Dienstag, 15. Juni 2021
Express Online: Thema der Woche
Express Online: Thema der Woche | 28. Januar 2010

"Viele gute Überraschungen ..."

Marburger Kunstverein
1953 als Marburger Künstlerkreis gegründet, bezog der Verein – seit 1984 Marburger Kunstverein – im Jahr 1957 erste eigene Ausstellungsräume am Markt 16 in der Oberstadt. Im Rahmen der Neugestaltung des Bereiches Pilgrimstein-Biegenstraße entstand 1999/2000 ein mit 525 qm großzügig gestaltetes zweigeschossiges Ausstellungshaus in zentraler Lage, das am 29. September 2000 von der Stadt an den Marburger Kunstverein übergeben wurde.
"10 Jahre – 10 Künstler"
Bis 4.3. Di–So 11–17, Mi 11–20 Uhr
Die Ausstellung zeigt im Schwerpunkt Malerei zwischen Figürlichkeit und Abstraktion sowie Zeichnung, die ihre Möglichkeiten von zarter Skizzenhaftigkeit bis zum Wand füllenden Großformat auslotet. Außerdem zu sehen sind verschiedene fotografische Verfahren, eine Videoarbeit und eine große Bandbreite bildhauerischer Positionen. Neben Holzarbeiten trifft der Besucher auf Objekte aus bemaltem Stahl und Betonskulpturen begegnen.
Gezeigt werden Arbeiten von Joachim Bandau, Aris Kalaizis, Angela Hiß, Floris M. Neusüss, Annette Sauermann, Bernd Schwarting, Hans Sieverding, Willi Weiner, Rainer Wölzl und Andrea Zaumseil.
Michael Arlt
Das Ausstellungshaus des Marburger Kunstvereins feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Der Express sprach mit dem geschäftsführenden Vorsitzenden Gerhard Pätzold.

Express: 10 Jahre Ausstellungshaus des Marburger Kunstvereins am Gerhard-Jahn-Platz – ist das auch eine zehnjährige Erfolgsgeschichte?
Gerhard Pätzold: Ja, das ist nicht nur eine zehnjährige Erfolgsgeschichte. Das Ansehen und die Zustimmung, die der Kunstverein in den letzten Jahren erfahren hat, bauen ganz wesentlich auf der unvergessenen Arbeit des Künstlerkreises-Kunstvereins – gegründet 1953 – im Ausstellungshaus Markt 16 in der Oberstadt auf. Dort und auf der ehemaligen Galerie der Sparkasse der Stadt Marburg in der Barfüßerstraße haben die früheren hoch engagierten Vorstände und Mitglieder die Grundlagen für die jetzige Arbeit am Gerhard-Jahn-Platz gelegt.

Express: Zum Profil: Welches Konzept verfolgen die Ausstellungen des Kunstvereins und wo verortet sich das Haus innerhalb der Marburger Kunstszene?
Gerhard Pätzold: Der Kunstverein will mit der Präsentation von Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Bundesrepublik und dem nahen Ausland die Kunst der Gegenwart in jährlich sieben wechselnden Ausstellungen in Marburg zeigen und damit in Marburg zur Auseinandersetzung mit den Fragen der Gegenwartskunst beitragen. In diesem Zusammenhang gebenwir auch alle zwei Jahre in der Ausstellung "Kunst in Marburg" den Künstlerinnen und Künstlern der Marburger Region die Gelegenheit, ihre neuen Arbeiten in unseren Räumen in einer jurierten Ausstellung zu zeigen. Die Ausstellung "Kunst in Marburg 2010"wird in diesem Jahr in der Zeit vom 2. Juli – 12. August stattfinden.

Express: Hat der Bezug der neuen Räumlichkeiten vor zehn Jahren die Art und Weise der Ausstellungen beeinflusst?
Gerhard Pätzold: Ja, es kann nicht übersehen werden, dass sich die Ausstellungen im Haus am Gerhard-Jahn-Platz gegenüber den Ausstellungen im Haus Markt 16 stark verändert haben. Die größeren Räume bieten die Möglichkeit, deutlicher als bisher auf das Gesamtwerk einer Künstlerin oder eines Künstlers einzugehen.

Express: Mit der neugebauten Kunsthalle Gießen tritt ein starker regionaler Konkurrent auf den Plan. Welche Konsequenzen hat das?
Gerhard Pätzold: Wir sehen in den neu geschaffenen Ausstellungsräumen in Gießen keine Konkurrenz. Für die Präsentation der Bildenden Kunst in Mittelhessen ist dies ein großer Gewinn und eine wunderbare Ergänzung und anregend für beide Städte. Vor etwa zwei Jahren hatten wir in Gießen in einem Gespräch in der dortigen Verwaltung vorgeschlagen, die Ausstellungstätigkeit in den neuen Räumen dem dortigen Kunstverein zu übergeben. Wir bedauern sehr, dass dies nicht geschehen ist.

Express: Stichwort Kosten: Wenn die Kommunen Finanznot leiden, gehört die Kulturförderung zu den ersten Posten, die auf den Prüfstand kommen. Ist die Zukunft des Ausstellungshauses abgesichert?
Gerhard Pätzold: Ich denke, in Marburg sollte bei der gegenwärtigen Finanzlage nicht von Finanznot geredet werden. Und schon gar nicht sollte herbeigeredet werden, dass "die Kulturförderung zu den ersten Posten" gehört, die auf den Prüfstand kommen. Wir reden alle von der Stärkung der Bildungsaufgaben, und dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit der Bildenden Kunst, in den Ausstellungen der Museen, der Galerien, der Werkstätten und vieler weiterer Initiativenund natürlich auch in den Kunstvereinen.

Express: Was war ihre persönliche Lieblingsausstellung in den vergangenen zehn Jahren?
Gerhard Pätzold: Ich denke gerne an die Ausstellungen der Studierenden der verschiedenen Kunsthochschulen zurück, die wir hier zeigen konnten, aber auch an die Ausstellung mit Arbeiten von Bernard Schultze "Ein Blick zurück", 2005 und an die Ausstellung der Malerei von Dieter Krieg, 2004. Und ich denke natürlich auch an die Ausstellung "Alle für Einen" mit Fotoarbeiten von Martin Liebscher vom 23.9.–12.11.2009 zurück, die uns in sieben Wochen 3.000 gezählte Besucher brachte.

Express: Und wie sähe ihre Traumausstellung aus?
Gerhard Pätzold: Es gibt immer Träume. Meine Träume muss ich aber mit dem Künstlerischen Beirat des Kunstvereins abstimmen. Und da bietet das Erwachen viele gute Überraschungen.

Interview: Michael Arlt


Express Online: Thema der Woche | 28. Januar 2010

Fotos aus dem Eis

Shackleton – Fotos aus dem Eis
15.1.–11.4.2010
Museum im Spital, Hintergasse 5, Grünberg
Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag 14–18 Uhr, Mittwoch 18–21 Uhr
Gezeigt werden 69 S/W Fotografien von James Francis Hurley
Format: 63 x 53 bzw. 53 x 63 cm sowie acht Farbfotografien, State Library of New South Wales Format: 45 x 30 cm
Neben den Fotos wird auch der rund 80-minütige Film "South" gezeigt, den Frank Hurley bei der gescheiterten Expedition gedreht hat.
Kuratoren der Ausstellung sind Ina Brockmann und Peter Reichelt.
kro
Überlebenskampf am Südpol in spektakulären Bildern: Das Grünberger Museum im Spital zeigt Fotos von der Antarktis-Expedition von Polarforscher Ernest Henry Shackleton 1914-1917

Als der Ire Sir Ernest Henry Shackleton (1874-1922) am 26. Oktober 1914 zu seiner "Imperial Trans-Arctic Expedition" in See sticht, gilt er bereits als Nationalheld, der auf zwei Polarexpeditionen zurückblicken kann. Beim Wettlauf um die Erkundung der Antarktis war die Trophäe, die Bezwingung des Südpols, jedoch bereits an andere vergeben. Shackleton setzte sich die Überquerung des Kontinents von West nach Ost zum Ziel.

Schon im Januar 1915 bleiben dieTeilnehmer der Expedition im Packeis des Weddell-Meeres stecken und müssen monatelang im Bauch des festgefrorenen Schiffs überwintern. Nach langen Wochen der Zerstörung durch die Eismassen, sinkt ihr Segelschiff schließlich. Aus Shackletons Expedition ist ein Überlebenskampf geworden. Durch eine seemännische wie navigatorische Meisterleistung schaffen es Shackleton und fünf weitere Expeditionsmitglieder, in einem Rettungsboot 1200 Kilometer über das stürmischste Meer der Erde die Insel South Georgia zu erreichen. Erst 1917 entkommen die 27 Männer und ihr Kommandant dem ewigen Eis.

Trotz allem Scheitern ist die Shackleton-Expedition nicht nur im Bereich der Polarforschung zum Mythos geworden. Es sind die unter extremen Bedingungen entstandenen Aufnahmen des Expeditionsfotografen James Francis Hurley (1885-1962), die die Dramatik des Scheiterns, den Tag für Tag neuen Überlebenskampf der im Eis eingeschlossenen Menschen, festhalten – und so eines der großen Abenteuer des vergangenen Jahrhunderts dokumentieren.

Die Glasplattennegative wurden in hermetisch abgeschlossenen Kanistern transportiert, die fünf Monate auf dem Eis, eine Woche in einem offenen Boot auf dem Polarmeer und dann nochmals fünf Monate im Schnee von Elephant Island begraben überstanden. Das Vorhandensein von Hurleys dramatischen Aufnahmen ist ein ähnlich großes Wunder wie die Rettung der gesamten Mannschaft Shackleton. Zum Teil in Tauchgängen aus dem eisigen Wasser geborgen hat der passionierte Fotokünstler nur 100 Glasplatten retten können.

Ernest Shackleton war nie am Pol, er verlor sein Schiff beim Versuch, die Antarktis zu durchqueren. Und doch ist er Sieger, weil er ein geradezu sagenhaftes Fotoalbum aus dem ewigen Eis brachte", schrieb die "Welt" über die Ausstellung. Dabei sind Hurleys Bilder keine akribische Dokumentation des Geschehens. Hurley: "Ein Foto ist kein Dokument dessen, was man sieht ..." Benutze die Kamera wie ein Maler seinen Pinsel. Die Kamera ist nur ein Stück Technik. Du bist ihr Gehirn." Der Fotograf, der sich auch als Künstler verstand, hat seine Bilder sorgfältig komponiert und, bei aller Dramatik des Geschehens, die Schönheit des eisigen Kontinents eingefangen.

pe/kro

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