Samstag, 8. Mai 2021
Express Online: Thema der Woche
Express Online: Thema der Woche | 4. November 2004

Rotkäppchen hat zugenommen

Von zwei Bembels, die fremdgehen: Badesalz präsentierten ihr neues Comedy-Märchen "Das Baby mit dem Goldzahn" im Rahmen des Mittelhessischen Kultursommers

Nö nö, im Wald, da gibt's ka Yucca-Palm. Doch dafür findet sich zwischen Stock und Stein – man höre und staune – nicht nur eine überdimensionale Lupe, sondern sogar eine Gitarre. Mit dem Vergrößerungsglas erscheint der Heldin nämlich eine Asbestfaser in Menschengröße und mit dem Instrument musizieren die beiden dann munter drauf los. Denn nix is scheener als 'nen Song von Tina Turner zu verhohnepiepeln!

Dabei zeigte das Publikum in der Stadthalle, dass es gerade an Halloween voll bei der Sache war: Der Kontakt zur Hauptfigur Lea (Olaf Mill) riss keine Sekunde ab, immer wieder zeigten sie ein gewisses Mitgefühl für den abenteuerlichen Leidensweg des Mädchens. Überhaupt gaben sich Jung und Alt sehr klatschfreudig und in bester Stimmung, als es galt, Badesalz und zwei Freunde von Szene zu Szene huschen zu sehen, damit die noch schnell das Kostüm wechseln konnten. Was ein Stress!

Da spielte Gerd Knebel etwa einen Allesfresser, der Bedenken hat, dass die korpulente Lea, die übrigens auf der Suche nach dem Baby mit dem Goldzahn ist, überhaupt in seine Bratpfanne passt. Denn obgleich ihres zarten Stimmchens sei sie ja gar nicht so zart wie Rotkäppchen, eher so- "Brogge" wie der Reiner Calmund. Dem Baumstumpf, in dessen Innern Henni Nachtsheim auf Knien verweilte, kommen da ganz andere Ideen. Nicht, dass er bloß mit seinen Spitznamen à la "Brett Pitt" oder "Eich Ranicki" prahlt, sondern auch, dass er bei den Streicheleinheiten Leas plötzlich einen Ständer kriegt. Und ein alter Mann mit Hut erzählt einem anderen davon, dass er seine Frau bei ebay versteigerte und jetzt sogar Angst hat, deswegen eine schlechte Bewertung zu bekommen.

Die Bewertung des Publikums ließ nicht lange auf sich warten. Ohne Zugabe wollte niemand nachhause gehen und das witzige Spektakel im multimedialen Bühnenwald hinter sich lassen. So traten schließlich noch die Fiesen als Boygroup auf, schreiend vor der Diskothek. Und wenn sie nicht gestorben sind ...

Die CD "Das Baby mit dem Goldzahn" erscheint am 8.11., am 16.11. treten Badesalz und Freunde in Limburg auf, Mitte Dezember sind sie in Gießen zu Gast.

Frank Magdans


Express Online: Thema der Woche | 4. November 2004

Arena Wetzlar weit vorn

Im März 2005 soll die neue Großveranstaltungshalle der Stadt Wetzlar eröffnen und mit Auftritten von Otto, Udo Jürgens sowie Sportereignissen neue Besucherströme in die Goethestadt locken. Im benachbarten Linden droht allerdings immer noch unliebsame Konkurrenz. Dort plant ein privater Investor weiter an einem ähnlichen Hallenkonzept.

Nachdem Privatinvestor Volker Arenth vor Jahresfrist angekündigt hatte, sein Lindener "Opera-Sport-Dom" werde deutlich früher als das Wetzlarer Veranstaltungszentrum fertig, hat längst die Goethestadt die Nase vorn: Am 13. März 2005 soll das erste Handball-Bundesligaspiel in der mit rund zehn Millionen Euro von der Stadt Wetzlar sowie weiteren 5,6 Millionen Euro aus einem EU-Fonds finanzierten Multifunktionshalle angepfiffen werden. "Wir rechnen mit 150.000 bis 200.000 Besuchern im ersten Jahr", sagte Sally Julian Rothholz von der Betreiberfirma GegenbauerBosse bei der Vorstellung des Hallenkonzepts am Donnerstag.

Nicht nur der Handball-Bundesligist HSG-Wetzlar wird künftig seine Heimspiele in der bis zu 6.500 Besuchern fassenden Wetzlarer Halle veranstalten. Auch Konzerte von Udo Jürgens, den Kastelruther Spatzen oder die Tanzweltmeisterschaft Senioren Standard sind im vorläufigen Jahresprogramm der Mittelhessen-Arena. Durch den Veranstaltungsmix mit Sportgroßereignissen, Konzerten, Messen und Kongressen hofft der zukünftige Arenadirektor Jörg Brück den Bekanntheitsgrad der 54.000-Einwohner-Stadt "über die Grenzen Hessens hinaus nachhaltig zu steigern". Gegenbauer Location Management-Geschäftsführer Rothholz geht von einem Einzugsgebiet mit mehr als 700.000 Menschen aus.

Im nur zehn Kilometer von Wetzlar entfernten Linden hat Privatinvestor Arenth zwar wegen Problemen mit dem Lärm- und Brandschutz immer noch keine Baugenehmigung. Lindens Bürgermeister Ulrich Lenz (CDU) ist aber überzeugt, dass die bis zu 7.000 Besucher fassende Konkurrenz-Halle kommen und "es bei uns laufen wird, weil wir den besseren Standort haben". In Wetzlar macht Lenz Verkehrsprobleme wegen eines angrenzenden großen Einkaufszentrums aus.

Zwei Hallen mit ähnlichem Konzept in nur zehn Kilometern Entfernung kann sich Wetzlars Baustadtrat Achim Beck (CDU) freilich nicht vorstellen. "Wir würden uns gegenseitig kaputt machen, weil wir auf die gleichen Besuchergruppen zielen." Und auch wenn Beck wegen der seit langem ausstehenden Baugenehmigung in Linden die Lage entspannter sieht, als vor einem Jahr, bekräftigt er: "Sollte die Halle genehmigt werden, werden wir dagegen klagen." Schließlich gehöre ein Projekt dieser Größenordnung laut Regionalplan in ein Oberzentrum wie Wetzlar – und nicht in die 12.000-Einwohner-Stadt Linden.

Derweil ruht das Projekt für eine Multifunktionshalle in Kassel mit Platz für 8.000 bis 10.000 Besucher. Gegenwärtig gebe es keinen Investor, sagte eine Rathausprecherin. Allerdings sei das Projekt nicht erledigt. Die Halle sollte Teil einer "Ereignisachse" sein, zu der auch Sportplätze und andere Einrichtungen gehören. Laut Regionalmanager Holger Schach hätte die Halle "ein großes Potenzial", weil sie durch ihre Nähe zur Autobahn sehr gut angebunden sei. Doch im Finanzierungskonzept klafft eine Lücke. Das rund 30 Millionen teure Projekt sollte zum Teil über Fördergelder der EU bezahlt werden. Von rund sechs Millionen Euro aus dem Ziel-II-Topf war man in einer ersten Kostenkalkulation ausgegangen. Doch es gab eine Absage. Deshalb sprangen die Investoren ab. Ein weiteres Problem waren die Preisvorstellungen, die der Betreiber der jetzigen Eissporthalle und Inhaber der Lizenz für die "Kassel Huskies" vorgelegt hatte und die deutlich über der Summe lagen, die sich die Investoren vorgestellt hatten.

Laut Regionalmanager Schach gehe es jetzt darum, "das Projekt kritisch zu durchforsten" und nach "Einsparpotenzialen" zu suchen. Die Kasseler Wirtschaftsförderung bemüht sich nach den Angaben von Frank Eckert um Investoren, aber auch um Sponsoren, die beim Füllen des Finanzlochs helfen könnten. Für den Betrieb der Halle hatte sich ebenfalls die Berliner GegenbauerBosse GmbH interessiert. Sie hat nach eigenem Bekunden nach wie vor Interesse, in Kassel mit einzusteigen.

Georg Kronenberg und Ralf Pasch



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