Das Pharmaunternehmen Biontech stellt bereits Ende Oktober seine Produktion im Marburger Werk ein.

Das dürfte auch der Grund sein, warum der Impfstoff-Hersteller jetzt angekündigt hat, bis Ende September intensiv zu prüfen, ob das Werk komplett oder in Teilen an einen anderen Pharmakonzern verkauft wird. Nur ein Verkauf könnte die Schließung abwenden, die sonst Ende des Jahres droht. Das Gleiche droht den Biontech-Standorten in Tübingen und Idar-Oberstein.

Allerdings hat die Chemie-Gewerkschaft IGBCE große Zweifel, ob Biontech ernsthafte Verhandlungen für den Verkauf des Standorts führt: „Ich fürchte, dass Biontech da sehr passiv ist“, berichtet IGBCE-Bezirksleiterin Anne Weinschenk: „Biontech hüllt sich da in das Mäntelchen des Schweigens.“ 

Von den einst 670 Beschäftigten sind jetzt noch rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da. Für sie gibt es noch nicht einmal eine Transfergesellschaft, mit deren Hilfe sie leichter nach neuen Jobs suchen können. Das sei dem Arbeitgeber zu teuer gewesen, berichtet Weinschenk, die das Verhalten des Unternehmens „unverschämt“ nennt. Sowohl für CSL als auch für Nexelis, wo ebenfalls Hunderte ihren Job verlieren, gibt es Transfergesellschaften. Derzeit führt die Gewerkschaft Sozialtarifverhandlungen mit Biontech, um zumindest für die Gewerkschaftsmitglieder etwas mehr Geld herauszuholen. 

Während der Pandemie spielte das Marburger Werk eine Schlüsselrolle als Produktionsstätte des weltweit ersten Corona-Impfstoffs. Biontech hatte den Standort in Marburg 2020 vom Schweizer Pharma-Konzern Biontech übernommen, um den Covid-19-Impfstoff zu produzieren. Doch inzwischen ist die Nachfrage drastisch zurückgegangen. Biontech konzentriert sich stattdessen auf die Entwicklung von Krebstherapien auf Basis der mRNA-Technologie. 

gec

Bild mit freundlicher Genehmigung von Georg Kronenberg | Marbuch Verlag GmbH