Elisabethkirchen-Uhus brechen zweite Brut ab

Die Hoffnung auf weiteren Uhu-Nachwuchs im Südturm der Elisabethkirche hat sich zerschlagen: Wie über die Livekamera des NABU am Wochenende beobachtet werden konnte, hat das „Lisbeth“ getaufte Uhu-Weibchen die Bebrütung ihres letzten verbliebenen Eies aufgegeben – nur wenige Tage vor dem erwarteten Schlupftermin.

Bereits am 14. Mai zeigte sich ein ungewöhnliches Verhalten im Nistkasten. Lisbeth bearbeitete eines der ursprünglich beiden Eier intensiv mit ihrem Schnabel und transportierte es anschließend aus dem Kasten, wo sie es offenbar entsorgte. Fachleute werten dies als natürlichen Teil der Brutpflege. Uhu-Weibchen können offenbar erkennen, ob sich ein Embryo im Ei normal entwickelt. Wird eine Fehlentwicklung festgestellt, wird das Ei aus dem Gelege entfernt.

Zwei Tage später verdichteten sich die Hinweise, dass auch das zweite Ei nicht mehr erfolgreich ausgebrütet werden würde. Stundenlang verließ Lisbeth nachts bei Temperaturen um sechs Grad das Gelege. Am darauffolgenden Tag war zu beobachten, dass sie sich überwiegend neben dem Ei aufhielt, anstatt es weiter zu wärmen. Damit steht nun fest: Die zweite Brut im Südturm wurde endgültig aufgegeben.

Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen der NABU-Livekamera ist es wahrscheinlich, dass sich die Embryonen in den Eiern nicht erfolgreich entwickelt haben. Uhu-Eltern verlassen ein Gelege in der Regel dann, wenn Eier unbefruchtet sind oder die Entwicklung der Jungvögel im Ei zum Stillstand gekommen ist.

Laut Sebastian Anhäuser vom NABU Marburg besteht die Hoffnung, dass Lisbeth den Nistkasten auch künftig als Ruhe- und Aufenthaltsplatz nutzt. Die Kamera im Südturm soll weiterlaufen, solange der Nistkasten benutzt wird. Zudem steht ein weiteres Projekt kurz vor dem Start: Eine zweite Livekamera wird künftig vom einem Institutsgebäude der Philipps-Universität, der ehemaligen Kinderklinik, den Lebensraum rund um die Kirchtürme zeigen – mit Einblicken in das Leben von Uhus, Dohlen oder auch Fledermäusen.

Der NABU bedankt sich für die zahlreichen Beobachtungen und Einträge im Livestream-Protokoll. Auch Schulen beteiligten sich: Klassen aus dem Odenwald schickten Zeichnungen und Bilder der Uhus.

Parallel laufen wissenschaftliche Untersuchungen. Aus dem Nistkasten wurden Federn und das verbliebene Ei gesichert. Durch Genanalysen soll geklärt werden, ob das verschwundene Männchen „Hugo“ zur zweiten Brut zurückkehrte oder ob Lisbeth einen neuen Partner hatte. Zudem könnte erstmals eindeutig nachgewiesen werden, dass ein Uhu-Weibchen nach dem Verlust einer Brut ein Nachgelege produziert – ein bislang nur vermutetes Verhalten.

Die Auswertung der Proben wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse sollen zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden.

pe/kro

Bild mit freundlicher Genehmigung von Georg Kronenberg | Marbuch Verlag GmbH