Filiale im Stadtwald wird Tante-Enso-Laden des Gründer-Enkels.

Turbulenzen für die Tegut-Märkte in Marburg und Umgebung: Bereits im März hat der schweizerische Mutterkonzern Migros angekündigt, die Lebensmittelmärkte verkaufen zu wollen. Davon sind auch sieben Tegut-Supermärkte sowie drei Kleinstläden im Kreis Marburg-Biedenkopf betroffen. Nach Mitteilung des Unternehmens wurde bereits ein Vertrag mit dem Lebensmittelhändler Edeka unterzeichnet, der den größten Teil der Märkte übernehmen soll. Zudem möchte offenbar auch der Lebensmittelhändler Rewe Filialen kaufen. Interesse für einzelne Standorte soll es auch bei Aldi Nord geben. Hintergrund des Verkaufs sind finanzielle Verluste, rückläufige Umsätze und das „verschärfte Marktumfeld“, teilt Tegut mit. 

Wer wo welchen Markt übernimmt, hängt noch von der Zustimmung des Bundeskartellamtes ab. Deswegen ist bislang auch noch nicht bekannt, wie die Tegut-Märkte in Marburg weiter betrieben werden. Mit einer Ausnahme: Die Mini-Filiale im Marburger Stadtwald wird zum „Tante-Enso-Laden“. Dies wurde vom Bundeskartellamt genehmigt. Das Gleiche gilt für 35 weitere Filialen in Hessen, Thüringen und Nordbayern. 

Die in Bremen ansässige Tante-Enso-Gruppe betreibt bislang knapp 90 hybride Mini-Supermärkte, hinter denen rund 70.000 Teilhaberinnen und Teilhaber stehen. Seit 2025 ist Thomas Gutberlet Geschäftsführer und Gesellschafter von Tante Enso. Der Manager ist Enkel des Tegut-Gründers Theo Gutberlet, der das Handelsunternehmen 1947 in Fulda gründete. Einen Namen machte sich Tegut seit den 1980er Jahren mit dem Anbau und der Vermarktung von Bio-Lebensmitteln. Dazu gehört auch eine eigene Fleischverarbeitung und eine Bio-Bäckerei. Anfang 2013 übernahm die Schweizer Genossenschaft Migros die Kette, zu der 300 Lebensmittelmärkte zählen. Thomas Gutberlet war von 2009 bis 2024 Geschäftsführer von Tegut. Er verließ das Unternehmen auf eigenen Wunsch, nachdem bekannt wurde, dass 120 Vollzeitstellen abgebaut und Filialen verkauft werden sollen. 

Tante Enso kombiniert das klassische Tante-Emma-Laden-Prinzip mit Digitalisierung. Die Kleinstsupermärkte setzen vor allem auf die ländliche Versorgung – übernommen werden auch Filialen in Haina-Löhlbach und Kirtorf. Außerhalb von Servicezeiten mit Personal kann man mit einer Kundenkarte rund um die Uhr einkaufen. Die Mini-Supermärkte werden genossenschaftlich geführt. So können die Menschen im Stadtwald selbst Teilhaber werden und damit Geld sparen. Die Genossenschaftskampagne findet sich unter https://www.tanteenso.de/content/tanteenso/standorte/marburg-stadtwald.

gec

Bild mit freundlicher Genehmigung von Tegut