Samstag, 6. März 2021
Express Online: Thema der Woche
Express Online: Thema der Woche | 23. September 2010

Klang auf Knopfdruck

Meisterkurs und Workshops
Im Rahmen des Akkordeon-Festivals finden Samstag und Sonntag, 2. und 3. Oktober 2010, zahlreiche Workshops statt. Die Kursleiter Irina Resch und Viktor Gräfenstein, Akkordeonlehrer an der Musikschule Marburg, wollen mit den Teilnehmenden improvisieren und dabei mit Anfängern die Grundlagen des Akkordeonspiels erarbeiten bzw. Fortgeschrittenen nützliche Tipps geben.
Einen Meisterkurs, bei dem die Teilnehmenden auch Einzelunterricht erhalten, bietet die mit zahlreichen internationalen Musikpreisen ausgezeichnete Veronika Todorova.
Ihre Arbeitsergebnisse aus den Workshops zeigen die Musizierenden am Sonntag ab 16 Uhr auf der Bühne beim musikalischen Ausklang. Die Kurse beginnen am Samstag um 9.30 Uhr und am Sonntag um 10 Uhr in den Räumen der Musikschule Marburg.
Auskunft erteilt auch das Sekretariat der Musikschule Marburg, Tel.: 06421 13337.
Akkordeonspieler gesucht
Festivalatmosphäre soll am Samstag, dem 2. Oktober die Gassen Marburgs erfüllen, wenn Akkordeonspieler aus der Region ihr Können zum Besten geben und auf den historischen Plätzen der Oberstadt musizieren. Das Organisationsteam des Akkordeon-Festivals lädt weitere Solisten und Gruppen zum Mitwirken ganz herzlich ein. Wer mitmachen möchte, wendet sich an Helga Pukall, Tel. 0177/5546199.
MiA/PE
Zweites Akkordeon-Festival Marburg vom 1. bis 3. Oktober 2010

Mit dem Akkordeonfestival 2010 unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Egon Vaupel setzen die Musikschule Marburg und das Projekt Kultur & Kulturen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Bereits 2008 stieß das erste Festival auf große Resonanz bei Teilnehmenden und Publikum.

Wir wollen Menschen aus verschiedenen Kulturen die Möglichkeit bieten, ihre Kunst und ihre Musik vorzustellen, um darüber miteinander ins Gespräch zu kommen", sagt Helga Pukall, Leiterin des Projekts Kultur & Kulturen. Kaum ein Instrument könne dieses Anliegen deutlicher transportieren als das Akkordeon. "Es ist doch", so Pukall weiter, "aus dem argentinischen Tango ebenso wenig wegzudenken wie der Folklore des Balkan, dem jüdischen Klezmer oder dem Pariser Chanson." Musikschulleiter Knut Kramer ergänzt: "Mit unseren Lehrenden Irina Resch und Viktor Gräfenstein können wir seit geraumer Zeit kontinuierlich Akkordeonunterricht anbieten. Das Festival möchte natürlich noch mehr Menschen für dieses wunderbare Instrument begeistern. Nicht nur, dass man Bach darauf spielen kann; auch Künstler wie Paul Simon, Hubert von Goisern und Joe Cocker haben es ganz hervorragend in ihrer Musik eingesetzt."

Von Freitag, dem 1. Oktober bis Sonntag, dem 3. Oktober finden zahlreiche Workshops, zwei Gastkonzerte mit internationalen Stars der Akkordeonszene, Straßenmusik auf den Plätzen der Oberstadt und eine Verkaufsausstellung rund ums Akkordeon statt.

Den Reigen der Veranstaltungen rund um Tasten, Knöpfe und Blasebälge eröffnet die bulgarische Virtuosin Veronika Todorova mit einem Solokonzert am Freitag um 20 Uhr im Saal der Musikschule. Tango, Balkanfolklore, Jazz - die mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Spielerin beherrscht alle Stile perfekt.

Am Samstag und Sonntag steht Interessierten die Teilnahme an verschiedenen Workshops in den Räumen der Musikschule zur Auswahl. "Gemeinsam mit meiner Kollegin Irina Resch lege ich großen Wert darauf, dass motivierte Einsteiger genauso auf ihre Kosten kommen und Spaß haben wie Teilnehmende mit fortgeschrittenen Kenntnissen. Daher werden wir auch mit ihnen nach wenigen einführenden Übungen schon improvisieren", sagt der in der ehemaligen Sowjetunion geborene Viktor Gräfenstein. Veronika Todorova wird außerdem einen Kurs anbieten, bei dem die Teilnehmenden auch Einzelunterricht nehmen können. Die Arbeitsergebnisse aus den Workshops können die Musizierenden zum Schluss auf der Bühne beim musikalischen Ausklang zeigen.

Festivalatmosphäre erfüllt am Samstag auch musikalisch die Gassen der Oberstadt, wenn Akkordeonspieler aus der Region ihr Können zum Besten geben. Weitere Solisten und Gruppen sind zum Mitwirken herzlich eingeladen. Kontakt: Helga Pukall 0177 5546199.

Victor Romanko, der Virtuose auf dem Bajan, dem russischen Knopfakkordeon, fügt am Samstag um 20 Uhr in der lutherischen Pfarrkirche mit seinem Solokonzert dem Festival einen weiteren Glanzpunkt hinzu. Seine Interpretation der Vier Jahreszeiten von Vivaldi für Soloakkordeon und seine Stehgreifimprovisationen über Volkslieder haben ihn international berühmt gemacht. "Das von Kennern mit Spannung erwartete Konzert wird für alle Musikfreunde ein absoluter Hörgenuss", versichert Gräfenstein. "Welche wilden Improvisationen Victor Romanko spielen wird, entscheidet er ganz spontan."

Auch in diesem Jahr konnten die Sparkasse Marburg-Biedenkopf sowie die Firmen Musik Meyer und das Musikhaus am Biegen als Sponsoren gewonnen werden. Letzteres organisiert während des Festivals eine Verkaufsausstellung mit verschiedenen Akkordeontypen und -noten in den Räumen der Musikschule.

Alle weiteren wichtigen Informationen zum Festival wie Preise für die Konzerte, Workshops, Termine und Anmeldung finden Interessierte unter www.akkordeon-festival-marburg.de. Dort können auch die Anmeldeunterlagen als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Weitere Infos ebenfalls unter: www.musikschule-marburg.de und www.kultur-und-kulturen.de. Auskunft erteilt auch das Sekretariat der Musikschule Marburg, Tel.: 06421/13337.

Michael Arlt


Express Online: Thema der Woche | 23. September 2010

Musik im Kürbisbauch

Mitten zwischen Gießen und Marburg musiziert das einzige Kalebassen-Orchester Deutschlands

Die Kürbisse klingen ein bisschen wie fein abgestimmte Tröten. Je dicker der Kürbisbauch, um so tiefer der Ton. Wenn dieBellnhäuser Kürbismusikanten auf den Dörfern rund um Marburg auftreten, sind ihre Instrumente der Clou: Ausgehöhlten Kalebassen entlocken sie die Töne für Schlager und Volkslieder. Und die Kürbisse sind auch noch reich geschmückt: Mit verschlungenem Hals, als Ente mit beweglichen Flügeln oder mit Hütchen und Schnurbart kommen die eigenwilligen Instrumente daher. Bei "When the saints" gibt's sogar ein Solo. "Das klingt wie ein Bienenschwarm", staunt eine Zuhörerin. "Einmalig", urteilt ihr Mann.

In der Tat sind sie die einzigen Kürbismusikanten Deutschlands, versichert der Erfinder des Instruments, der 70-jährige Wilhelm Schmidt aus dem mitten zwischen Gießen und Marburg gelegenen Ort Bellnhausen. Ihm hat der hinter dem Kürbisorchester stehende Obst- und Gartenbauverein des Dorfes die ungewöhnliche Kreation zu verdanken. Schmidt ist nämlich ein Bastler. Seine Vereinskollegen sprechen vom "Atelier", wenn sie an seine Werkstatt denken. Und der erst vor wenigen Jahren gegründete Gartenbauverein baute von Anfang an vor allem Kürbisse auf dem 2000 Quadratmeter großen Acker an. Schließlich sollte im benachbarten Gladenbach ein Kürbismarkt gefeiert werden, zu dem sie den Halloweenschmuck in allen Farben und Variationen liefern wollten. Mit 540 Pflanzen und 70 verschiedenen Sorten legten sie los.

Doch Schmidt experimentierte. Der gelernte Kraftfahrer stellte fest, dass sich nur die Kalebassen haltbar machen lassen. Höhlt man sie aus, werden sie hart wie Holz. In Afrika und Lateinamerika werden sie für den Transport von Lebensmitteln benutzt, erzählt er. Dass sie auch als Musikinstrumente dienen können, war bis dato aber unbekannt. Es ist auch tatsächlich schwierig: "Das Innere sauber auszuhöhlen, ist die Kunst", sagt der Instrumentenbauer, der heute eine geschliffene Suppenkelle und ein Kupferröhrchen dazu verwendet. Um so glatter die Haut, um so sauberer der Ton.

Schmidt setzte Trompetenmundstücke an den Hals der Kürbisse. Aber das funktionierte nicht: "Man bekam immer nur ein zwei saubere Töne heraus. Der Rest war Murks", sagt der Vorsitzende des Gartenbauvereins, Paul Drösch. Doch die Idee vom Kürbis-Orchester war geboren.

Und inzwischen hat Tüftler Schmidt auch den Dreh heraus: Wie groß die Luftöffnung ist, spielt keine Rolle. Aber Mundstücke mit Membranen - Genaueres will der Erfinder nicht verraten - sorgen für ordentliche Klangkörper. Bis so ein Instrument fertig ist, kann es allerdings dauern. Ein Jahr muss allein der aushöhlte Kürbis trocknen. Vom Schimmelbelag auf der Haut müsse man sich nicht schrecken lassen, erzählt der Experte. Einfach abwischen. Später wird daraus die schöne Instrumenten-Maserung.

Inzwischen hat das Orchester 25 Instrumente und ein Repertoire von 50 Schlagern und alten Volksliedern. Wichtigster Termin ist der Kürbismarkt in Gladenbach, wo die Gruppe in diesem Jahr am Samstag, 25. September, mehrfach auf dem Marktplatz auftritt.

Ich hatte ja gar nicht damit gerechnet, dass 14 Leute diesen Blödsinn mitmachen", sagt Schmidt grinsend. Musikalische Leiterin ist die 41-jährige Ingrid Drösch. "Wer gut singen kann und ein bisschen Gehör hat, kommt mit den Kürbissen zurecht", sagt die Bankkauffrau, die sonst Akkordeon, Gitarre und Flöte spielt. Und die seit drei Jahren auftretende Truppe wird von Jahr zu Jahr bekannter. Sie haben sogar schon auf der "weltgrößten Kürbisausstellung" in Ludwigsburg gespielt.

Unterdessen füllt sich die Vereinskasse durch den Verkauf von Zierkürbissen, Kürbismarmelade, Kürbiswurst und Kürbiswaffeln. "Es wird alles ausprobiert", sagt Paul Drösch. Vorsichtshalber haben die Hobbygärtner in diesem Jahr besonders viele Kalebassen angebaut. 250 haben sie geerntet. Die werden natürlich nicht alle zu Instrumenten. Aber auch unabsichtlich kann das - nach etwa zwei Jahren Trocknung - passieren. Wenn nur noch die Kerne im Inneren übrig sind, klingen sie wie Rasseln. Schmidt hat auch eine Kürbisgitarre. Nur spielen kann er das Instrument nicht. Aber die Klampfe klingt ohnehin etwas verstimmt. Und so hängt sie nun als Dekoration auf der Bühne.

Gesa Coordes

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