Samstag, 8. Mai 2021
Express Online: Thema der Woche
Express Online: Thema der Woche | 21. Oktober 2004

Heroische Unterstützer gesucht

KFZ – was ist das?
Das KFZ in der Schulstraße – Neumarburgern sei's gesagt – ist keine Zulassungsstelle für Kraftfahrzeuge. Zugelassen sind dagegen Künstlerinnen und Künstler fast aller Art: Vom Indipendent-Rocker bis zum Kabarettisten, aber auch Politdiskutanten und Buchautoren bekommen Einlass.
40.000 Menschen im Jahr besuchen die Konzerte, Lesungen, Debatten zu aktuellen Themen oder auch kleineren Ausstellungen, womit das KFZ das erfolgreichste soziokulturelle Zentrum der Stadt ist. Übrigens auch das älteste: Seit 1977 finden hier Jahr für Jahr rund 200 öffentliche Veranstaltungen statt. Da ist auch für Kinder was dabei. Auch viele Alt-Marburger wissen übrigens nicht, wofür die drei Buchstaben stehen: Kommunikations- und Freizeitzentrum.
Das KFZ ist klamm und droht mit Schließung. Nach Ansicht des soziokulturellen Zentrums ist dies der Nährboden, auf dem Heldentum gedeiht

Schon Friedrich Hölderlin wusste: "Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch." Zum Beispiel in der Form eines Ritters, der das Burgfräulein aus der Drachenhöhle befreit. Diese klassische Konstellation will sich auch der Kulturladen KFZ zunutze machen, der sich in diesem Falle selbst in der Rolle des Burgfräuleins befindet. Der Drachenhöhle entspricht in der Realität ein Defizit von 40.000 Euro für den Jahresetat 2005.

Folglich bekommt den Ritterschlag, wer dem soziokulturellen Zentrum in der Schulstraße zu Geld verhilft. Unter der Überschrift "Auch wir suchen HELDEN ..." heißt es dazu auf kleinen Handzetteln: "Erlange Ruhm und Ehre durch die Unterstützung einer Veranstaltung Deiner Wahl!" Und weiter: "Mit einem heldenhaften Beitrag kannst Du die Zukunft des KFZ absichern." Eine charmant gemachte Aktion, auch wenn der Spender wohl nicht, wie das Logo verheißt, mit Lorbeer bekränzt und durch die Gegend getragen wird. Immerhin kann auch ausgewählt werden, welcher "Heldenstatus" gewünscht ist: Ab 30 Euro kann man seinen Namen im Programmheft wiederfinden; die weiteren Stufen verlangen einen höheren Obolus, verheißen aber noch größeren Ruhm.

Doch auch im Erfolgsfall wird das perspektivisch nicht reichen. Das Land Hessen hat seine Unterstützung um 5.500 Euro gekürzt ("Operation sichere Zukunft"), die Stadt Marburg, die 2004 82.000 Euro beisteuerte, wird 2005 fünf Pronzent weniger überweisen (von den Kürzungen sind übrigens alle Ressorts betroffen). Auch fehlen frühere Zuschüsse aus Stiftungen und Fonds.

Wie bei vielen anderen Kulturinitiativen – oder auch in Kleinbetrieben – sind zudem die Löhne für die Hauptamtlichen sehr niedrig angesetzt. Ein Verein mit einem Jahresetat von einer halben Million Euro lässt sich – bei allem unverzichtbaren ehrenamtlichen Engagement – aber auf Dauer nur mit Verantwortungsträgern führen, die auch von dieser Tätigkeit leben können. Deshalb erklären die beiden Geschäftsführer Gero Braach und Sabine Welter sowie die anderen Hauptamtlichen (insgesamt sind es deren acht, die sich vier Vollzeitstellen teilen) kategorisch, "den Laden zu schließen, wenn die Mittel verbraucht sind. Wir sind nicht bereit, mit noch einmal weniger Stellen unsere 200 Veranstaltungen jährlich durchzuführen. Weniger Personal hieße weniger Veranstaltungen oder noch mehr arbeiten für wenig Geld. Das hieße insgesamt die Spirale nach unten zu drehen und obendrein die räumlichen Ressourcen ungenutzt zu lassen."

Das Paradoxe an dieser schwierigen Situation: Das KFZ ist erfolgreich, denn stattliche 70 Prozent seines Etats erwirtschaftet das Zentrum selbst. Aus sich selbst heraus kann eine Einrichtung dieser Art nicht überleben. Das KFZ erwartet daher von der Marburger Politik eine kurzfristige Lösung für 2005 und langfristig eine vertragliche Absicherung der Kernstrukturen durch Stadt und Land. Was die Politiker aber wohl nicht leisten können, ist, "ernsthafte und langfristige Sponsoren zu benennen", wie es auf der KFZ-Homepage heißt. Die wird der Kulturladen selbst suchen müssen. Doch momentan sind sie verdammt schwer zu finden.

Infos unter www.kfz-marburg.de oder telefonisch unter 06421/13898.

Daniel Hajdarovic


Express Online: Thema der Woche | 28. Oktober 2004

UFOs über Mittelhessen!

Zum Zeitvertreib lässt Hans D. Baumann schon mal Ufos über seinem mittelhessischen Wohnort schweben, Mona Lisa eine Zigarette rauchen oder kreuzt kurzerhand eine Katze mit einer Kuh.

Wettbewerb "UFO-Bilder fälschen"
Vom 10. bis 19. Dezember werden im Bürgersaal in Londorf preisgekrönte Computermontagen des "DOCMA-Awards 2004" zum Thema "Gefälschte UFO-Fotos" ausgestellt. Außerdem ruft der Verkehrsverein Rabenau ergänzend zu einem regionalen Wettbewerb "UFOs über Rabenau" auf.
Es gibt drei Teilnehmerklassen: Herkömmliche Techniken (Zeichnung, Gemälde, Wasserfarben, Collagen, Fotomontage); Digitale Techniken (computerbearbeitete Bilder) sowie Beliebige Technik für TeilnehmerInnen unter 14 Jahren.
Die Arbeiten müssen einen Bezug zur Rabenau oder zu angrenzenden Gemeinden haben und sind bis zum Sonntag den 5. Dezember über folgenden Personen einzureichen: Dr. Hans D. Baumann, Rüddingshausen, Am Rain 1, Tel.: 06407/400777 oder Karl Eberhard Pfeiff, Londorf, Rainer-Maria-Rilke-Str. 22, Tel.: 06407/7544

Natürlich entsteht die "Kuhze" mit Katzenkopf auf Kuhkörper – wie auch Baumanns andere kunstvoll verfremdeten Fotografien – nur im Computer. Der promovierte Kunstwissenschaftler und Journalist gilt als ein Pionier der digitalen Bildbearbeitung und hat zahlreiche Bücher zum Thema veröffentlicht.

Seinen Spitznamen "Doc" hat der Büchersammler mit einer etwa 18.000Titeln umfassenden Bibliothek allerdings von ganz anderer Seite bekommen: aus der Rockerszene. Baumann gibt Deutschlands einziges Motorradrocker-Magazin "Biker News" heraus und war lange Zeit dort auch Chefredakteur.

Wie man als Kunstwissenschaftler ohne Motorradführerschein dazu kommt, jahrelang Reportagen vom weltgrößten Motorradfahrertreffen in Florida zu schreiben, hat der umtriebige 54-jährige fix erklärt: "Bei einer Untersuchung über die Ikonografie von Motorradtankbemalungen habe ich schnell gemerkt, dass man sich mit den Menschen beschäftigen muss, wenn man die Tankbemalungen analysieren will."

Baumann bekam Einblick in die Rockerszene und das Gefühl, "dass hier auch politisch etwas zu tun ist". Denn Bürgerrechte und deren Einschränkung sei immer ein zentrales Thema von ihm gewesen, "und Rocker werden oft allein auf Grund ihres Aussehen diskriminiert".

Das andere wichtige Thema seit seinem Praktikum als Bühnenmaler am Staatstheater Kassel kurz nach dem Abi ist für den in Nordhessen Aufgewachsenen die Beschäftigung mit den "visuellen Scheinwelten". Dass man diese Scheinwelten per Mausklick am Computer "viel leichter als mit traditionellen malerischen Mitteln" erzeugen kann, habe ihn bereits nach dem Kauf seines ersten Computers vor zwanzig Jahren fasziniert, erzählt er.

Seit rund zwei Jahren verlegt Baumann denn auch seine eigene Fachzeitschrift zur digitale Bildbearbeitung, Titel: Docma. Und weil ihm die digitaleManipulation von Bildern "diesseits aller ethischer Wertung einfach viel Spaß macht", hat er in seinem Magazin gerade erst einen Wettbewerb um das beste gefälsche UFO-Foto veranstaltet. Dass allein durch die neuen Möglichkeiten der digitalen Fotobearbeitung in den Medien ein Verlust an Realität zu beklagen sei, glaubt Baumann aber nicht.

Schließlich habe auch schon Hans Holbein als Hofmaler des sechsmal verheirateten englischen Königs Heinrich VIII. die adeligen Damen teilweise so stark in seinen Porträts idealisiert, "dass Heinrich gelegentlich recht sauer war, als die Prinzessinnen im Palast auftauchten und er aus politischen Gründen sein Heiratsversprechen nicht zurücknehmen konnte".

Es hänge eben immer davon ab, wie die am Computer erschaffenen Scheinwelten eingesetzt würden, sagt der Kunstwissenschaftler. Wer falsche Bilder in der Absicht produziere, andere von der Existenz einer so nicht existierenden Welt zu überzeugen, um sich beispielsweise Geld oder Macht zu sichern, der nutze das "unangebrachte Vertrauen", dass ein Foto tatsächlich die Realität widerspiegelt, schamlos aus.

Georg Kronenberg



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