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Express Online: Thema der Woche
Express Online: Thema der Woche | 14. Oktober 2004

Unterschätzter Faktor: Tourismus

Eine Studie bringt es an den Tag: Marburg ist zwar nicht Heidelberg, aber gemessen am Volkseinkommen sind die Touri-Einnahmen für die Lahnstadt wichtiger als für manche Fremdenverkehrshochburg

Jeder hat sie schon beobachtet, die Touristengruppen, die im kameraschwangeren Pulk Rathaus, Schloss oder Elisabethkirche belagern. Und obwohl sie gerade in der wärmeren Jahreszeit auffällig sind im Stadtbild, wird gemeinhin der Tourismus vor Ort nicht für allzu bedeutend gehalten. Mittelhessische Bescheidenheit? Das Gefühl, doch irgendwie nur Provinz zu sein?

So oder so: nichts genaues weiß man nicht bzw. wusste man bis vor kurzem nicht, da beispielsweise Übernachtungszahlen aufgrund der Vielzahl von Tagestouristen wenig aussagen. Jetzt aber liegt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftswissenschaften im Fremdenverkehr (dwif) vor. Die Consulting GmbH aus München erstellte solche Analysen zum "Wirtschaftsfaktor Tourismus" bisher meist für größere Städte. Der Beirat der Marburger Tourismus und Marketing GmbH (MTM) wollte sich aber nicht Lumpen lassen und spendierte ein solches Werk für Marburg.

Dabei wurden unter anderem 4,7 Millionen touristisch motivierte Aufenthaltstage pro Jahr in Marburg ermittelt. Bei dieser hohen Summe wurden die Zahl der Übernachtungen und die Zahl der Tagesbesucher miteinander addiert. Die letztgenannte Gruppe ist dabei von überragender Bedeutung: Allein vier Millionen (entspricht 85 Prozent) Menschen reisen am Tag der Ankunft auch wieder ab: sei es die chinesische Reisegruppe, die noch am Nachmittag nach Frankfurt weiter reist, sei es der Wochenendausflügler aus Frankenberg, der in Marburg bummeln, shoppen oder das Stadtfest besuchen will ("3 Tage Marburg" ist hier kein beliebiges Beispiel, sondern der Event, der privaten Besuchern am häufigsten empfohlen wird).

Nicht uninteressant auch, dass in einem Marburger Haushalt im Durchschnitt gut 13 mal pro Jahr Freunde, Verwandte und Bekannte übernachten (oder eben sechs bis sieben mal je zwei Freunde). Diese sogenannten Sofa-Touristen gehen zwar den Marburger Hotels verloren, aber sie geben natürlich trotzdem Geld in der Stadt aus – wer möchte sich etwa bei seinem Gastgeber nicht mit einem Abendessen revanchieren? Rechnet man die Ausgaben aller Gruppen zusammen – ob mit oder ohne Übernachtung, ob Tagungsgast oder Schüler auf Klassenfahrt – steht eine Summe von über 130 Millionen Euro im Raum.

Eine Zahl, die man zunächst kurz wirken lassen sollte: 131.545.000,- Euro, von denen nach Abzug aller Kosten und Vorleistungen immer noch 61,75 Millionen Euro für die Marburgerinnen und Marburger übrigbleiben. Ein Beitrag von 5,1 Prozent zum sogenannten Volkseinkommen, was wiederum bedeutet das jeder 20. Einwohner, also etwa 4.000 Menschen, vom Tourismus lebt (theoretisch, denn in der Praxis profitieren mehr Leute von diesem Sektor, z. B. auch Teilzeitkräfte).

Wer hätte das gedacht? Auch Michael von Aschwege nicht unbedingt. Er ist der Geschäftsführer der MTM, der sich übrigens guter Noten für seine Einrichtung am Pilgrimstein erfreuen konnte, was die ebenfalls ermittelte Zufriedenheit der Kunden betrifft. Von Aschwege jedenfalls zieht aus den Zahlen vor allem einen Schluss: Der Beitrag des Tourismus zum Volkseinkommen ist in Marburg mit 5,1 Prozent überproportional hoch: In 16 von 19 deutschen Städten, die das dwif bisher durchleuchtete, hat er einen geringeren Stellenwert. Sei es Heidelberg mit 4,6 oder Heilbronn mit 2,9 Prozent.

Über die absoluten Zahlen sagt das freilich nichts aus, denn natürlich fließt in Heidelberg mehr Geld aus dem Fremdenverkehr, aber gemessen an der Industrie drum herum ist die Summe eben doch nicht so bedeutend. Schlussfolgerung? "Bei Planungsvorhaben und Investitionen, die zum Beispiel das Stadtbild betreffen", so von Aschwege, "sollte die Wirkung auf den Tourismus entsprechend seiner Bedeutung mit einberechnet werden."

Die Zahlen des dwif resultieren unter anderem aus einer repräsentativen Telefonbefragung Marburger Haushalte.

Daniel Hajdarovic


Express Online: Thema der Woche | 14. Oktober 2004

Vielfalt im Ansatz

Das diesjährige Kunstfestival der Angewandten Theaterwissenschaften "Diskurs 04" ergründet die Hoffnung, die Stadt Gießen und verschiedene amerikanische Militärbasen der Region

Bei periodischen Festivalgestaltungen ändert sich im Zyklus der Jahre notwendigerweise etwas. Beim Gießener Diskursfestival der Angewandten Theaterwissenschaften wurde diesmal schon im Sommersemester erfolgreich eine wissenschaftliche Vortragsreihe zum Festivalthema "Hoffnung" initiiert. Bevor der Diskurs nun am 12. Oktober richtig losgehen konnte, schalteten die Organisatoren noch ein Laboratorium, ein "Work in" und ein "Work out" vor die umfangreichen Gastspiele aus dem europäischen Ausland.

Im Ansatz lag hier von vornherein auf ganzer Linie Vielfalt. Das "Work in" beschäftigte sich mit den hoffnungsvollen Utopien, die es in Gießen zum Ent- bzw. Aufdecken gibt; "Work out" mit den thematischen Potentialen US-amerikanischer Militärbasen und örtlich stationierter GIs. Die Resultate gab es zwei Tage vorm tatsächlichen Festivalbeginn in den zwei Stockwerken der Diskurswohnung in der Ludwigstraße zu sehen. Eindrucksvolle Auseinandersetzungen zum den Themen Utopie und Hoffnung.

Das weitere Programm bis zum 17. Oktober kann man dem Publikum auch nur ans Herz legen: Zwischen Kirchplatz, Bahnhof, Seltersweg, Theater im Löbershof, Dachcafé und natürlich der Probebühne der Theaterwissenschaftler im Philosophikum II, wird eine umfangreiche und viel versprechende künstlerische Auseinandersetzung stattfinden. Von Slowenien über Österreich, Polen bis in die USA reichen die Herkunftsorte der jeweiligen Künstler. Zur Eröffnung zeigte die Portugiesin Patricia Portela ihre Kinohommage "Wasteband", die Briten "elusivecamelproductions" präsentierten eine "BOX" und die Norweger "NONcompany" ein "Presto Legato". Am Wochenende werden u.a. noch die Produktionen "Canary Variations" von Shane Belles, "Berliner Tänzer" von Linda Lindheimer und ein "Patent: Night Flight", der Gießener Theaterwissenschaftler Melanie Orhen und Bernhard Herbordt gezeigt.

Hauptveranstaltungsort und Treffpunkt für Gespräche und Partys ist ein Festivalcafé in der IBP Bänninger Halle im Erdkauterweg, wo auch viele Aufführungen stattfinden. Das Organisationsteam wünscht sich jetzt lediglich noch weiterhin einen reibungslosen Ablauf und vor allem ein intensives Interesse auch seitens der Gießener Bevölkerung, und dass gerade die Abschlussparty am 16. Oktober ab 23 Uhr im IBP Festivalcafé reichlich Zulauf findet.

Weitere Informationen und Karten täglich von 12 bis 15 Uhr im Ticketoffice im Festivalcafé unter 0641/9931247 oder www.diskursfestival.de

Rüdiger Oberschür



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