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Express Online: Thema der Woche
Express Online: Thema der Woche | 7. Oktober 2010

Von Schafen und Mördern

Leonie Swann
... wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Die Idee zu ihrem 2005 erschienenen ersten Roman "Glennkill" entstand in Paris, wo sie sich manchmal nach dem Landleben sehnte – und nach Schafen, mit denen sie auf einer Irlandreise Bekanntschaft geschlossen hatte.
Mit "Glennkill" gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Das Buch stand monatelang ganz oben auf den Bestsellerlisten, wurde in 25 Länder verkauft und mit dem renommierten "Friedrich-Glauser-Preis" für das beste Krimi-Debüt ausgezeichnet.
Im Juni 2010 erschien ihr Schaf-Thriller "Garou": Für die Schafe von Glennkill beginnt in ihrem Winterlager in Frankreich ein neues Abenteuer.
Leonie Swann lebt heute in Berlin.
Krimifestival
Leonie Swann liest beim Krimifestival aus ihrem neuen Thriller "Garou". Termin: Samstag, 9. Oktober, um 20.00 Uhr im TTZ Infos: www.krimifestival.de
kro
Wenn Schafe Spürsinn beweisen: Bestsellerautorin Leonie Swann über ihren Spaß an schrägen Perspektiven und die philosophische Weltsicht von Wiederkäuern

Express: Sie schicken Schafe auf Verbrecherjagd. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Schafe gelten ja als eher dumme Tiere, die nur grasen und blöken ...
Swann: Grundidee für die Romane war eigentlich ein Wort. Das Wort "Schafskrimi", das irgendwie in meinem Kopf auftauchte, – bitte fragen sie mich nicht warum.
Schafe und Krimi, das klang wie ein Widerspruch, man hat erstmal das Gefühl, "das geht gar nicht. Während der Arbeit an dem ersten Buch habe ich dann aber schnell gemerkt, dass es eine glückliche Kombination ist. Schafe einmal in der Detektiv-Rolle zu sehen und nicht in der typischen Beute-Rolle ist nämlich sehr spannend.
Und gerade aus den Schwierigkeiten, mit denen die Schafe kämpfen müssen, weil sie nicht die geborenen Detektive sind, ergaben sich viele ungewöhnliche Details für die Geschichte.

Express: Sind Schafe bessere Ermittler als andere Tiere, beispielsweise die Katze von Rita Mae Brown?
Swann: Das kann ich so nicht sagen. Ich wollte ursprünglich auch nicht wirklich einen Tierkrimi schreiben. Es war vielmehr die Neugier, was man aus so einer schrägen Perspektive beobachten kann.
Nicht das Krimigenre stand im Vordergrund, sondern das Vergnügen, das man hat, wenn man die Welt aus ganz anderen Augen, aus denen eines Schafs, sieht. Dass Glennkill ein Krimi wurde, war eher eine Orientierungshilfe mich und für die Leser – weil man mit einer ganz anderen Welt konfrontiert ist und sich erstmal in die Schafe reindenken und reinlesen muss. Dadurch, dass so gut wie jeder Leser Krimierfahrung hat, weiß wie ein Krimi funktioniert, ist es einfacher sich zu orientieren.

Express: Was ist Ihnen an ihren Helden am sympathischsten?
Swann: Was mir beim Schreiben den meisten Spaß gemacht hat, war diese Unvoreingenommenheit: Die Schafe wissen einfach unglaublich wenig über das, was Menschen bewegt und haben ihre ganz eigenen, oft naiven oder falschen Interpretationen über unser Handeln. Dadurch entsteht so eine ganz neugierige und zum Teil philosophische Weltsicht – weil die Schafe angestrengt in allem, was die Menschen tun, einen tieferen Sinn suchen.Auch wenn es um banale Alltäglichkeiten geht, die jeder Mensch ohne nachzudenken erledigt.

Express: Boomen Schafe zurzeit? Shaun das Schaf hat seine eigene Fernsehserie ...
Swann: Das kann ich nicht beurteilen, ich verfolge die Medien nicht so sehr. Ich habe allerdings das Gefühl, dass Schafe sehr lange für Menschen wichtig waren. Das Christentum ist ja irgendwie als "Hirtenreligion" entstanden. Deshalb gibt es auch viele Metaphern, beispielsweise "die schwarzen Schafe".
Schafe waren auch lange Zeit sehr wichtig für den Wohlstand. Ich glaube, das englische Empire ist nur entstanden, weil das Land durch die Schafzucht und die Wollproduktion sehr viel verdient hat. Und Schafe sehen natürlich sehr süß aus, wenn sie gut gezeichnet sind, beispielsweise auf Postkarten. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Tiere in Mode kommen können.

Express: Nach "Glennkill" haben Sie ein Praktikum bei einer Schäferin gemacht. Wie war's? Und was haben Sie in der Schäferhütte für sich bzw. für Ihren Schaf-Thriller "Garou" gelernt?
Swann: Der Schäferwagen, wie George in Glennkill ihn hat, ist ja leider größtenteils Geschichte. Ich habe auf dem Bauernhof der Schäferin, in der Nähe von Bordeaux, gewohnt. Der Winter ging zu Ende und die Lammzeit begann. Deshalb habe ich der Schäferin hauptsächlich geholfen, die werdenden Mütter von der Weide in spezielle Pferche zu transportieren, in denen sie in Ruhe gebären und eine Mutter-Kind-Beziehung aufbauen können. Manche Lämmer musste man auch füttern, weil die Mutterschafe zu wenig Milch gaben.
In der Zeit habe ich ein besseres Gefühl für den Schafsalltag bekommen, wie neugierig die Schafe sind, wie groß ihre Scheu vor Menschen ist ...

Express: Ermitteln die Schafe bald in Folge 10, so wahnsinnig erfolgreich, wie Ihre Bücher sind?
Swann: Ich hoffe nicht! Gerade der neue und überraschende Blickwinkel war mir bei Glenkill und auch bei "Garou" ungemein wichtig. Das kann man nicht beliebig reproduzieren!
Bei den Geschichten, über die ich jetzt nachdenke, kommen Schafe nur im Hintergrund vor. Denn, so reizvoll die Schafsperspektive auch ist, es gibt sehr viele Beschränkungen für den Erzähler. Beispielsweise ganz viele Charakterentwicklungen für die kein Platz ist, weil die im Spektrum des Schafs nicht vorkommen. Auch große Zeitsprünge würden nicht gehen, weil Schafe nicht sehr alt werden.
Ich möchte nicht sagen, dass ich nie wieder Buch mit Schafen als Hauptdarstellern schreiben werde. Aber ich freue mich jetzt erstmal darauf, ganz andere Sache anzupacken.

Interview: Georg Kronenberg

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