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Express Online: Thema der Woche
Express Online: Thema der Woche | 8. April 2010

Auf der Jagd nach dem Beduinen-Kamel

Rallye Allgäu-Orient
Bereits während der Rallye sind verschiedene Aufgaben mit karitativem Hintergrund zu erfüllen, wie z.B. gesammeltes Kinderspielzeug und Kinderbekleidung zu finanziell benachteiligten Kinderheimen abseits touristisch erschlossener Gebiete oder zu Flüchtlingslagern im jordanischen Grenzgebiet bringen oder einen Rollstuhl mit dem Rallyefahrzeug unbeschadet nach Amman transportieren. Wie in den Vorjahren werden auch 2010 die Rallyefahrzeuge in Amman an das "World Food Programm" (WFP) der Vereinten Nationen übergehen und höchstbietend versteigert.
In den letzten vier Jahren konnte dem WFP nach Angaben der Veranstalter durch den Fahrzeugerlös, weitere Spenden der teilnehmenden Teams und der Sponsoren über 180.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Das Geld wird vom WFP zweckgebunden für die Projekte ausbezahlt, welche von den Organisatoren der Rallye unterstützt werden. Momentan ist dies der Aufbau einer Käserei mit einem noch in Planung befindlichen, angeschlossenem Jugend-Begegnungszentrum im Wüstendorf Al Rabiat bei Amman. Die Käserei soll es einigen Beduinenfamilien ermöglichen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Außerdem ist in diesem Jahr ein Bäckerei- und ein Wasserprojekt geplant.
kro/pe
Mit drei altersschwachen Familienkutschen von Mittelhessen in den Orient: Das Team "Sixpack" macht bei der Low-Budget-Rallye Allgäu-Orient mit / Anti Paris-Dakar für einen guten Zweck

So sieht wohl der Albtraum jedes PS-begeisterten Motorsport-Fans aus: 220.000 Kilometer hat Peter Pfeilers alles andere als neu wirkender VW Passat inzwischen auf dem Tacho. Was auch kein Wunder ist, immerhin ist die brave Familienkutsche mit 90 PS satte 21 Jahre alt. Und erfüllt damit eine der Grundvoraussetzungen als Rennfahrzeug für die Rallye Allgäu-Orient, berichtet Pfeiler: "Nur Autos, die mindestens 20 Jahre alt sind oder Fahrzeuge, die definitiv nicht mehr als 1111,11 Euro wert sind, dürfen starten."

Durch eine kleine Meldung in einem Reisemagazin haben der 51-jährige Pohlheimer und seine fünf Mitstreiter Yvonne Lippert, Uwe Diehl, Henning von Gustedt, Ines Rublack und Kai-Uwe Kaczmarek vor einem Jahr von der Motorsportveranstaltung der etwas anderen Art erfahren und waren sofort Feuer und Flamme: "Das ist eine Low-Budget-Rallye über rund 6000 Kilometer für Leute, die das kalkulierbare Abenteuer lieben und für einen guten Zweck die ein oder andere Strapaze auf sich nehmen", berichtet Pfeiler.

Genau das Richtige für den reiselustigen Pfeiler, der mit seinem Motorrad schon durch so einige Länder von Marrokko bis Jordanien getourt ist. "Wir sind auch sonst im Urlaub immer abseits der normalen Touristenpfade unterwegs, unterstreicht Freundin Yvonne Lippert, die der Wettbewerb auch deshalb reizt, "weil mein Vater früher selber als Fahrer bei Bergrennen mitgemacht hat". Und auch wenn noch keiner von ihnen bisher eine Rallye mitgefahren sei, sind sie ein eingespieltes Team, sagt Erzieher Henning von Gustedt. "Wir kennen uns durch viele Urlaube und Mottoradtouren."

Als Team "Sixpack" gehen die sechs Freunde aus Mittelhessen und Herten in Nordrhein-Westfalen mit drei VW Passat am 30. April bei der "Allgäu-Orient" in Oberstaufen an den Start.

Die Anti-Paris-Dakar soll in erster Linie Spaß machen und zur Völkerverständigung beitragen. Die Regeln der Rallye sind recht einfach: Los geht's in Oberstaufen im Allgäu, Ziel ist Amman in Jordanien. Es gelten die Regeln der Straßenverkehrsordnungen. DieStreckenwahl liegt bei jedem Team selbst.Allerdings dürfen täglich im Schnitt nicht mehr als 666 Kilometer zurückgelegt werden. Und das Maximalbudget für die Übernachtung pro Person und Nacht soll im Durchschnitt bei 11,11 Euro liegen. In jedem Land gibt es Sonderprüfungen.

Der Clou: "Der erste Preis ist ein echtes Kamel", berichtet Pfeiler. "Das bringt man aber nicht mit nach Deutschland, sondern stellt es einem jungen Beduinen zur Verfügung, damit er sich damit eine Existenz aufbauen kann."

Das private Veranstalterteam selbst nennt die Rallye "eines der letzten automobilen Abenteuer dieser Welt". Immerhin hat sich das Event im Jahre fünf seines Bestehens von der belächelten Spinnerveranstaltung zu einer der größeren Rallyes gemausert. So ist das international besetzte Teilnehmerfeld von ursprünglich 40 Teams auf derzeit 103 Teams mit in der Regel je sechs Teammitgliedern und je drei Fahrzeugen pro Team gewachsen.

Georg Kronenberg

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