Samstag, 15. Mai 2021
Express Online: Thema der Woche
Express Online: Thema der Woche | 28. Oktober 2010

Juwelen des Himalaya

Buddhistische Konzerttournee und Hilfe aus Heuchelheim für Ladakh

Erstmals in der langen Geschichte des buddhistischen Klosters Tserkarmo bereisen acht Mönche und zwei Laiendarsteller aus "Klein Tibet", im Norden Indiens, für drei Monate elf europäische Länder. Am 4. November kommen sie nach Lich und am 9. November nach Gießen. Organisiert wird die Konzerttournee der"Juwelen des Himalaya" von der Gemeinschaft für Tibetische Kultur "Dharmakirti" im mittelhessischen Heuchelheim.

Die tibetisch-buddhistische Tänze, Gesänge und Rituale soll einen Einblick in die reichhaltige und faszinierende Kultur Ladakhs gewähren", berichtet Sabine Tsering, von Dharmakirti.

Alle tantrischen Rituale, Gesänge, Maskentänze und Mudras (Gesten) haben eine tiefe Bedeutung und sind ein lebendiger Bestandteil der täglichen Praxis in allen tibetisch-buddhistischen Klöstern. Sie sind der symbolische Ausdruck von liebender Güte und Mitgefühl, der Essenz der buddhistischen Lehren."

Bei ihren Auftritten führen die Mönche sowohl Gebete und Meditationen als auch verschiedene Maskentänze durch. Bereits in Tibet entwickelte sich eine lange Tradition dieser rituellen Tänze, die weit mehr als bloße Unterhaltung sind. Die Tänzer folgen in ihren Bewegungen den Vorgaben der alten Texte und der begleitenden Musik, rezitieren Mantras und konzentrieren ihren Geist frei von Ablenkung auf die Erscheinung der Gottheit. So sollen durch diese religiösen Tänze nicht nur alle Hindernisse auf dem buddhistischen Pfad überwunden, sondern auch ein großes heilsames Potenzial erzeugt werden.

Die Einnahmen der Konzerttounee kommen den Opfern der Flutkatastrophe im August in Ladakh zugute.

Auftritt: Do. 4.11. 19:30 Uhr Kino Traumstern, Lich, Di. 9.11. 19:30 Uhr Konzertsaal im Rathaus, Gießen.

Fluthilfe für Ladakh

In der Nacht vom 5. zum 6. August kam es wie im nahen Pakistan in weiten Teilen Ladakhs zu wolkenbruchartigen, heftigen Regenfällen. Flüsse schwollen an und bahnten sich neue Wege, Brücken wurden weggeschwemmt, Häuser beschädigt oder zerstört, Felder überflutet. In Leh kam es zu einem Erdrutsch, der besonders die niedriger gelegenen Stadtteile und die Gegend um den Busbahnhof und den Flughafen betraf. Eine Schlammlawine wälzte sich durch die Stadt, drang in jede Ritze und begrub alles metertief unter sich. Selbst große Busse wurden teilweise zwei Kilometer weit davongetragen. "Fast eine Woche lang gab es keine Hilfe von außen. Gemeinsam mit Touristen, die sich als Freiwillige gemeldet haben, haben die Menschen in Leh verzweifelt im Schlamm nach Überlebenden gesucht"", berichtet Lama Konchok Samten, der zusammen mit anderen Mitgliedern der Heuchelheimer Gemeinschaft für Tibetische Kultur zum Zeitpunkt der Katastrophe in Ladakh vor Ort war.

Mehr als 300 Menschen sind nach seinen Angaben bei der Flutkatastrophe gestorben, 700 Menschen gelten noch als vermisst. Rund 700 Häuser sind zerstört worden, von den meisten blieb so gut wie nichts mehr übrig. Viele Menschen, die diese Nacht der Katastrophe überlebt haben, seien traumatisiert, in den folgenden Nächten zu den höher gelegenen Klöstern am Stadtrand geflohen. "Das schlimmste war die Angst, dass es noch einmal passiert. Wir haben eine Woche nur in den Bergen geschlafen."

Die ladakhische Bevölkerung ist hilflos angesichts der Zerstörung, mit Kochtöpfen wurde nach Verschütteten gebuddelt in einer Region, die auf derartige Katastrophen nicht eingestellt ist und keine Notfallpläne aus der Schublade zaubern kann.

Das Unwetter hat wichtige Infrastruktur zerstört, viele Brücken und Straßen sind unpassierbar. Zu vielen Dörfern außerhalb von Leh besteht noch immer kein Kontakt, hier warten zahlreiche Familien auf Hilfe.

Viele Familien haben ihre Lebensgrundlage verloren. Da die meisten Häuser aus ungebrannten Lehmziegeln gebaut werden, haben sie größeren Regenfällen nichts entgegenzusetzen. Sie sind eingestürzt oder einfach weggespült worden. Ein meterdicker, zäher Schlamm, der inzwischen fast betonartig trocknet, hat in den betroffenen Häusern alles begraben: Menschen, Hausrat, Kleidung, Bargeld. Da viele Ladakhis nicht über Bankkonten verfügen, stehen sie nun buchstäblich nur noch mit der Kleidung am Leib da. Natürlich bekommen die Betroffenen Unterstützung von Verwandten, Freunden und Nachbarn. Dennoch ist die Bevölkerung von Ladakh auf finanzielle Hilfe angewiesen. Die zerstörten Häuser müssen schnell wieder aufgebaut werden, denn bald bricht der harte Winter mit Temperaturen von bis zu -30 Grad herein.

Infos und Spendenadressen: www.treasurehimalaya.eu

Georg Kronenberg


Express Online: Thema der Woche | 28. Oktober 2010

Aussies und Ossis und ein heißes Eisen

4. Gießener Abenteuer-Tag
Ein Fest der mitreißenden Bilder und Geschichten / So 31.10. Kongresshalle Gießen
Den Anfang macht um 14 Uhr Henno Drecoll, der von seinen Abenteuern in Australien berichtet – immer locker und temperamentvoll kommentiert der Experte für Down Under seine exzellenten Bilder – präsentiert auf einer acht Meter breiten Großbild-Leinwand.
Um 17 Uhr folgt Tobias Hauser, der seine Impressionen von Neuseeland vorstellt. Ist Neuseeland tatsächlich das Paradies am anderen Ende der Welt? Top-Fotograf Hauser geht dieser Frage in seiner gefühlvollen Multivisionsshow nach.
Den Abschluss des Tages gestaltet um 20 Uhr Reiner Harscher mit seiner Reisereportage über Kanada. Der Vortrag wurde bereits mit diversen renommierten Foto-Preisen ausgezeichnet.
Abgerundet wird der Abenteuer-Tag durch ein umfangreiches Begleitprogramm mit u.a. "LiteraTOUR-Flohmarkt", einem vier Meter großen aufgeblasenen Gummi-Elefant für Kinder und Gewinnspielen bei allen Vorträgen.
MiA
Weltenbummler Henno Drecoll eröffnet die mit seiner Australien-Lichtbildshow die Gießener Abenteuertage 2010

Express: Stimmt es, dass Sie mit dem Faltboot über die Ostsee aus der DDR flüchten wollten?
Henno Drecoll: Ja, ein Pouch-Faltboot von meinem Opa aus der Scheune sollte es sein, ich lernte bei einer Weiterbildung im Rostocker Stadthafen Thorsten kennen, mit dem ich den Plan für den Herbstnebel 1983 ausheckte. Wir kannten die Küste um Markgrafenheide sehr gut und wussten, wo die LKW hin und wieder auffahren, um mit Monsterleuchten den Strand absuchen. Oktober wäre die beste Zeit dafür gewesen.

Express: Aber stattdessen machten Sie Ihren "Freischwimmer" im Rostocker Hafen ...
Henno Drecoll: Meine Flucht ereignete sich am Mittwoch, dem 13.7.1983 am hellichten Tag, 16.00 Uhr. Unbemerkt schwamm ich von einer unbenutzten Kaimauer zu einem westdeutschen Frachter. Die Grenzposten stets im Blick, tauchte ich jedes mal ab, wenn sie auf das Hafenbecken schauten. Die zwei Grenzer, einer vorn, einer hinten am Schiff, trugen Kalaschnikows, an der Gangway stand ein dritter Bewacher. Für mich war es die letzte Möglichkeit, an Bord zu kommen, denn das Schiff wurde klar gemacht zum Ablegen.
Natürlich traute die Stasi dieser Bewachung nicht, jedes Schiff wurde kurz vor dem Ablegen genau durchsucht. Mein Glück war, dass mich der erste Offizier unter hohem Risiko versteckt hat und die Ladung zuvor aus Fischmehl bestand. Nur so hatten die zwei Hunde wenig Chancen, mich zu wittern, zumal ich tief in der wassergefüllten Bilge gelegen habe. Im Notfall wäre ich dort kurz abgetaucht, einen Schlauch hatte der erste Offizier besorgt.
Nach etwa vier Stunden konnte ich aus dem kalten Versteck, der Kapitän hat extra die DDR-Hoheitsgewässer verlassen und wollte noch schnell über das DDR-Funknetz und "Rügenradio" einen flotten Spruch absetzen, aber ich habe abgeraten, das hätte der Rederei später sicher erheblichen Schaden zugefügt und weiteren Fluchtversuchen den Riegel vorgeschoben. So ging es nach Dänemark, und die Stasi tobte, da für sie nicht rauszubekommen war, wie mir die Flucht gelang. Die Familie hatte auch keinen Kenntnisse, alle Verhöre blieben zwangsläufig erfolglos ...

Express: Szenenwechsel – Was fasziniert Sie besonders an Australien?
Henno Drecoll: Es ist im Outback das einfache Leben, ähnlich wie damals in der DDR, isoliert und gefangen in der Wildnis, aber doch zufrieden mit dem Wenigen das man hat. Die Aussies sind extrem locker und nett, die Tiere exotisch, Landschaften von betörender Schönheit. Und es gibt weit und breit keine Bild-Zeitung. Man lebt viel intensiver. In den Städten trifft das natürlich nicht zu. Und dort leben 80% der Australier. Nach drei Australien-Umrundungen und fast 300.000 km Down-Under wird es immer interessanter. Zwei Reisen in diesem Jahr waren besonders der Fotografie gewidmet, denn wir arbeiten an einem dritten Bildband, der mit DVD auch bewegte Bilder zeigen soll.

Express: Sie machen nicht nur Fotoreportagen, sondern haben als gelernter Schlosser noch ein ganz heißes Eisen im Feuer ...
Henno Drecoll: Ja genau! Nach zwei erfolgreichen Bildband-Veröffentlichungen und sechs verschiedenen Panorama-Vorträgen über Down-Under wollten wir etwas neues probieren. 2005 starteten wir mit Open-Air-Shows plus BBQ Show. Bis zur Dunkelheit wurde auf dicken Stahlplatten gegrillt, und den Vortrag gab es dann "live" zum Nachtisch, meist bis 1.00 Uhr Nachts. Unsere Gäste fanden die drei selbst gebauten "Australien-Form-Grills" so schön, dass sie diese von uns bauen ließen. So haben wir eine coole Marktlücke "erfunden" und schon fünf Aussie-Grills bis nach Australien exportiert, denn auch dort gibt es sie nicht. Die "Formengrills" haben wir tatsächlich erfunden und einen Patentschutz bekommen. 500 Stück wurden schon bestellt, alle deutschen Bundesländer und natürlich Deutschland selbst. Der 2. Hessengrill ist übrigens in Arbeit.
Formengrills können alles sein: Figuren, Länder, Kontinente, Seen, Inseln oder Tiere. Zum Mauerfall- und Wiedervereinigungs-Jubiläum haben wir deshalb West- und Ost-Deutschland nun einmal separat gebaut, meine Frau Katrin als Hamburgerin und ich als Rostocker – Zwei Hanseaten, aus Ost und West, die so Ihren ganz eigenen Weg gegangen sind. Neben den Vortragstourneen werden nun die Formengrills in einer eigenen Werkstatt direkt von uns hergestellt, und die sind nun im wahrsten Sinne des Wortes "100% Made in Germany".

Interview Michael Arlt

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