnika-Pflanzen heran. Die gefährdete Art wird dann wieder an ihren originalen Standorten in den Bergregionen Hessens ausgewildert – etwa im Burgwald, im Ederbergland und im Hinterland. Ähnliche Projekte gibt es für Küchenschellen, Trollblumen und die letzten 106 wilden Weinreben, die einst von den Römern mitgebracht wurden. Der Kreuzenzian aus dem Nationalpark Kellerwald wäre ohne den Garten wahrscheinlich ausgestorben. Es gab nur noch ein Exemplar, von dem gerade noch rechtzeitig Samen gesammelt wurden. Seitdem blüht die strahlend blaue Blume wieder an mehreren Standorten des Nationalparks.
Pflanzenmarkt und Führungen
Die nächsten Veranstaltungen im Neuen Botanischen Garten:
Rhododendronvielfalt entdecken: Einen Rundgang durch den Rhododendronwald bieten die Rhododendrongärtner Therese Wege und Guilliano Lupi am Sonntag, 3. Mai, ab 11 Uhr. Gezeigt werden sowohl wilde Arten als auch „pompöse Züchtungen“.
Pflanzenmarkt: Rund 80 regionale und internationale Gärtner, Pflanzenzüchter und Raritätensammler verwandeln den Neuen Botanischen Garten am Samstag, 30. Mai, und am Sonntag, 31. Mai (jeweils 10 bis 18 Uhr), in einen beeindruckenden Pflanzenmarkt. Geboten werden seltene und besonders gesunde Nutz- und Zierpflanzen, unzählige Rosen-, Stauden- und Gehölzzüchtungen, Wildpflanzen, Kräuter, Gemüsejungpflanzen sowie Obstgehölze. Dazu sind ausgesuche Kunsthandwerker und Manufakturen dabei.
Alpinenwiese: Staudenmeisterin Corinna Stroetmann verdeutlicht am Sonntag, 7. Juni, ab 11 Uhr, am Beispiel der „Alpinenwiese“, wie lebendig auch über die angepflanzten Arten hinaus, neue Lebensräume mit einer großen Artenvielfalt gefördert werden können.
Wilde Vielfalt im Garten lautet der Titel einer Ausstellung bei den biologischen Gruppen, die vom 13. bis zum 21. Juni zeigt, wie lebendig Gärten sind und wie viele Pilze, Moose, Kleinstlebewesen, Insekten und Wirbeltiere in ihnen leben. Ergänzend gibt es Tipps für die Besucherinnen und Besucher.

Öffnungszeiten: Der Garten ist im Sommerhalbjahr (bis zum 31. Oktober) täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Gesa Coordes

